23.05.2005

MEDIZINBlick ins Körperinnere

Nicht umsonst wird das Werk auch "Bibel der Internisten" genannt: In der jetzt auf Deutsch erschienenen 16. Auflage von "Harrisons Innerer Medizin" ist auf etwa sechseinhalb Kilogramm Papier (knapp 3000 Seiten) das geballte Wissen der medizinischen Königsdisziplin versammelt - vom ABNull-System der Blutgruppen bis hin zu den Zytotoxinen (die Durchfall verursachen). Der Blick geht bei der nicht gerade leichtverdaulichen Lektüre selbstredend vor allem ins Körperinnere (etwa auf die anschauliche Grafik zur Erläuterung des Defäkationsmechanismus), zugleich jedoch - das macht die deutsche Auflage besonders spannend - auch immer wieder über den großen Teich. Denn die (vornehmlich von Ärzten der Berliner Charité) angebrachten Änderungen sind gegenüber dem US-Original grau unterlegt - so springt sofort ins Auge: Deutsche Mediziner sind offenbar nicht nur kritischer, was das Verschreiben aggressiver Medikamente angeht. Auch im brisanten Kapitel über Bioterrorismus äußern sie sich weit vorsichtiger als ihre US-Kollegen - etwa zur hochumstrittenen Pockenimpfstrategie der Bush-Regierung. Und die Sorgfalt der Bearbeitung unterscheidet sich mitunter wohltuend vom Original - das sei, so der Berliner Verleger Axel Bedürftig, zum Teil so schludrig verfasst, "dass es eine Sau graust".
Manfred Dietel, Norbert Suttorp, Martin Zeitz: "Harrisons Innere Medizin". ABW Wissenschaftsverlag, Berlin; 2982 Seiten; 199,95 Euro.

DER SPIEGEL 21/2005
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