31.10.1977

PERSONALIENIngo Weihe, René Lévesque, Manfred Spies, Giovanni Battista Meneghini, Gertraud Jesserer, Eugen Maier, Catherine Deneuve, Margaret englische Prinzessin

Ingo Weihe, 34, Rechtsanwalt und Ex-Referent von SPD-Schatzmeister Wilhelm Dröscher in Mainz, mußte vor dem Amtsgericht erscheinen, weil er seinen Hausherrn und Genossen Rainer Thiem auf allzu forsche Art an säumige SPD-Mitgliedsbeiträge erinnert hatte. Der Anwalt rechnete bei dem Unternehmer Mietschulden von 350 Mark gegen in gleicher Höhe geschätzte Beitragsrückstände auf, übergab den Betrag dem zuständigen Ortskassierer und versuchte, Thiem mit SPD-Beitragsmarken statt Bargeld zu entlohnen. Der Hauswirt jedoch zog vor Gericht. Dort bestätigte ihm der Mainzer Oppositionsführer Karl Thorwirth, daß das Zahlen von Partei-Beiträgen nur "moralische Pflicht" und Weihes Transaktion ohnehin unrechtmäßig sei.
René Lévesque, 55, separatistischer Premier der kanadischen Provinz Quebec, tritt in die Fußstapfen des Vorsitzenden Mao: Im Format der "Roten Bibel" kommt jetzt ein Buch mit Lévesque-Zitaten auf den Markt. Der Ex-Journalist, von der Montrealer Zeitung "Le Jour" bereits als "Quebecs Mao" gefeiert, ist für seine deftigen Sprüche bekannt. Einst nannte er seine englischsprachigen Landsleute "Hundesöhne", heute klingen seine Weisheiten staatsmännischer: "Quebecs Ausscheiden aus Kanada ist nicht das Ende der Welt. Die Gründung Kanadas 1867 war ein Lotteriespiel, das sich hundertzehn Jahre später als Niete erweist."
Manfred Spies, 37, Plakatkünstler aus Düsseldorf, der vor drei Jahren mit der Gründung eines "Instituts zur Förderung der Verhinderung der Austragung von Fußball-Aggression" erstmals Schlagzeilen machte, sah sich jetzt selbst einer zornigen Menschenmenge ausgesetzt. Grund: Spies prangerte auf einer Werbefläche in der Düsseldorfer Innenstadt allerlei Terror-Versionen an (Photo, r.) und war bald von Polizisten umstellt, die den Terror-Anschlägen skeptisch gegenüberstanden. Spies, ordnungsmäßiger Mieter seiner "Selbstverwirklichungswand", war zwar bemüht, den Uniformierten wie auch aufgebrachten Bürgern zu erklären, er wolle mit seiner Aktion dazu beitragen, auch "RAF-Verbrechen mit Ruhe zu betrachten", fand aber kein Verständnis -- innerhalb weniger Stunden waren die Terror-Parolen von der Wand gefetzt. Jetzt will der enttäuschte Spies mit einem Spielzeuggewehr sein nächstes Werk bewachen. Motto des "Anschlags": "Wann sind wir soweit, die Meinungsfreiheit mit Scharfschützen zu verteidigen?"
Giovanni Battista Meneghini, 82, italienischer Ex-Ehemann der im September verstorbenen Primadonna Maria Callas (Photo), attackiert einen toten Callas-Freund: den Reeder Aristoteles Onassis, dem die Sängerin seit Ende der fünfziger Jahre zugetan war. Der Fabrikant und Musikliebhaber Meneghini, der Maria Callas 1949 geheiratet hatte, später von ihr geschieden wurde und der nun ihr Erbe beansprucht, erklärte in einem Interview: Onassis sei "ein Mann, der nur an Whisky dachte. Er verstand nichts von Kunst, konnte nicht einmal ein Bild von einer Photographie unterscheiden, er zerstörte die Kunst, also Maria". Als sie noch bei ihm lebte, sei die Sängerin pünktlich um neun Uhr zu Bett gegangen, später jedoch, an der Seite des Griechen, "sah man sie oft betrunken spät nachts nach Hause kommen". Wenn der Italiener einen Großteil des Callas-Erbes erhält, will er dieses Vermögen nutzen, um den Ruhm der Sängerin in aller Welt zu verbreiten. Meneghini: "Ich muß weiterleben, um sie zu feiern."
Gertraud Jesserer, 33, österreichische Mimin, wurde vom Wiener Burgtheater entlassen, weil "Burg"-Direktor Achim Benning ein Exempel statuieren wollte. Die Schauspielerin hatte sich geweigert, die Rolle der kürzlich bei einem Autounfall tödlich verunglückten Sylvia Manas in der Komödie "Das Spiel von Liebe und Zufall" zu übernehmen. Begründung: Sie fühle sich psychisch dazu nicht in der Lage -- die Manas sei ihre beste Freundin gewesen. Benning bestand auf Probenarbeit, eine Weigerung bedeute klaren Vertragsbruch. Als die Jesserer sich trotzdem weigerte, blieb auch der "Burg"-Chef hart: Mit der Kündigung der renitenten Schauspielerin hofft er, endlich Ordnung in das undisziplinierte Ensemble zu bringen.
Eugen Maier, 39, Wirt des schwäbischen Spezialitätenlokals "Fäßle" in Stuttgart-Degerloch, verlor gleich einen ganzen Honoratioren-Stammtisch. Die Angehörigen der Stuttgarter Rechtsanwalts-Sozietät Jauch und Sigle ließen am letzten Donnerstag ihr Arbeitsessen stehen, als ihr Berliner Kollege, der Ensslin-Verteidiger Otto Schily, den Gastraum betrat: "Wir gehen, hier schmeckt's ons nimmer." Maier hatte sein beliebtes Restaurant spontan Vater Helmut Ensslin für den Leichenschmaus angeboten, weil kein anderer Kneipier die Trauergemeinde bewirten wollte.
Catherine Deneuve, 34, französischer Filmstar, ist in ihrem nächsten Streifen Produzentin und Hauptdarstellerin zugleich. In ihrer Rolle der Eva Perón, der zweiten Frau des argentinischen Diktators Juan Perón, will auch sie an der Legende von "Evita, dem Engel der Armen", festhalten. Mit dem Entschluß, erstmals als Produzentin aufzutreten, will die Deneuve ihren Beitrag zur Rettung des französischen Films leisten. Ihrer Meinung nach ist "das Fernsehen eine Gefahr für den Kinofilm. Eigentlich müßten normale Spielfilme auf der Mattscheibe verboten sein
Margaret, 47, englische Prinzessin, zur Zeit auf Privatbesuch in den USA, zeigte der Frau des kanadischen Premierministers Pierre Trudeau die kalte Schulter: Sie ließ die Möchtegern-Photographin Margaret Trudeau abblitzen. Als die Prinzessin, die von ihrem Mann, dem Profi-Photographen Anthony Armstrong-Jones, getrennt lebt, im New Yorker Restaurant "Club 21" mit sechzehn Freunden beim Lunch saß, stand plötzlich die Noch-Ehefrau des kanadischen Premiers in Jeans und lässiger Seidenbluse vor ihr und verlangte, "da wir uns ja kennen", nach einem Interview. Ein Photograph war auch zur Hand. Die Schwester der britischen Königin lehnte eisig ab.

DER SPIEGEL 45/1977
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