30.01.1978

PERSONALIENBjörn Engholm, Horst Korber, Michaela von Habsburg, Antje Huber, Günter Deckert, Omar Bongo, Mildred Scheel

Björn Engholm, 38, SPD-Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Bonner Bildungsministerium, wurde vom CDU-Nachwuchs um Hilfe ersucht. Per Brief erbat der schleswig-holsteinische Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) eine Geldspende, um die "Aushöhlung unserer freiheitlichen Demokratie von innen" wirksam verhindern zu können. Engholm versagte zwar jede finanzielle Unterstützung. Begründung: Er sei überzeugt, "daß ich durch mein Eintreten für sozialdemokratische Politik einen sehr viel gewichtigeren Beitrag zur Verteidigung unseres Rechtsstaates leisten kann, als durch die Finanzierung von Wahlkämpfen christlich-demokratischer Studenten". Ganz leer mochte der Lübecker die Bittsteller aber auch nicht ausgehen lassen. Er schenkte ihnen ein Abonnement für den Pressedienst seines Ministeriums.
Horst Korber, 50, Berliner SPD-Senator für Bundesangelegenheiten und ehemaliger Passierschein-Unterhändler, ist in Bonn einem alten Bekannten bislang erfolgreich aus dem Weg gegangen: dem DDR-Vertreter in der Bundesrepublik Michael Kohl. Nur ungern möchte sich Sportfan Korber an die Verhandlungen erinnern, die er in den 60er Jahren über Besuchsmöglichkeiten von West-Berlinern im Ostteil der Stadt mit seinem Kommilitonen aus Jena geführt hat. Korber: "Kleinlich feilschte er um jede Formulierung, selbst beim Essen kam kein persönliches Gespräch auf, und vom Sport hatte er überhaupt keine Ahnung." Nur einmal habe er dem Ost-Delegationsleiter Kohl ein Lächeln entlocken können -- bei einem Witz über China. Michaela von Habsburg, 23, Enkelin des 1918 abgedankten Kaisers von Österreich, Karl I., mußte bei einem Empfang der österreichischen Botschaft in Tokio deutlich an die strengrepublikanische Gesinnung der Wiener Regierung erinnert werden: weil sie sich in dem Gästebuch als "Michaela von Habsburg" eingetragen hatte -- obwohl Adelstitel in der Alpenrepublik seit Ende des Ersten Weltkrieges abgeschafft sind -, rissen Botschaftsangehörige das Blatt heraus. Dann wurden die Gäste gebeten, ihre Unterschrift zu wiederholen. Diesmal schrieb sich die Kaiser-Enkelin, die als freie Photographin in Tokio arbeitet, schlicht mit "Michaela Habsburg" ein.
Antje Huber, 53, SPD-Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, handelte sich mit einer kessen Blondine auf dem Poster "10 Fit-stattfett-Regeln für Büroangestellte" (Photo) eine Genossinnen-Schelte ein. In einem Brief an die Ministerin kritisiert die SPD-Bundestagsabgeordnete Anke Martiny das vom Ministerium gebilligte und von der Barmer Ersatzkasse herausgegebene Plakat: "Ich denk', mich tritt ein Pferd", hat Ihr Kollege Hans Apel einmal gesagt ... Ich fühlte mich kürzlich auch vom Pferd getreten, als mir einer meiner ... Kollegen das schöne Poster ... zeigte und dazu fragte: "Sag, wo hat denn das Herzerl das Zehnerl für die Waage?" Der Satz sprach Bände. Es ist wohl auch kein Wunder, wenn Deutschlands Chefs angeblich gern mal hingreifen, wenn ihnen das Personal so lecker angerichtet über den Weg läuft ... Und es spricht auch wirklich nichts dagegen, daß mehr Rehlein und Gazellen als Elefanten und Bullen im Büro herumlaufen. So geht"s aber wirklich nicht."
Günter Deckert, 37, NPD-Stadtrat in Weinheim und Oberstudienrat am Mannheimer Tulla-Gymnasium, beschwor auf einer NPD-Wahlkampfkundgebung in Frankfurt einen "neuen Arbeitsethos" für "unsere Volks- und Leistungsgemeinschaft". Deckert, Beamter auf Lebenszeit (zur Zeit läuft gegen ihn ein vom Stuttgarter Kultusministerium eingeleitetes Dienststrafverfahren vor dem Mannheimer Verwaltungsgerichtshof) forderte, daß das "Herrenrassetum unter SPD- und CDU-Vorzeichen" verschwinden und das "deutsche Vaterland" auf "Nigger" und "Gastarbeiter" verzichten müsse.
Omar Bongo, 42, Präsident der westafrikanischen Republik Gabun, entdeckte bei einem Staatsbesuch letzte Woche in Bonn seine Liebe für die bayrische Folklore. Bei einem Festbankett des Bundespräsidenten Scheel war Literaturfreund und Krimi-Liebhaber Bongo von den Tanz- und Jodelkünsten der bayrischen Trachtler so begeistert, daß er, zum Vergnügen der Gastgeberin Mildred Scheel, 45 (Photo), spontan bei der molligen Jodlerin Unterricht nahm. Der Erfolg war, so Ohrenzeugen, jedoch sehr mäßig. Staatspräsident Bongo hat ein ganz besonderes Interesse an Musik: Seit Jahren bringt Sohn Alain die politischen Programme seines Vaters in Gabun musikalisch unters Volk.

DER SPIEGEL 5/1978
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