13.06.2005

FERNSEHENSpitzel an Bord

Die WDR-Auswanderer-Saga "Windstärke 8", in der Freiwillige unter Bedingungen wie im Jahr 1855 von Bremerhaven nach New York segelten, sorgt für Empörung im thüringischen Landtag. Grund: mangelnde Sensibilität im Umgang mit der DDR-Geschichte. Zahlreiche Abgeordnete nehmen Anstoß an Publikumsliebling Almuth Beck. Die 65-Jährige wird auf der Website des ARD-Senders launig als ehemalige Lehrerin und PDS-Abgeordnete vorgestellt, die "von Anfang an" das "Kommando unter den Zwischendeckern" übernommen habe. Was die Internet-Nutzer nicht erfahren: Von 1968 bis 1980 wurde Beck von der Stasi als Inoffizieller Mitarbeiter geführt und hat, nach Aktenlage, Kollegen und Bekannte bis in ihr Intimleben hinein bespitzelt.
In einem Brief an WDR-Intendant Fritz Pleitgen schrieb die Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christine Lieberknecht, es wäre die Pflicht der Produzenten gewesen "zu prüfen, wem sie hier eine massenwirksame Plattform verschaffen". Schließlich habe der Fall Beck 1999 überregional Schlagzeilen gemacht. Das Erfurter Landesparlament hatte mit Zweidrittelmehrheit die Mandatsunwürdigkeit der PDS-Frau wegen Stasi-Tätigkeit festgestellt.
Nach Auskunft des WDR waren die Stasi-Vorwürfe im Sender "nicht bekannt". Beck selbst hat trotz einer schriftlichen Verpflichtungserklärung stets bestritten, inoffiziell mit der Stasi zusammengearbeitet zu haben.

DER SPIEGEL 24/2005
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