23.05.2005

HEIMATDICHTERSchwäbischer Herrgottschnitzer

Er war der erfolgreichste Unterhaltungsschriftsteller im wilhelminischen Deutschland, bis heute werden die rührseligen Verfilmungen seiner Romane immer wieder im Fernsehen gezeigt: Ludwig Ganghofer (1855 bis 1920) gilt mit seinem volkstümlichen Erzählwerk ("Schloß Hubertus") nach wie vor als Kitsch-König und Klischee-Huber, der die Gebirgswelt und ihre Bewohner hemmungslos romantisierte. Nun soll in der Allgäuer Stadt Kaufbeuren, wo Ganghofer vor 150 Jahren geboren wurde, die "Kehrseite eines Klischees" entdeckt werden: Ganghofer war ganz anders, behauptet ein nun startender Reigen von Ausstellungen und Lesungen. Die Kaufbeurer weisen in ihrem Jubiläumsprogramm nicht ohne Lokaltrotz darauf hin, dass der "Paradebayer ein gewachsener Schwabe war" und dass die schwäbische Sprache "am Kunstbayerisch seiner Romane kleben" blieb. Der Autor habe sich in jungen Jahren gar nicht so sehr für das alpine Leben interessiert, sondern für die Großstadt, weswegen er in Wien lebte und in Berlin mit dem Dialektstück "Der Herrgottschnitzer von Oberammergau" einen ersten Erfolg feierte. Zudem war der Autor Mittelpunkt der Münchner Boheme und ein technikbegeisterter Tüftler, obwohl er als entschiedener Kritiker der Moderne auftrat. Der Superbayer als Superburschi.

DER SPIEGEL 21/2005
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HEIMATDICHTER:
Schwäbischer Herrgottschnitzer

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