12.12.1977

André Hellers Münchner „Calafatti“-Projekt

Nach dem Zirkus Roncalli, mit dem er in München eine "Atmosphäre jenseits aller Schwellenangst" herbeigezaubert habe, sucht der Wiener Illusionsartist André Heller nun nach neuen räumlichen und zeitlichen Dimensionen -- mit dem Projekt "Calafatti", einer "Weltausstellung der Phantasie". Auf dem seit den "heiteren Spielen" von 1972 ziemlich erkalteten Münchner Olympiagelände will Heller bis 1979 ein ganzes "Territorium zum Auszittern" errichten, wo Besucher bei Bedarf "einen ganzen Urlaub" verbringen dürfen -- umschlossen von einem "Gedichtzaun", inmitten "poetischer Konsulate", und hinweg über die "Stoß-mich-zieh-mich-Brücke" zum "Landeplatz der Friedenstauben". Heilers "kritisches Paradies", mit einer Geisterbahn von Salvador Dali, mit einem Kasperle-Theater von Ionesco und einem lebenden Labyrinth von Hundertwasser, ist "Basisarbeit für einen zärtlichen Staat". Der Münchner Stadtrat, der für die Anlaufkosten des 15 Wochen währenden Panoptikums in Höhe von neun Millionen Mark bürgen soll, hat das Supervarieté am Dienstag letzter Woche vorsichtig "begrüßt". Die CSU-Fraktion leistet noch bürokratischen Widerstand gegen die Fakire, Feuerwerker und Flohdompteure auf dem Oberwiesenfeld: "Was sagt da der Brandschutz, der TÜV und die Lokalbaukommission?"

DER SPIEGEL 51/1977
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