31.10.1977

„Einige sind schon mit dreißig tatterig“

Soll das Arbeitsleben mit 65 Jahren jäh enden? Während in Deutschland ein Vorziehen der Rentenaltersgrenze als Mittel gegen die Arbeitslosigkeit empfohlen wird, ist für viele Amerikaner das Abschieben alter Arbeitnehmer in den Ruhestand eine Verletzung von Menschenrechten. Gegen den Widerstand der Gewerkschaften und Unternehmer hob der Kongreß die Altersgrenze für Zwangspensionierungen auf 70 Jahre an. Altersforscher befürworten den Trend: Medizinisch ist eine Zwangspensionierung von 65 jährigen kaum zu rechtfertigen.
Wer von Ihnen steht auf", grollte Alt-Westernstar John Wayne, 70, bei einem Hearing vor Kongreß-Mitgliedern, "und wagt es, mich raus auf die Weide zu schicken?"
Doch auch progressive Abgeordnete waren dieses Mal mit dem erzkonservativen Rauhbein einer Meinung: Die von den meisten US-Unternehmen vorgeschriebene Pensionsschwelle von 65 Jahren gehöre abgeschafft, zumindest aber auf 70 Jahre angehoben.
Die Zwangspensionierung alter Arbeitnehmer, die noch willens und fähig sind, ihren Beruf weiterhin auszuüben, diskriminiere diese Bevölkerungsgruppe, stimmten alle Mitglieder des Erziehungs- und Arbeitsausschusses im Repräsentantenhaus mit dem als Sachverständigen geladenen Hollywood-Akteur überein.
Das übliche Abschieben noch arbeitswilliger 65jähriger aufs Altenteil verletze daher die Menschenrechte -- und welcher US-Politiker mag schon im Kampf gegen Menschenrechts-Verstöße zurückstehen, seit Jimmy Carter den Einsatz für unbeschränkte Menschenrechte zum Markenzeichen seiner Präsidentschaft erhob.
Bei kaum einem anderen Thema ist der gesetzgeberische Eifer amerikanischer Volksvertreter denn auch so groß wie in der Zwangspensionierungs-Frage. In Kalifornien etwa nahm das Staats-Parlament gegen nur eine Stimme ein Gesetz an, nach dem kein Privatunternehmen mehr einen Arbeitnehmer allein aus Altersgründen entlassen darf.
Auch in Alaska ist ein vom Arbeitgeber erzwungener Ruhestand verboten. In Maine hoben die Parlamentarier kürzlich gegen den Widerstand des Gouverneurs die gesetzliche Altersgrenze für Staatsbedienstete auf. In Florida und den Städten Los Angeles und Portland ist der Lebensarbeitszeit im öffentlichen Dienst Beschäftigter ebenfalls kein von vornherein fixiertes Limit mehr gesetzt.
Mit gleich sechs Gesetzentwürfen, die auf einen Schutz über 65jähriger Arbeitnehmer zielen, beschäftigte sich in den vergangenen Monaten der Kongreß in Washington. Als wichtigstes Gesetzes-Vorhaben erwies sich der Entwurf der Abgeordneten Claude Pepper. 77, und Paul Findley, 56, nach dem >der gesetzliche Kündigungsschutz, den gegenwärtig 40- bis 65jährige in der Privatwirtschaft und in Nicht-Bundesbehörden genießen, auf bis zu 70jährige ausgedehnt,
* die Altersgrenze für Bundesbedienstete (bislang 70 Jahre) aufgehoben und
* der Arbeitsminister mit einer Studie über die voraussichtlichen Folgen eines völligen Zwangspensionierungs-Verbots beauftragt wird. Nachdem das Repräsentantenhaus den Pepper-Findley-Entwurf vergangenen Monat mit 359 gegen 4 Stimmen gebilligt hatte, votierte vorletzte Woche auch der Senat mit überwältigender Mehrheit (87:6) für die Anhebung der Zwangspensionierungs-Grenze auf 70 Jahre.
