13.06.2005

KULTURPOLITIKOper zum Dumpingpreis

Das Musiktheater hat einen neuen Star - den billigen Jakob. Kurz vor Ende der Spielzeit im nächsten Monat locken deutsche Opernhäuser das konsummüde und kulturträge Publikum mit Dumping-Billetts zum Kunstgenuss. Den Anfang macht die Berliner Staatsoper Unter den Linden, die jetzt für Kunden unter 30 Jahren 5000 Karten aus den vier höchsten Preiskategorien - bis zu 80 Euro - für 7 Euro pro Stück aufgelegt hat und diese Schnäppchen für sämtliche Veranstaltungen bis Saisonschluss am 6. Juli freigibt, gleichgültig ob Donizettis "Liebestrank", ein Klavierabend mit Hausherrn Daniel Barenboim oder gar die Weltpremiere der Neutöner-Oper "Chief Joseph" auf dem Programm steht. Kaum war der Coup der Lindenoper publik, schoss sich der Verband der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD) auf die Preisbrecher ein. Das "sinnlose Dumping" beschädige das "notwendige Gleichgewicht zwischen privaten und öffentlichen Veranstaltern", wetterte VDKD-Präsident Michael Russ; der "Verdrängungswettbewerb" gehe letztlich "auf Kosten der Steuerzahler". Ein absurder Vorwurf, schoss die Staatsoper zurück: Die Aktion "Staatsoper zum Kinopreis" werde ausschließlich vom Überschuss (50 000 Euro) der Vorpremierengala "Carmen" finanziert, zu der der Energiekonzern Vattenfall Ende vergangenen Jahres geladen hatte. Ungerührt vom Protest des VDKD hat inzwischen auch die Oper Köln den Sommerschlussverkauf gestartet und bietet für die letzten 20 Vorstellungen der Saison - altersunabhängig - Karten für je 20 Euro an. Mal sehen, wann nun die ersten "Fidelio"-Tickets bei Lidl auftauchen.

DER SPIEGEL 24/2005
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KULTURPOLITIK:
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