26.09.1977

Mao über Frau Mao

In seinen letzten Lebensjahren bekam Chinas großer Vorsitzender Mao Tsetung oft Ärger mit seiner Ehefrau Tschiang Tsching. Maos angebliche Unmutsäußerungen zitierte auf dem Pekinger Parteitag im vorigen Monat der Mao-Nachfolger Hua Kuo-feng -- um Sturz und Verhaftung Tschiang Tschings zu rechtfertigen. Mit der neuen Zitaten-Sammlung wird enthüllt, daß Mao den Griff seiner Frau nach der Nachfolge als Parteivorsitzende erkannt hatte und auch das Schlagwort von einer „Viererbande“ selbst geprägt haben soll. Hua:
Am 17. Juli 1974 kritisierte Vorsitzender Mao auf einer Sitzung des Politbüros Tschiang Tsching mit folgenden scharfen Worten:
"Hör auf, anderen willkürlich hohe Hüte aufzusetzen. Du besserst dich nur schwer."
Und mit folgenden Worten kritisierte Vorsitzender Mao die "Schanghaier Bande":
"Sie (Tschiang Tsching) gehört doch zu der Schanghaier Bande! Ihr müßt aufpassen. Bildet nicht eine kleine Fraktion von vier Leuten."
Immer wieder gab er zu verstehen: "Sie spricht nicht für mich, sie" spricht nur für sich selbst." "Mit einem Wort: Sie vertritt nur sich selbst."
Damit brachte Vorsitzender Mao die parteifeindlichen sektiererischen Aktivitäten von Wang Hung-wen, Tschang Tschun-tschiao, Tschiang Tsching und Jao Wen-jüan offen zur Sprache und erteilte in Gegenwart aller damals in Peking weilenden Genossen des Politbüros der
Viererbande" eine scharfe Warnung ... Tschiang Tsching schrieb dem Vorsitzenden Mao einen Brief. Am 12. November notierte er darauf folgende Randbemerkung:
"Produzier dich nicht soviel in der Öffentlichkeit. Schreib auf Dokumente keine Anweisungen. Es ist nicht deine Sache, das Kabinett zu bilden (als Boß hinter den Kulissen). Du hast dir schon zu viele Beschwerden auf den Hals gezogen. Schließ dich mit der Mehrheit zusammen. Sieh, daß du entsprechend handelst."
Vorsitzender Mao traf den Kern der Sache, als er feststellte:
"Tschiang Tsching hat ein machtgieriges Herz. Sie will, daß Wang Hung-wen Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses wird, sie selbst aber Parteivorsitzende."
Am 23. Dezember betonte Vorsitzender Mao noch einmal:
"Tschiang Tsching hat ein machtgieriges Herz. Hat sie oder hat sie nicht? Meiner Meinung nach ja."
Am 24. Dezember kritisierte Vorsitzender Mao die vier ein weiteres Mal: "Bildet keine Fraktion, wer das macht, wird straucheln."
Wang Hung-wen sagte er mitten ins Gesicht: "Hör auf, eine Viererbande zu bilden!"
Am 3. Mai 1975 kritisierte Vorsitzender Mao auf einer Sitzung des Politbüros noch einmal die parteifeindlichen sektiererischen Aktivitäten der Viererbande:
"Man muß den Marxismus und nicht den Revisionismus praktizieren; sich zusammenschließen und nicht Spaltertätigkeit betreiben; offen und ehrlich sein und sich nicht mit Verschwörungen und Ränken befassen. Ihr sollt keine Viererbande bilden, laßt das sein. Warum macht ihr in dieser Weise weiter? Warum schließt ihr euch nicht mit den mehr als 200 Mitgliedern des ZK zusammen? Es ist nicht gut, in einem kleinen Kreis von nur wenigen Leuten zu bleiben. Das ist niemals gut gewesen."
Am 25. Juli 1975 gab er eine wichtige Weisung zu dem Film "Bahnbrecher" ... Die "Viererbande" hatte sich zehn Anschuldigungen gegen den Film aus den Fingern gesogen, um dem Film mit ein ein Schlag den Garaus zu machen. Vorsitzender Mao notierte auf einem Brief des Drehbuchautors:
"In diesem Film findet sich kein großer Fehler. Ich schlage vor, ihn für die Aufführung freizugeben. Man soll nicht spitzfindig herumkritteln. Und gar zehn Anschuldigungen gegen ihn zu erheben, das geht zu weit. Es ist ungünstig für die Regulierung der Literatur- und Kunstpolitik in der Partei."
Tschiang Tsching stellte die groteske Forderung, daß die Tonbandaufnahme ihrer Rede auf der Konferenz (über Landwirtschaftsfragen im September 1975) vorgespielt und das Manuskript ihrer Rede gedruckt und verteilt werde. Als Vorsitzender Mao davon erfuhr, tat er Tschiang Tschings Rede verärgert mit den Worten ab:
"Furz. Völlig daneben. Den Text weder verteilen noch auf Tonband vorspielen, noch drucken."
Anfang 1975 sagte er in einer Kritik an Tschiang Tsching:
"Nach meinem Tod wird sie Unruhe stiften."

DER SPIEGEL 40/1977
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