Im Gegensatz zum Repräsentantenhaus will der Senat jedoch die bisherige obligatorische Altersgrenze für Bundesbedienstete beibehalten und für zwei wichtige Beschäftigten-Gruppen auch weiterhin die zwangsweise Versetzung in den Ruhestand mit 65 Jahren erlauben: für Hochschullehrer und für lehrende Angestellte mit einem Einkommen von über 20 000 Dollar jährlich.
Zu der "Gerontokraten-Lobby" (so "Time") zählen vor allem Amerikas Pensionärs-Verbände -- wie die knapp neun Millionen Mitglieder starke American Association of Retired Persons oder die weit weniger kopfstarken, dafür aber um so militanteren "Grauen Panther". Zwangspensionierungs-Gegner sind auch Präsident Carter und sein Arbeitsminister Ray Marshall" Bürgerrechts-Organisationen und die American Medical Association.
"In einer seltsamen Bettgenossen-Allianz" (Gesetzes-Initiator Findley) lehnten dagegen zwei der mächtigsten US-Verbände die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ab: die US-Handelskammer als Interessen-Vertreterin des Big Business und der Gewerkschafts-Dachverband AFL-CIO als Big-Labor-Repräsentant.
Gewerkschaftsführer wie Unternehmer wandten ein, die Alten würden Jobs für die Jungen blockieren. Durch die neuen
Ruhestands-Regeln werde daher die ohnehin schon sehr hohe Arbeitslosigkeit (gegenwärtige Arbeitslosenquote: 6,9 Prozent) noch vergrößert: ein Argument, für das sich -- wenngleich unter umgekehrtem Vorzeichen -- auch Beschäftigungspolitiker in der Bundesrepublik erwärmen. Deutsche Arbeitsmarktplaner schlagen vor, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die Altersgrenze für Rentenzahlungen herabzusetzen.
Die Kreuzzügler für das zeitlich unlimitierte Recht auf Arbeit halten die negativen Wirkungen des neuen Gesetzes auf die Arbeitsplatz-Chancen der Jungen jedoch für sehr gering. Denn nur fünf bis 20 Prozent der bislang mit 65 Jahren Pensionierten werden nach Meinung von Experten das Angebot wahrnehmen, weiter aktiv zu bleiben.
Bei dem Automobil-Konzern General Motors etwa können Arbeiter gegenwärtig zwar bis zum Alter von 68 Jahren aktiv bleiben, aber nur sieben Prozent arbeiten noch nach Vollendung des 65. Lebensjahres.
In Unternehmen mit weniger hohen Betriebsrenten als bei General Motors wird dieser Anteil womöglich um einiges größer sein. Denn ein im Ruhestand lebendes Ehepaar, das allein von den Überweisungen der Sozialversicherung leben muß, hat nur mit durchschnittlich 400 Dollar im Monat hauszuhalten.
Die Gewerkschafter stört vor allem, daß ihnen das Gesetz nicht das Recht einräumt, mit den Arbeitgebern eine Altersgrenze frei zu vereinbaren. "Die Gewerkschaften können ja auch nicht die Rechte von Schwarzen oder Frauen aushandeln -- warum also dann die der älteren Bürger?" hielt Alten-Advokat Findley den Arbeitnehmer-Funktionären entgegen.
Genüßlich wiesen die Gegner eines unfreiwilligen Ruhestandes zudem darauf hin, daß der AFL-CIO-Gewerkschaftsvorstand mit dem 83jährigen George Meany an der Spitze ein nicht gerade überzeugendes Beispiel für die Vorzüge früher Pensionierung bietet.
Die Personalmanager der großen US-Konzerne wiederum hielten die von ihnen fixierte Altersgrenze für unerläßlich, weil nur so
* eine exakte Personalplanung und Kalkulation künftiger Betriebsrenten möglich sei,
* alten Arbeitnehmern, die den Anforderungen nicht mehr gewachsen seien, aber noch weiterarbeiten wollten, die Entlassung wegen mangelnder Leistungsfähigkeit oder die Degradierung erspart bleibe. Das Gesetz würde "mehr Probleme schaffen, als es lösen würde, und es könnte den Alten mehr schaden als helfen", warnte beispielsweise Handelskammer-Repräsentant Arthur C. Prince Jr. von der Chicagoer Firma R. R. Donnelley & Sons Co.
