01.05.1978

ÜBERSINNLICHESBombe im Parkett

Der israelische Löffelbieger Uri Geiler, angeblich mit übersinnlichen Fähigkeiten begabt, wurde nachträglich entlarvt: Sein ehemaliger Manager Jascha Katz packte aus.
Nicht nur "Bild" ("... verbiegt ganz Deutschland") und Burdas "Bunte" ("... stoppt sogar Ozeanriesen"), auch Katharina Focke und das Reporter-Team vom "Stern" glaubten an die übersinnlichen Fähigkeiten des Löffelbiegers Uri Geiler.
Auf die Schliche kamen ihm damals schon, 1974, die Angehörigen jener Zunft, zu der sich der schwarzhaarige Israeli mit dem stechenden Blick in der, Zeit vor seinem "Para"-Trip selbst bekannt hatte: die berufsmäßigen Magier, allen voran der britische Zauber- und Entfesselungskünstler James ("The Amazing") Randi. Reihenweise hatte er Gellers angebliche "Psi"-Taten als fingerfertige Zaubertricks durchschaut und nachgeahmt.
Speziell die Löffel- und Gabeltricks ließen sich aufklären: Geller hatte, als geschulter Magier, die Aufmerksamkeit der Beobachter geschickt abgelenkt und das Metall blitzschnell mit brutaler Kraft gebogen, oder er hatte Gelegenheit gefunden, die Bestecke vorher chemisch zu präparieren, und die Sollbruchstellen unauffällig bedeckt gehalten.
Ein Kronzeuge dafür, daß es bei Uri-Shows stets handfest und ganz ohne "Psi" herging, trat jetzt im italienischen Fernsehen auf: Interviewt von Randi, erzählte Jascha Katz, langjähriger Manager und Reisebegleiter Uri Gellers, mit welchen oft simplen Tricks der "Löffelschreck" (Wiener "Kurier") und "Gedankenleser" Übernatürliches vorgegaukelt hatte.
In einer der jüngsten Ausgaben der britischen Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" wurden die Geständnisse des Geller-Managers referiert. Danach war es eine Sammlung von geradezu klassischen Varieté-Tricks, mit denen Geller, als "Cassius Clay der Telepathie" ("Hamburger Abendblatt"), immer wieder agierte.
Bei allen größeren Shows fungierten Katz und ein Geller-Assistent namens Schipi Schtrang als Helfer. Mal mußte sich Katz am Eingang des Theaters aufstellen und dem Meister kurz vor Beginn der Vorstellung Details übermitteln, die er über bestimmte Zuschauer, beispielsweise über deren Tascheninhalt, Autotyp und Autonummer, ausgespäht hatte.
Dann wieder, so bei einem Interview mit dem Reporter des französischen Nachrichtenmagazins "L'Express", schleuderte Gellers Manager verabredungsgemäß (und von allen Anwesenden unbemerkt) einen Löffel gegen die Zimmerdecke -- gläubig bestaunt als gelungenes Beispiel für geheimnisvolle "Teleportation" ("L'Express": "Ein Wunder").
in einem Londoner Hotel, so berichtete Katz, habe Geiler einen Verleger mit einem simplen Telephon-Trick überlistet. Geiler verließ das Zimmer, hörte aber über einen nicht aufgelegten Telephonhörer heimlich mit, wie der zurückgebliebene Katz dem Besucher im Gespräch einige persönliche Details entlockte. Geiler konnte dann wenig später, angeblich dank seiner telepathischen Fähigkeiten, den Gesprächsinhalt wiedergeben.
Aber manchmal mußte Katz auch direkt das Rätsel lösen helfen -- so einmal bei Fernsehaufnahmen in San Francisco. Während Geiler die Aufmerksamkeit der Umstehenden in eine andere Studio-Ecke lenkte, mußte Katz blitzschnell den Umschlag öffnen, der die nachher zu entziffernde Botschaft barg. Als die Sendung lief, war es für Geiler dann ein leichtes, unter Aufbietung all seiner "Psi"-Kräfte den Inhalt des Kuverts zu erahnen.
Magier-Kollegen, die mit geschultem Auge seine Tricks hätten durchschauen können, mied Geiler bei seinen Vorführungen wie die Pest. Auch dafür schildert Katz ein Beispiel.
Ein Geiler-Auftritt im Februar 1974, zu dem 1500 Menschen in die Stadthalle von Birmingham gekommen waren, wurde in letzter Minute abgesagt -- angeblich weil der Meister "eine Attentatsdrohung" erhalten habe.
Doch die Bombe im Parkett, so enthüllt nun Katz, war damals frei erfunden. Uns Angst vor dem Auftritt hatte einen anderen Grund: In seiner Garderobe war ihm gemeldet worden, daß die erste Reihe im Saal mit berufsmäßigen Magiern besetzt sei.

DER SPIEGEL 18/1978
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