26.09.1977

HOHLSPIEGEL

Auszug aus dem Programm der "Bildungskommission 77-78" für die Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks: "Wer eines dieser Programme studieren will, sollte zuerst eine Einführung in die programmierte Unterweisung mitmachen, die ihn in die Technik der programmierten Unterweisung einführt." Dom-Pfarrer Franz Kufner in Passau vor 3000 Mariahilf-Pilgern: "Wir können nicht vergessen, wer unter dem Schlagwort "Mehr Demokratie den Terror begünstigte ... Betet darum, daß unsere Regierung Einsicht gewinne, ihren Sinn ändere oder bei Unvermögen zu verantwortlichem Handeln die Verantwortung abgebe."
Der Hamburger NDR-Redakteur Ortwin Löwa, über den in der "Bild"-Zeitung behauptet worden war, er werde im Funkhaus am Rothenbaum wegen seiner politischen Einstellung "NDR/ML" (Marxist-Leninist) genannt, schaltete seinen Rechtsanwalt ein und ließ den für den Bericht verantwortlichen "Bild"-Journalisten Walter Großer eine Erklärung unterschreiben, in der dieser sich verpflichtete, die Bezeichnung NDR/ML für Löwa nicht mehr zu verwenden. Im Anschluß daran verklagte Löwa den "Bild"-Mann beim Amtsgericht Hamburg-Wandsbek auf Erstattung der Anwaltskosten. Löwas Klage wurde abgewiesen. Grund: Die Bezeichnung NDR/ML sei "nicht ernstzunehmen" und in der beanstandeten Berichterstattung sei, "selbst wenn man anderer Meinung sein wollte", noch "keine Ehrverletzung des Klägers" zu sehen. Denn: "Ein beträchtlicher Teil von Hochschülern und Hochschulabsolventen, insbesondere Soziologen, Politologen und Pädagogen, bekennen sich heute in der Bundesrepublik ganz offen zum marxistisch-leninistischen Gedankengut. Zu dieser Gruppe gehören auch viele Journalisten, Bildungsexperten und Rundfunkleute. Ihre bekundete Einstellung macht sie aber keineswegs verächtlich, im Gegenteil: Sie werden von maßgeblichen Leuten für fortschrittlich angesehen."

DER SPIEGEL 40/1977
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