So werden womöglich viele Unternehmen nach Fortfall des Entlassungsgrundes Alter zu verschärften Leistungskontrollen übergehen, denen vor allem ältere Arbeitnehmer zum Opfer fallen werden.
Beispiele hierfür gibt es schon: Die Manufacturers Bank in Los Angeles entläßt zwar niemanden allein aus Altersgründen. Aber Bank-Chef Leonard Weil, 54, feuert -- unabhängig vom Alter -- jeden Angestellten, der wegen ungenügender Leistung in einem Jahr keine Gehalts-Zulage erhält.
Kaum weniger rigoros springt die Versicherungsgesellschaft Connecticut General Insurance Corp. in Hartford mit nicht voll belastbaren Angestellten um. Das Unternehmen, das kürzlich die 65-Jahres-Grenze aufhob (Ausnahme: leitende Angestellte), gibt jedem Beschäftigten ein Leistungssoll vor. Erfüllt der Angestellte dieses nicht, wird er zunächst verwarnt. Steigt die Leistung auch dann nicht, fliegt er.
Daß die Geburtsurkunde ein sehr schlechter Indikator für Leistung ist, zeigen amerikanische Arbeits-Studien, Danach sind die Leistungs-Unterschiede zwischen Arbeitern einer Alters-Gruppe größer als die zwischen Teams verschiedener Altersgruppen.
"Einige sind schon mit 30 tatterig, andere erst mit 80, und manche werden ihr Leben lang nicht tatterig", folgert Claude Pepper, Vorsitzender des Kongreß-Ausschusses für Altersfragen.
Tatsächlich bewiesen viele Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer und Politiker bis ins hohe Alter fast ungebremste Leistungskraft. Konrad Adeflauer etwa war 73, als er erster Bundeskanzler wurde. Erst mit 87 trat er ab, Bankier Hermann Josef Abs war noch mit 74 Aufsichtsrats-Vorsitzender der Deutschen Bank. Versandhaus-Senior Gustav Schickedanz blieb bei Quelle der Boß, bis er, B2jährig, starb, und Friedrich Flick war gar 89 Jahre, als der Tod seiner strammen Konzernführung ein Ende setzte.
Picasso zeigte als Greis noch große Schöpferkraft. Und George Bernard Shaw war 88, als er (ins Nachwort zu "Zurück zu Methusalem") schrieb: "Meine körperlichen Kräfte lassen mich im Stich. Meine Sinne, meine Fortbewegungsorgane, mein Gedächtnis verfallen in einem Rhythmus, der droht, einen Strudlbrug (Jonathan Swifts unsterblicher Bewohner von Luggnagg) aus mir zu machen, sollte ich darauf bestehen, weiterzuleben. Und dennoch bat mein Geist noch immer die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln; denn meine Neugierde ist lebhafter denn je. Meine Seele marschiert weiter; und gäbe mir die Lebenskraft einen Körper, der ebenso dauerhaft wäre wie meine Seele ... dann könnte ich als Staatsbeamter zweiter Klasse eine politische Laufbahn einschlagen und mich in zirka hundert Jahren zu einem fähigen Kabinettsminister entwickelt haben."
Nicht nur bei Shaw, sondern auch sonst bei der Gattung Homo sapiens sind es denn auch zunächst die physischen Kräfte, die mit zunehmendem Alter nachlassen. Erst danach neigen sich, so die einhellige Auffassung der modernen Altersforschung, die intellektuellen Fähigkeiten dem Verfall.
Meßbar gehen etwa, beginnend schon im dritten und vierten Lebensjahrzehnt, Muskelkraft (beim 65jährigen um durchschnittlich 20 Prozent) und Atemkapazität der Lungen zurück.
Die Anpassungsfähigkeit des Auges, so zeigten Reihenuntersuchungen, nimmt wegen der nachlassenden Elastizität der Linsen ab. Der Gehörsinn läßt, vor allem durch Herabsetzung der oberen Tongrenze, nach.
