13.06.2005

GESTORBENSiegfried Palm

Siegfried Palm , 78. Nicht, dass ihm die vier Saiten seiner Kniegeige genügt hätten. Nein, dieser virtuose Akrobat brauchte und nutzte auch Saitenhalter und Schnecke seines Grancino-Cellos von 1708, er schrubbte, schmirgelte, liebkoste das Instrument, um Unerhörtes hörbar zu machen - die Neue-Musik-Welt applaudierte ihm als brillantem Pionier revolutionärer Klänge. Von Rihm bis Penderecki honorierte die gesamte Phalanx der Avantgarde seine Spielkunst und -freude mit neuen Werken, und all das - oft unspielbar scheinende - Teufelszeug hat er mit unfehlbarer Kompetenz uraufgeführt. Doch bei aller Liebe zum Cello ging dem Meisterspieler nichts über edlen Belcanto. 1976 wagte er sich aus lauter Lust an der Oper sogar an die Intendanz der Deutschen Oper Berlin; nicht gerade ein Ruhmesblatt. Längst von Krankheit gezeichnet, schleppte sich der liebenswerte Künstler bis zuletzt in die Singtempel: Bei Verdi und Wagner genoss er den Rausch, bei Mozart war er oft den Tränen nah. Siegfried Palm starb am 6. Juni in Frechen bei Köln an Krebs.

DER SPIEGEL 24/2005
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