23.05.2005

Eva Joly

Eva Joly , 61, französische Untersuchungsrichterin, die Berühmtheit erlangte durch ihre Ermittlungen im Skandal um den Ölmulti Elf-Aquitaine, rechnete aus dem selbstgewählten Exil mit Frankreichs politisch-juristischem System ab. Von Oslo aus, wo sie als Korruptionsberaterin der Regierung tätig ist, feuerte die gebürtige Norwegerin und Bestsellerautorin (Buchtitel: "Ist das die Welt, in der wir leben wollen?") per Interview mit schwerem Geschütz: Selbst in Kenia, Rumänien, Bulgarien oder Madagaskar habe es "eine phantastische Entwicklung" in Richtung Korruptionsbekämpfung gegeben, wovon man "in Frankreich nichts bemerkt". Selbst die Spitze der Republik wird von der "ewigen Kreuzzüglerin" ("Le Parisien") nicht verschont: "Ein Präsident und Minister haben sich aus Geheimfonds persönlich bedient - und nichts passierte." Pauschal bekam die Grande Nation eins ausgewischt: "Zwischen dem Bild, das die Franzosen von sich machen und das die Welt von ihnen hat", bestehe "ein gewaltiges Gefälle". Ob die beurlaubte Rächerin ihr Amt in Paris wieder aufnehmen wird, weiß sie noch nicht. Joly: "Das dürfte wohl schwierig werden."

DER SPIEGEL 21/2005
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