01.05.1978

PERSONALIENHelmut Kohl, Detlev Karsten Rohwedder, Madleen Kane, Josef Ertl, Dionys Jobst, Jimmy Carter, Brigitte Bardot, Herbert Ehrenberg

Helmut Kohl, 48, CDU-Vorsitzender, ist für die europäischen Konservativen nur von begrenztem Wahlkampfwert. Bei der Gründung der Europäischen Demokratischen Union (EDU) letzte Woche in Salzburg verabredeten die wichtigsten Parteiführer, sich künftig gegenseitig als Wahlredner zu besuchen. Während der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß, des Französischen und des Englischen mächtig, für die britischen Konservativen und französischen Gaullisten werben kann, sind Kohls Einsatzmöglichkeiten beschränkt. Der Pfälzer, der außer seinem heimatlichen Dialekt nur das Hochdeutsche beherrscht, könnte allenfalls für die befreundeten Konservativen in Österreich, Südtirol und in der Schweiz in den Wahlkampf ziehen.
Detlev Karsten Rohwedder, 45, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, verschmähte kollegiale Reisetips. Kurz vor seinem ersten Besuch in Japan hatte AA-Staatsminister Klaus von Dohnanyi sein eigenes Buch über fernöstliche Wirtschaftsmacht als bestens geeignete Lektüre empfohlen. Doch Rohwedder bevorzugte ein Werk des Japan-Kenners Edwin Oldfather Reischauer -- auf den Schnellschuß Dohnanyis, der sein Buch nach einem Zwölf-Tage-Trip verfaßt hatte, mochte er sich nicht verlassen. Rohwedder über die Autorenschaft Dohnanyis: "Er ist ein Schätzchen."
Madleen Kane, 20 (Photo), in Paris lebendes schwedisches Photomodell, das sich bisher nur als Freundin des Boulevardpresse-Lieblings Prinzessin Caroline von Monaco einen Namen gemacht hat, weiß diesen werbewirksamen Ruhm richtig zu nutzen -- für ihre Sanges-Ambitionen. Nach ersten Disco-Auftritten lassen sich zumindest die beiden ersten Kane-Titel "I'm only a rough diamond" und "C'est si bon" in Paris bislang gut verkaufen. Für ihre neue Karriere bringt Madleen Kane sogar die richtigen Voraussetzungen mit: Die Tochter eines Klavierbauers hat immerhin schon Gesangsunterricht genommen und klassischen Tanz studiert.
Josef Ertl, 53, Bonner Landwirtschaftsminister, zeigte beim Besuch der Berliner Schultheiss-Brauerei wenig Respekt vor großen Tieren, aber auch mangelnden Sachverstand. Zur Einweihung einer neuen Flaschenabfüllanlage hatten die Berliner Brauer dem Bonner Gast zu Ehren ihren Paradezug mit zehn belgischen Kaltblütern angespannt und vor Ertl aufmarschieren lassen. Der Minister bedankte sich bei den Rössern mutig mit Zuckerstückchen (Photo), vergaß aber, die Belohnung aus dem, den Tieren wenig bekömmlichen, Papier zu wickeln. Dionys Jobst, 50, CSU-Bundestagsabgeordneter, ist erschrocken über den Wirbel, den er ausgelöst hat. In der vorletzten Woche heckte er zusammen mit dem CSU-Bundestagsvizepräsidenten und Fußballfan Richard Stücklen Lind dem Sprecher der CSU-Landesgruppe, Norbert Schäfer, eine Abseitsfalle in Form einer Bundestagsanfrage aus: ob die Bundesregierung bereit sei, sich für die Freigabe des Cosmos-Spielers Franz Beckenbauer an die deutsche Elf zur Weltmeisterschaft in Argentinien einzusetzen? Die Christsozialen nahmen an, die Anfrage werde gleich als Spaß durchschaut, sahen sich aber getäuscht: Anderntags machte der Jobst-Jux in der Boulevard-Presse Schlagzeilen ("Bild": "Holt der Kanzler Beckenbauer?"). Der WDR gar sendete noch einen tiefsinnigen Kommentar, als Schäfer längst die Möglichkeit "einer Kreuther Sondersitzung der CSU zum Thema Beckenbauer" nachgeschoben und Stücklen sich als Sonderbotschafter für Verhandlungen mit Cosmos ins Spiel gebracht hatte. Jobst: "Es half alles nichts, der Bierernst der Presse haut einen um." Auch CDU-Parlamentspräsident Karl Carstens verstand keinen Spaß -- aus Sorge um die Würde des Hohen Hauses ließ er die Anfrage nicht zu.
Jimmy Carter, 53, US-Präsident, vergaß einen Abend lang die Sorgen um seine sinkende Popularität und genoß "die stabilisierende Kraft in meinem Lehen" (Carter) -- amerikanische Country-Musik. Nach einem Empfang, zu dem über 200 Country- und Western-Sänger, allesamt treue Carter-Anhänger, ins Weiße Haus geladen waren, boten die Barden in einer anschließenden Jam-Session nicht nur vertraute Südstaaten-Klänge, sondern auch Schmeichelhaftes für den Präsidenten. Sänger Gary Morris in einem Spontan-Song: "Er ist aufgestanden und hat den Problemen ins Auge gesehen, und er war so mutig, es auf seine Weise zu tun, und ich bin verdammt stolz, daß ich für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herrn Jimmy Carter, gearbeitet habe."
Brigitte Bardot, 43, französischer Sex-Star der sechziger Jahre, der für einen Boykott von Robben-Erzeugnissen kämpft, hat sich den Zorn des grönländischen Abgeordneten Lars Emil Jahansen zugezogen: Weil "diese französische Dame grobe Unwahrheiten über die Art, wie sich grönländische Fänger ihre Existenzgrundlage sichern", verbreitet, soll sie ihnen eine Entschädigung für die hohen Verluste zahlen, die durch den Verkaufsrückgang für Felle entstanden sind. In Grönland werden nämlich, im Gegensatz zu Kanada, keine Robben-Babys, gegen deren Ausrottung die Bardot zu Felde zieht, getötet. Dennoch möchten die Grönländer mit 88, die vor kurzem als legendäre "Mutter des Meeres" (zu der nach alter Überlieferung die Jäger hinabsteigen müssen, um Gnade zu finden) streng von der Titelseite der in Grönland erscheinenden Zeitung "Atuagagdliutit (Grönlandsposten)" herabblickte (Photo), Frieden schließen: Sie luden sie ein, sich an Ort und Stelle von der Unrichtigkeit ihrer Kampagne zu überzeugen. Herbert Ehrenberg, 51, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung und Autor des Buches "Durchbruch zum sozialen Rechtsstaat", läßt sein politisches Programm ungern in Frage stellen. Ehrenberg, vom Bezirk Niedersachsen-Nordmark der Gewerkschaft Textil -- Bekleidung zu einem Referat über das Thema "Ist unsere Gesellschaft noch auf dem Wege zur sozialen Gerechtigkeit?" eingeladen, ließ die Veranstalter wissen, daß er zwar kommen, zugleich aber auch das Thema seines Vortrags abändern werde. Die Ehrenbergsche Fassung lautet nun kategorisch: "Unsere Gesellschaft bleibt auf dem Wege zur sozialen Gerechtigkeit."

DER SPIEGEL 18/1978
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