13.06.2005

ASTRONOMIELebende Leiche am Firmament

Der Dreißigjährige Krieg war gerade vorüber, da starb ein Stern am Himmel. Am Ende seines langen Lebens schleuderte er in einer Supernova-Explosion fast seine gesamte Hülle hinaus ins All. Von dem ausgebrannten Gasball blieb nur der innere Kern übrig: ein Neutronenstern, gleichsam der Kadaver dieser fernen Sonne. Nun hat ein deutsch-amerikanisches Astronomenteam eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Auch über 300 Jahre danach ist der Sternenleichnam noch immer sehr lebendig. Als die Forscher mit dem Spitzer-Weltraumteleskop den Supernova-Überrest "Cassiopeia A" untersuchten, stießen sie darin auf eine frische Hitzespur: Erst in jüngster Zeit hat der Neutronenstern im Zentrum die ihn umgebende Staubwolke stark aufgeheizt - durch einen mächtigen Strahlungsausbruch, der sich Anfang der fünfziger Jahre ereignet haben muss. "Bisher dachten wir, der Neutronenstern kühlt einfach nur aus", sagt Stephan Birkmann vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. "Tatsächlich befindet er sich auch heute noch in einem dramatischen Todeskampf." Der 11 000 Lichtjahre entfernte Sternen-Zombie ist ohnehin ein bizarres Himmelsobjekt: höchstens 20 Kilometer im Durchmesser, aber so schwer, dass ein Teelöffel seiner Materie so viel wiegt wie ein riesiger Berg.

DER SPIEGEL 24/2005
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