29.08.1977

BERUFLICHESKarl Lütgendorf, Manfred Steinbach, Eartha Kitt

Karl Lütgendorf, 62, bis Ende Mai dieses Jahres Verteidigungsminister Österreichs, der wegen seiner undurchsichtigen Rolle beim -- unstatthaften -- Verkaufsversuch von 400 000 Schuß Bundesheer-Munition an Syrien von seinem Amt zurücktreten mußte, darf sich jetzt offiziell General im Ruhestand nennen. Die stille Beförderung des Ex-Ministers, die nach Meinung der Wiener "Presse" wegen des "blamablen Abgangs" Lütgendorfs erst jetzt und "unter totalem Ausschluß der Öffentlichkeit" stattfand, wurde freilich schon viel früher ausgesprochen: Lütgendorf, bei seinem Amtsantritt 1971 Brigadier, hatte die Generaissterne und Hosenstreifen schon bald nach Übernahme des Ministerpostens zugesprochen bekommen. Damals war die rasche Rangerhöhung vor der Öffentlichkeit geheimgehalten worden.
Manfred Steinbach, 44, mehrfacher Deutscher Meister im Weitsprung (1960, 1961, 1962) und Professor für Sportmedizin), arbeitet ab kommenden Donnerstag als Ministerialdirektor im Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit. Er wird dort die Abteilung für Humanmedizin, Arzneimittel und Apothekenwesen leiten. Steinbach, der 1960 als erster Deutscher die Acht-Meter-Marke übersprang (8,14 Meter, Photo), und 1958 bereits mit der 4 x 100-m-Staffel Weltrekordzeit (39,5 Sekunden) lief, blieb auch in seinem Beruf als Nervenfacharzt den Rekorden auf der Spur -- mit einer Arbeit über die "Motivationen sportlicher Höchstleistungen". Der Leichtathlet leitete von 1965 bis 1970 das Sportmedizinische Institut der Universität Mainz. Danach war Steinbach als Ministerialdirigent im hessischen Sozialministerium.
Eartha Kitt, 49 (Photo), farbige Sängerin und Schauspielerin, die nach einer heftigen Stellungnahme gegen den Vietnam-Krieg im Weißen Haus Anfang 1968 auf amerikanischen Bühnen nicht mehr recht Fuß fassen konnte, bekommt jetzt die Chance zum Comeback. Anfang des kommenden Jahres soll sie eine Hauptrolle am Broadway spielen -- die "Schalim-la-Lume" in dem Musical "Timbuktu", einer nur von Farbigen gespielten Neu-Fassung des Erfolgsstücks "Kismet". Fast zehn Jahre dauerte es, bis "Kitt the Cat", einst unumstrittener weiblicher Star unter Amerikas Entertainern, nach dem Zwischenfall im Weißen Haus wieder ein größeres Engagement erhielt. Damals hatte die Sängerin, von Präsidenten-Frau Lady Bird Johnson zu einem formellen Damen-Mittagessen geladen, in einer Diskussion über die Gründe von Jugendkriminalität den Vietnam-Krieg, "von dem die Amerikaner nicht wissen, warum er geführt wird" als Hauptursache für Drogenmißbrauch und Bandenverbrechen Jugendlicher angeführt.

DER SPIEGEL 36/1977
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