15.08.1977

Ungarn: Fünfkämpfer als Kinoheld

Nach seinem Münchner Olympiasieg im Modernen Fünfkampf wurde der Ungar Andras Balczó mit hochdotierten Trainer-Angeboten aus aller Welt überschüttet. Er entschied sich, daheim zu bleiben und ungarischen Sport-Nachwuchs auszubilden. Heute ist er Hilfsarbeiter. Der ungarische Dokumentarfilm "Küldetés" ("Sendung") jedoch, in dem Balczó aus seinem Leben erzählt, hat den Athleten jetzt noch einmal zum Star gemacht. In mehreren stets ausverkauften Budapester Kinos erhält er seit Mai täglich Szenenapplaus. Balczó formuliert seine Kritik am Sport-Establishment so, als rechne er zugleich mit den politischen Funktionären ab. Über die Sowjet-Okkupation 1956 beispielsweise spreche er, so berichtet der emigrierte TV-Autor Andor Matolcsy, "so scharf an der Grenze des noch Möglichen, daß man sich wundert, wieso er sich überhaupt noch äußern darf". Dennoch ist "Sendung" erst in zweiter Linie ein politischer Film. Balezós Ekel gilt auch dem korrumpierenden Karrieredenken im Westen.

DER SPIEGEL 34/1977
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