31.10.1977

Beste Hilfe

Fünf Jahre lang warteten die Männer der Grenzschutzgruppe 9, bis sie am 18. Oktober in Mogadischu ihren großen Auftritt hatten. Wie sich der Kommandotrupp zuweilen die Wartezeit vertrieb, geht aus einem Dankesbrief der südafrikanischen Botschaft hervor.
Unter dem 17. April 1975 schrieb der Stellvertretende Militärattaché F. S. Bellingan dem Kommandeur der GSG 9, Ulrich Wegener, unter anderem: Sehr geehrter Herr Oberstleutnant,
da unser Botschafter zur Zeit abwesend ist, möchte ich die Gelegenheit ergreifen, um Ihnen noch einmal sehr für die Hilfe zu danken, die Sie uns beim Transport unserer empfindlichen Gegenstände von Köln zu unserer neuen Botschaft in Bad Godesberg gewährten ...
Ich bin froh, daß es für Ihre Soldaten wenigstens ein Art "Übung" war. Da ich das Vorrecht hatte, mit Ihrem Zugführer zu fahren, hatte ich natürlich einen großartigen überblick über den gesamten Vorgang, der übrigens sehr eindrucksvoll war und ohne irgendwelche Probleme verlief. Der Zugführer ist ein ausgezeichneter Mann.
Das, was ich gesehen habe, hat mich überzeugt, daß, wer immer in einem dringenden Fall um Ihre Hilfe bitten mag, sehr sicher sein kann, daß er mit diesen Soldaten die beste Hilfe und die sichersten Beschützer bekommt, die er überhaupt haben kann.
Bei dem Umzug kamen der Botschaft mehrere Kartons mit Geheimakten abhanden. Die Papiere enthüllten, daß der deutsche Nato-General Günther Rall eine als privat getarnte, aber teilweise von Pretoria finanzierte Südafrika-Reise machte; Rall wurde in den Ruhestand versetzt. Die Akten deckten ferner die jahrelange atomare Zusammenarbeit zwischen deutschen Firmen und der Atombehörde Südafrikas sowie eine enge Kooperation zwischen Bundeswehr-Dienststellen und dem Apartheid-Staat auf.
Wie die Geheimdossiers verschwanden, konnten weder der südafrikanische Geheimdienst noch die Bonner Staatsanwaltschaft klären, die im Sommer ein Ermittlungsverfahren wegen des Diebstahls einstellte.

DER SPIEGEL 45/1977
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