13.06.2005

ARCHITEKTURStars in der Grauzone

Hamburgs Hafencity, die ambitionierte Erschließung eines kompletten Stadtteils, scheint neue Maßstäbe in der Weltarchitektur zu setzen. Dafür stehen der Entwurf der Baseler Star-Architekten Herzog & de Meuron für die - einem Sechziger-Jahre-Speicher frech übergestülpte - "Elbphilharmonie" (196 Millionen Euro) sowie die Idee einer "Living Bridge" (324 Millionen Euro) des vielbeschäftigten Hamburger Architekten Hadi Teherani. Herzog & de Meuron, die mit der Münchner Allianz-Arena gerade wochenlang in aller Munde waren, haben ihr Projekt mit einem privaten Investor selbst vorangetrieben und von Anfang an in den Medien feiern lassen. Ein ungewöhnliches Verfahren - wer den Entwurf für ein öffentliches Bauvorhaben liefern darf, wird normalerweise durch einen offenen Wettbewerb entschieden. "Dass auf Eigeninitiative von Star-Architekten öffentliche Gebäude errichtet werden, ist natürlich ein Grenzfall. Aber wer zahlt, bringt auch seine Partner mit", so Johann von Mansberg, Vorsitzender des Wettbewerbsausschusses der Hamburgischen Architektenkammer. Er spricht von einer "Grauzone", in der sich Privatinvestoren und ihre Architekten neuerdings bewegten. Albert Speer, 70, Sohn des gleichnamigen NS-Rüstungsministers, plant für eine der letzten beiden Investorengesellschaften, die noch um die Bebauung des "Überseequartiers" kämpfen. Er unterstützt den architektonischen und städtebaulichen Kraftakt an der Elbe: "Hamburg stellt sich in Deutschland zurzeit am positivsten dar und handelt im großen Stil. Daran sollten sich andere Metropolen ein Beispiel nehmen." Am 12. Juli entscheidet der Hamburger Senat über die Realisierung der "Elbphilharmonie", doch im Grunde gibt es für das Konzerthaus jetzt schon kein Zurück mehr.

DER SPIEGEL 24/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 24/2005
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ARCHITEKTUR:
Stars in der Grauzone

  • Medienberichte: Aufregung um rätselhaften "Blob" im Zoo von Paris
  • Lage in Nordsyrien: "Manchmal muss man sie ein bisschen kämpfen lassen"
  • Videoanalyse aus Brüssel: "Der Gipfel droht zum Frustgipfel zu werden"
  • Weltall-Tourismus: Virgin Galactic stellt Raumanzüge vor