31.10.1977

Ungeniert zurück nach Hause

Unter den 81 ehemaligen Lebenslangen, deren Schicksal in der Albrecht-Dissertation analysiert wird, nehmen die 13 Delinquenten, die wegen nationalsozialistischer Gewalttaten (NSG) verurteilt wurden, eine Sonderrolle ein.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Tätertypen, den 36 Raubmördern und den 32 Affekttätern, haben sie durchweg eine abgeschlossene Schulausbildung und als Angehörige der Mittelschicht fast ausnahmslos auch einen Beruf erlernt.
Wie ihre Angehörigen betrachten sie die lebenslange Sanktion nicht als Makel, sondern als politische Verurteilung, die stigmatisierenden. Auswirkungen daher "sozusagen als Kriegsfolgelasten" (Albrecht). So blieben neun der elf NSG-Ehen intakt, unter anderem, weil der Lebensunterhalt der Familie durch Renten und andere Ressourcen nie ernstlich in Frage gestellt war.
Obwohl fast alle, wie auch anders, Statusverluste nach der Verurteilung hinnehmen mußten, blieb Diskriminierung ein Fremdwort für sie. Während die anderen Entlassenen sich genötigt fühlen, weitgehend anonym zu leben, machen die NSG-Täter keinen Hehl aus ihrer Verurteilung und sind dorthin zurückgekehrt, wo sie vorher gelebt hatten.
Obendrein kehrten sie auch noch eher als die anderen zurück: Vor Vollendung des 15. Haftjahres wurden 77 Prozent von ihnen freigelassen, aber nur 31 Prozent der Affekttäter und nur elf Prozent der wegen Raubmordes Verurteilten.

DER SPIEGEL 45/1977
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