Aber: "Auch ein und derselbe Mensch kann", wie es der amerikanische Psychiater Robert N. Butler formulierte, "zur selben Zeit gleichsam verschiedenen Altersstufen angehören, je nachdem, ob man seine geistigen Fähigkeiten, seine physische Gesundheit, seine Kreativität oder seine Gefühlsweit in Betracht zieht."
Ein weit über hundertjähriges Leben könnten, nach übereinstimmender Auffassung der Mediziner, die meisten Organe im menschlichen Körper. so etwa Herz, Nieren oder Leber, durchaus erreichen. Ins Stocken gerät die Maschine Mensch überwiegend durch das Versagen von zwei Systemen: Abnutzung der Gelenke macht das Alter beschwerlich, Ablagerungen in den Blutgefäßen, vor allem in den lebenswichtigen Gefäßen des Herzmuskels, sind häufigste Ursache des -- eigentlich vorzeitigen -- Todes.
Denn die Arteriosklerose, die Verengung der Schlagadern durch Ablagerungen, wird längst nicht mehr als ein naturgegebener Alterungsvorgang angesehen, sondern als Krankheit wie Grippe oder Krebs.
Wann derlei Verfallserscheinungen auftreten, ist ohnehin von zahlreichen individuellen Faktoren mitbestimmt, etwa von Vererbung, Lebensweise und Umwelt. "Ich habe Menschen gesehen", schrieb der amerikanische Arzt und Buchautor Leopold Bellak, "die nach dem Kalender 80, aber biologisch erst 60 Jahre alt waren."
Insgesamt wurde der durchschnittliche physische Leistungsabbau eines 65jährigen heute nur noch bei Schwerstarbeitern die Pensionierung rechtfertigen. Doch auf Kraft allein kommt es in fast allen Berufen nicht mehr an.
"Solange Leistung eine Sache der Muskeln war", schrieb der Heidelberger Sozial- und Arbeitsmediziner Hans Schaefer, habe die "auf die muskuläre Tätigkeit orientierte Arbeitsphysiolosie" entsprechende Leistungsgrenzen messen können. Heute dagegen sei Leistung "eine höchst komplexe psychosomatisch korrelierte Größe geworden".
Aber gerade die geistige Beweglichkeit war dem Alter abgesprochen worden, vor allem während der jugendgläubigen sechziger Jahre.,. Immer häufiger", konstatierte der Bonner Altersforscher Professor Hans Thomae. gingen .personalpolitische Entscheidungen von der Annahme aus, daß mit 40, vielleicht sogar schon mit 35 Jahren eine kritische Grenze erreicht sei". Jenseits dieser Grenze, so glaubte man in den Chefetagen, seien "bestimmte Umstellungsprozesse"" seien "schnelle Entscheidungen und sachgemäße Reaktion" nicht mehr zu erwarten. Die fruchtbarste Lebensperiode des Menschen, so lautete das Credo vieler Wissenschaftler, liege zwischen dem 25. und dem 40. Lebensjahr.
Diese Auffassungen stützten sich nicht zuletzt auf Messungen, durch die erwiesen schien, daß das Gehirn eines Menschen schon im frühen Erwachsenenalter zu schrumpfen beginne -- und damit seine intellektuelle Kapazität.
In der Bundesrepublik wie beispielsweise auch in Dänemark hatten Anatomen durch Gewichtsbestimmungen ermittelt, daß die Gehirne von 65jährigen Männern um durchschnittlich 90 Gramm (Dänemark: 125 Gramm) leichter waren als die von Zwanzigjährigen. Ihre Schlußfolgerung: Vom 20. Lebensjahr an schrumpfen die grauen Zellen.
Doch diese These beruhte, wie sich inzwischen herausstellte, schlicht auf einem Denkfehler.
Die Anatomen hatten übersehen, daß die zu den Messungen herangezogene Generation der Zwanzigjährigen in Wahrheit gar nicht vergleichbar war mit den Alten. Da die jüngere Generation ihre Eltern und erst recht ihre Großeltern um etliches an Körpergröße übertraf, waren auch die Gehirne jeweils entsprechend voluminöser.
