13.06.2005

BILDBANDTagebuch eines Hunger-Künstlers

Der Fotograf Stephan Schacher war auf der Suche nach dem Mythos Amerika, er wollte sich vom Hunger treiben lassen - quer durch den nordamerikanischen Kontinent. In einem alten VW-Bus startete er in New York, fuhr nach Alaska, an die Westküste, durch die Südstaaten. Seine Reise war ein kulinarisches Experiment. Schacher, 40, in der Schweiz aufgewachsen, speiste ausschließlich am Rande der Straße, in Diners, jenen traditionellen Schnellrestaurants, die Speisewaggons in Zügen gleichen. Überall orderte er Hamburger, French Fries, Omelette oder Applepie, fotografierte die Mahlzeit mit Stativ und Großbildkamera und bat die Kellnerin um ein Porträt. Schacher musste schnell sein, oft wurden andere Gäste ungeduldig. Nach über 13 000 Meilen kam er zurück nach New York City - im Gepäck außergewöhnliche Dokumente einer modernen Pilgerfahrt. Der Mythos Amerika, erzählen die Bilder, existiert noch: in den Gesichtern der Kellnerinnen, die mit miesbezahlten Jobs Familien durchbringen und lächelnd Kaffee nachschenken.
Stephan Schacher: "Cuties and Calories. Von Diner zu Diner". Edition Braus, Heidelberg; 184 Seiten; 19,90 Euro.

DER SPIEGEL 24/2005
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