12.12.1977

Faule Kritiker

Der Krach zwischen Ludwig Poullain, Chef der Westdeutschen Landesbank, und der nordrheinwestfälischen Landesregierung geht weiter. Die Regierung, die mit einem Drittel an der Landesbank beteiligt ist und als Gewährsträger für eventuelle Verluste der Bank einstehen muß, hatte Poullains Auslands-Aktivitäten öffentlich hart kritisiert und mehr Kontrolle gefordert. Das Mißtrauensvotum der Landesregierung hatte sich Poullain mit einem Millionending in Londons City eingehandelt. In der letzten Verwaltungsratssitzung -- dem Gremium gehören fünf Minister und ein Staatssekretär an -- paukte Poullain unter dem
Tagesordnungspunkt
"Verschiedenes" den Kauf eines Bürogebäudes in London für 24 Millionen Mark durch. Trotz Protest und Stimmenthaltung der Landesvertreter wurde der Kauf genehmigt: Die 22 anderen Räte hielten zu Poullain. Immerhin kann der Bankier darauf verweisen, daß sein Auslandsgeschäft mehr als ein Drittel des Jahresgewinnes von 284 Millionen Mark eingebracht hat. Auch die Hauptforderung der Provinz-Politiker nach mehr Einfluß auf die Bankgeschäfte steht im Widerspruch zu ihren bisherigen Gepflogenheiten. So hielt Ratsmitglied und FDP-Minister Burkhard Hirsch in den letzten zwei Jahren seine Teilnahme an den 37 Sitzungen des Kreditausschusses nur dreimal für erforderlich. Bei den 21 Zusammenkünften dieses Jahres erschien etwa der überlastete Polizeiminister nicht ein einziges Mal. Weil andere Landesminister ihre Amtspflichten ähnlich großzügig handhabten, mußte sich der Kreditausschuß sogar mehrfach wegen Beschlußunfähigkeit vertagen.

DER SPIEGEL 51/1977
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