Ein Mehr an Körpergröße von zehn Zentimetern ist jeweils mit einer Steigerung des Hirngewichts um rund 50 Gramm verbunden. Fazit: "Von einer Hirnschrumpfung nach dem 20. Lebensjahr", so Wissenschaftsautor Harald Steinert, " kann keine Rede" sein.
Erst um das 70.. Lebensjahr, bei Frauen sogar erst in den 80ern, beginnt, wie neuere Messungen ergeben haben, eine deutliche Minderung des Hirngewichts -- um rund drei Prozent.
Und selbst bei diesem, nunmehr unbestreitbar biologischen, Abbau des Gehirns scheint fraglich, ob er nicht durch geeignetes Training noch hinausgezögert werden kann. Dann nämlich wäre die "Verrentung" mit 65 geradezu ein Kardinalirrturn: Nicht die Pensionierung wäre die Folge nachlassender geistiger Kraft, sondern umgekehrt die Hirnschrumpfung eine Folge des Abschieds vom normalen Arbeitsleben.
Die Vorstellung jedenfalls, ein Abschlaffen der geistigen Kräfte sei ein entscheidendes Merkmal des Alters, gaben die Wissenschaftler auf.
Allerdings ist das Vorurteil gegen Alte, so das Ärztemagazin "Selecta", "in der Gesellschaft so fest verwurzelt, daß auch die Alten selbst daran glauben". Die Folge davon ist, daß die Alten, nach Art einer "self-fulfilling prophecy", "alles Selbstvertrauen verlieren und so die ungünstige Meinung, die man von ihnen hat, bestätigen".
Dem Gros der US- und auch der deutschen Unternehmen markiert denn auch weiterhin das 65. Lebensjahr die erwünschte endgültige Pensionierungsgrenze. Ob sie wollen oder nicht, ob Topmanager oder Arbeiter -- mit 65 Jahren soll Schluß sein mit der Arbeit.
Und die Bestrebungen der Unternehmen und Arbeitsmarktplaner sind darauf gerichtet, die Pensionierungsgrenze vorzuverlegen -- zur Freude der meisten Arbeitnehmer, vorausgesetzt, die Kasse stimmt. "Von 100 Arbeitern freuen sich bei uns 90, wenn sie vorzeitig in Pension gehen können", meint Karl-Heinz Briam, Arbeitsdirektor der Fried. Krupp Hüttenwerke.
Das Arbeitsverhältnis freilich endet in Westdeutschland nicht automatisch mit dem 65. Lebensjahr, sondern begründet einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung auch über das 65. Lebensjahr hinaus -- es sei denn, der Arbeitnehmer hat mit seinem Arbeitgeber einen zeitlich befristeten Vertrag abgeschlossen oder ein Tarifvertrag sieht, wie im öffentlichen Dienst, 65 als Altersgrenze vor.
Will ein Arbeitgeber jemanden entgegen dessen Willen nicht über das 65. Lebensjahr hinaus beschäftigen, so kann er dies nur durch eine Kündigung erreichen, gegen die der 65jährige -- genauso wie ein Jüngerer -- Widerspruch einlegen und Klage beim Arbeitsgericht erheben kann.
Der Möglichkeit auf Arbeit bis ins hohe Alter sind auch die Bestimmungen der Rentenversicherung in der Bundesrepublik angepaßt. Jeder über 65jährige kann neben seiner Rente ein Gehalt in unbegrenzter Höhe verdienen. Der Rentenanspruch erlischt dadurch nicht. Wer noch bis 67 weiterarbeitet und keine Rente bezieht, sondern weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung leistet, kann sogar noch seine spätere Rente erhöhen.
Daß erzwungener Ruhestand -- wie vor allem in den USA üblich -- verheerend wirken kann, gilt den Altersforschern als erwiesen. Die Zwangspensionierung, erkannte die American Medical Association, führe häufig zu "physischem und seelischem Verfall und vorzeitigem Tod".

DER SPIEGEL 45/1977
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