12.12.1977

PERSONALIENWerner Maihofer, Eleonore Berchtold, Margrit Maihofer, Helmut Schmidt, Erwin Filser, Klaus Bölling, Bette Davis, Walther Leisler Kiep, Günter Krull

Werner Maihofer (Photo), 59, Bonner Innenminister, ließ sich in einer Mammutsitzung von der Münchner Malerin Eleonore Berchtold, 38 (l.), porträtieren. Die Künstlerin, deren Bilder vor einigen Wochen im Bonner Innenministerium ausgestellt worden waren, hatte bei dieser Gelegenheit dem "Galeristen" Maihofer ein Maihofer-Porträt geschenkt, das sie bei einer persönlichen Begegnung nachbessern wollte. Beim Besuch in Maihofers Privathaus entstand jedoch in sieben Stunden auf der alten Leinwand ein völlig neues Minister-Bild. Maihofer zeigte sich begeistert von dem "skeptischen Optimismus", den die Malerin seiner Meinung nach "hervorragend getroffen" hatte, und gab Eleonore Berchtold spontan einen Auftrag: ein Porträt seiner Frau Margrit, 56 (M.).
Helmut Schmidt, 58, Bundeskanzler, konnte in Brüssel deutsches Geld in kleineren Mengen nicht an den Mann bringen. Der Kanzler, am vergangenen Montag zur Tagung der neun EG-Regierungschefs, bei der man sich sehr wohl an harter deutscher Währung interessiert zeigte, angereist, mußte ein Brüsseler Antiquitäten-Geschäft, in dem er eine Jade-Figur erstehen wollte, unverrichteter Dinge wieder verlassen. Schmidt hatte nur D-Mark bei sich, der Verkäufer bestand jedoch auf Bezahlung in belgischer Währung. Dennoch kehrte der Kanzler nicht mit leeren Händen nach Bonn zurück: Während er mit seinen europäischen Amtskollegen das Aufstocken des EG-Regionalfonds beschloß, hatte ein Kanzler-Gehilfe die Figur für seinen Chef erstanden -- gegen belgische Franc.
Erwin Filser, 37, Bürgermeister von Apfeldorf und Namensvetter des von Ludwig Thoma in den "Filser-Briefen" verewigten Jozef Filser, bewirbt sich um einen Sitz im Bayerischen Landtag. Anders als der fiktive Filser meidet der echte Filser jedoch die "Schlitzohrigkeit" seines literarischen Vorfahrs, empfindet aber den Namen nicht als Nachteil. Vor allem hofft er damit den Rivalen um die Kandidatur im oberbayrischen Stimmkreis 202 auszustechen, der womöglich "einen noch potenteren Namen" (Filser) trägt: Thomas Goppel, Sohn des bayrischen Ministerpräsidenten.
Klaus Bölling, 49, Bonner Regierungssprecher, meidet es, den Begriff "Nationalsozialismus" zu verwenden. Während einer Bundestagsfragestunde über das Deutschland-Bild des Auslands wurde Bölling vom CDU-Abgeordneten Alois Mertes gefragt, warum er statt von "Nationalsozialismus" stets von "Hitlerfaschismus" spreche. Sozialdemokrat Bölling darauf: "In Wahrheit war diese Partei weder sozial, noch war sie eine Arbeiterpartei, noch hatte sie etwas mit Sozialismus zu tun." Dies sei "eben eine der großen Manipulationen durch die Hitler-Partei" gewesen.
Beile Davis, 69, Hollywood-Alt-Star, spielt in der Agatha-Christie-Verfilmung "Tod auf dem Nil" eine herrschsüchtige amerikanische Lady (Photo). Für Bette Davis ist es die 86. Rolle in ihrer fast 50jährigen Karriere, während der sie auch Mut zu häßlichen Rollen zeigte. Erst im März dieses Jahres war die Davis für ihre Verdienste um den Film vom "Amerikanischen Film-Institut" geehrt worden.
Walther Leisler Kiep, 51 (Photo, l.), niedersächsischer CDU-Finanzminister, spielte den Schirmherrn für eine berittene Jagdgesellschaft. Kiep, Pächter der Gemeinde-Jagd in Wehrheim im Taunus, versorgte die mehr als hundert Reiter, die im Gebiet seines Jagdreviers an einer Schleppjagd teilnahmen, mit klarem Korn als Bügeltrunk, blieb selbst aber abstinent. Grund: Kieps langjähriger Fahrer, Günter Krull, 43 (r.), hatte an seinem freien Wochenende die Kiepsche Dienstkarosse mit einem Roß vertauscht und sich zur Wehrheimer Jagd-Partie gesellt.

DER SPIEGEL 51/1977
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