13.06.2005

FILMErde, frisch gestrichen

Aus der irrwitzigen Weltraumsatire „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams hat Regisseur Garth Jennings einen passablen Film gemacht.
Wer als Tramper durch die Galaxis kommen will, sollte auf ein paar Überraschungen gefasst sein.
Das müssen nun sogar diejenigen Fans, die Douglas Adams' verrückte Weltraumabenteuer - erschienen zuerst 1978 als Radiohörspiel der BBC, dann in Buchform und als Fernsehserie - schon auswendig zu kennen glauben. Denn der Film, den Regiedebütant Garth Jennings aus dem britischen Welterfolg "The Hitch Hiker's Guide to the Galaxy" gemacht hat, hält sich durchaus nicht in allen geheiligten Details ans originale Vorbild.
Gewiss, die Hauptfiguren sind brav zur Stelle: Arthur Dent (Martin Freeman), der Durchschnittsbrite, den eine wirklich gute Tasse Tee selbst mit Asteroidenstürmen versöhnt; sein allzeit cooler außerirdischer Kumpan Ford Prefect (gespielt vom US-HipHop-Star Mos Def), der mit Arthur nur Sekunden vor der Zerstörung der Erde ins All fliehen kann; Zaphod Beeblebrox (Sam Rockwell), der egozentrische, glamourversessene Präsident der Galaxis, auf dessen geklautem Luxusraumkreuzer "Herz aus Gold" sich die beiden Flüchtlinge retten können; Trillian (Zooey Deschanel), Arthurs Partyschwarm, den ihm Zaphod rüde entführte; endlich Marvin, der depressive Roboter.
Aber schon beim wichtigsten Utensil für die interstellare Fahrt ins Blaue mussten die Produzenten sich etwas einfallen lassen: "Per Anhalter durch die Galaxis", der buchgroße elektronische Reiseführer, brauchte ein neues Design. Das unentbehrliche Nachschlagewerk, in dem die Erde inzwischen nicht mehr nur als "harmlos", sondern (dank Ford Prefects emsiger Feldforschung) als "größtenteils harmlos" eingestuft ist, durfte nicht wie etwa in der Fernsehserie als futuristisch hochgezüchtetes Edelteil erscheinen: Kleine schlaue Klappgeräte mit Bildschirm gibt es mittlerweile schon beim Kaffeeröster.
So taucht das Werk mit der wunderbar beruhigenden Aufschrift "Keine Panik" nur ganz kurz auf, dann ist bloß noch der Bildschirm zu sehen, auf dem Trickfilmchen im Retro-Design die Angst vor fremden Wesen und Welten zerstreuen. Selbst den "Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive", einen der cleversten Einfälle aus Adams' versponnenem Techno-Kosmos, erklären die "Animatronics" im HB-Männchen-Stil launig und gekonnt.
Im restlichen Film dagegen zeigt sich oft, dass sein Ideengeber schon 2001 gestorben ist. Auf halber Strecke kippt die kurios-anarchische Story, von Adams in vier immer bizarreren Bänden fortgesetzt, zur Hollywood-Schnulze um: Da muss der ehedem fehlgeschlagene Flirt zwischen Arthur und Trillian unbedingt in wahre Liebe münden, und selbst das traute Heim fehlt am Ende nicht.
Zudem haben die Produzenten, nur um ihren teuer eingekauften Gaststar John Malkovich angemessen zu beschäftigen, den unheimlich grinsenden Sektenführer Humma Kavula erfunden, eine Art Dr. Mabuse ohne Unterleib, der als Gegenspieler den eitlen Pop-Präsidenten Zaphod Beeblebrox in Schwierigkeiten bringt. Auch eine neue Waffe, die Perspektivenpistole, mit der man jedem Gegenüber per Schuss die eigene Weltsicht aufzwingt, lässt die Handlung bisweilen arg schlingern.
Die meisten Originalgags dagegen zünden wie eh und je - vor allem die verwegene Enthüllung, was es eigentlich mit der Erde auf sich hatte: Ursprünglich war der Blaue Planet samt Bewohnern eine gigantische Versuchsanordnung gewesen, eigens entworfen und gebaut, um den Sinn des Lebens zu ergründen.
Auftraggeber des Experiments waren, wie sich herausstellt, hochintelligente Überwesen, die zuvor von ihrem Supercomputer "Deep Thought" übel enttäuscht worden waren: Das monströse Elektronenhirn (im Film als kolossalkitschiger Berggötze dargestellt) hatte nach Millionen Jahren Rechenarbeit an der Sinnfrage die lakonische Antwort "42" ausgespuckt - und seinen erbitterten Eigentümern hochnäsig erklärt, mehr würden sie erst erfahren von "dem Computer, der nach mir kommt".
Umso größeres Pech, dass auch dieser Bio-Rechner namens Erde kein präziseres Ergebnis mehr liefern konnte. Nur fünf Minuten fehlten noch, als der fiese Bautrupp der Vogonen - eine der übelsten bürokratischen Lebensformen im All - ihn aus dem Weg räumte.
All das erfährt Erdling Arthur Dent von seinen Weggefährten eher beiläufig, bis er kurz vor Schluss den erschütternden Beweis zu sehen bekommt: Im Innern des Planeten Magrathea darf er vom Bauwägelchen aus die atemraubend riesige Hyperraum-Werft besichtigen, wo auf Kundenwunsch Designplaneten gebaut werden, darunter auch eine fast fertige Ersatz-Erde. Nur das Felsmassiv des legendären Ayers Rock in Australien bekommt gerade noch von fleißigen Männlein in Monteuroveralls den letzten rostroten Anstrich verpasst.
Arthurs Führer durch die (tricktechnisch nett zusammengepixelte) Weltenschmiede ist der Landschaftsarchitekt Slartibartfass, der stolz erzählt, wie er einst für seine zackigen norwegischen Fjorde einen Designerpreis bekam - eine Figur, über deren Filmverkörperung ihr Erfinder Douglas Adams wohl besonders erfreut gewesen wäre: Der britische Bühnen- und Filmroutinier Bill Nighy spielt den mittleren Angestellten im Weltenbauwesen so herrlich mild-zerstreut, dass das Warten auf seinen späten Auftritt allein schon die Kinoeintrittskarte lohnt.
Für den Rest der Filmversion allerdings, die von britischen Kritikern bereits herbe Verrisse einstecken musste, dürfte auch unter deutschen "Hitchhiker"-Freunden der Jubel verhalten bleiben: Zu nostalgisch hausbacken wirken die Außerirdischen, zu bemüht die Anspielungen auf große Vorbilder wie Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum". Vor allem aber: Von den herrlich überdrehten Worterfindungen, Gedankenspielen und Dialogen, die Douglas Adams weltberühmt machten, lässt sich einfach zu wenig auf die Leinwand retten. JOHANNES SALTZWEDEL
Von Johannes Saltzwedel

DER SPIEGEL 24/2005
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