04.07.1977

Kommunismus heute

Heißes, abgekochtes Trinkwasser haben die Studenten der Pekinger Universität immer auf ihrer Bude: in Thermosflaschen. Sie holen sich den Vorrat von einer drei Häuserblocks entfernten Kochwasserstelle ins Wohnheim.
Die Berliner Austausch-Studentin Claudia Francke hatte abends stets noch genug warmes Wasser in der Thermosflasche, um sich am nächsten Morgen damit ihren Kaffee aufzubrühen. Deshalb sparte sie sich im kalten Pekinger Winter das Nachschubholen vor dem Schlafengehen.
Fräulein Franckes chinesische Zimmerkameradin dachte anders darüber: Kam sie gegen 23 Uhr nach Hause, warf sie einen Blick in die Francke-Kanne, befand den Wasservorrat als zu knapp und auch zu kalt für das Francke-Frühstück, band wieder ihren Schal um und ging -- bei Minus-Temperaturen -- für die deutsche Kommilitonin Wasser holen, jeden Abend.
Claudia Francke: "Alle meine Versuche, ihr zu "erklären, daß das nicht nötig sei, daß das Wasser für meinen Kaffee reiche und es auch nicht schlimm sei, wenn es nicht mehr kochend heiß ist, scheiterten an ihrer selbstverständlichen Fürsorge für mich."
Was im dekadenten Westen womöglich sogar als Aufdringlichkeit empfunden werden könnte, gilt im China von heute als auffälligste Errungenschaft des Kommunismus: Einer trägt des anderen Last -- so jedenfalls soll es sein. Die Obrigkeit erzieht die Bürger dazu, einander zu helfen.
Was im Abendland seit langem von der christlichen Nächstenliebe abgeleitet und im täglichen Interessenkampf bestenfalls zur Höflichkeit verkümmert ist, bedeutet für China eine moralische Revolution: Niemand hielt sich früher für einen Fremden verantwortlich, der nicht zum Familien-Clan gehörte -- bis die Kommunisten kamen.
Sie erzogen eine ganze Generation zum "Dienst am Volk", zur Verbundenheit mit dem Nächsten und dem Fernsten. Stud. phil. Claudia Francke
* Wohnung in der Volkskommune Pakung (Provinz Schansi).
war in ihrer Zimmergenossin dem Neuen Menschen begegnet.
Die gute Tat wirkt weiter, die Deutsche wurde selbst erzogen: Nach drei Wochen kümmerte sich auch Claudia Francke um Heißwasser am Abend für zwei.
Solidarität, das ist ein schötier Erziehungserfolg für China. Doch der Gesinnungswandel durch Pädagogik ist kein spezifisch kommunistisches Produkt im Sinne der Lehren von Marx und Engels: Das Mao-Wort "Großer Gemeinnutz geht vor Eigennutz" ("Da kung wu tzu") diente auch den Nazis als Parole, und die Mao-Losung "Dem Volke dienen" stammt von General Jüan, dem Präsidenten der ersten chinesischen Republik, ausgegeben vor Parlamentariern in Peking am 14. April 1913.
Das Volk, der Dienst für dieses dubiose Gemenge, auch der fürs Vaterland, die Nation -- das alles sind keine spezifisch kommunistischen Kategorien. Die Arbeiter haben kein Vaterland, lehrte der Internationalist Marx,
Doch auch in China orientieren sich die regierenden Kommunisten -- allesamt keine Proletarier, sondern bürgerliche intellektuelle -- an der nationalen Grandeur, wie in Rußland, wo die Kommunisten das Zaren-Imperium restauriert haben, wie in Polen, wo sie das konservative Programm einer Rückkehr in die Westgebiete der Piasten (die dort vor 1000 Jahren lebten) übernahmen, wie in Rumänien, wo sie ihren Marschall Antonescu, den Hitlerfreund, rehabilitieren.
So setzte denn Volksvater Mao Tsetung seiner Partei 1956 das Ziel, die USA "in fünfzig oder sechzig Jahren zu überholen". Maos getreuer Eckart Tschou En-lai, der erste Premier der Volksrepublik, erklärte auf der letzten Sitzung des "Nationalen Volkskongresses" 1975: "Noch in diesem Jahrhundert wird die Volkswirtschaft unseres Landes in den vordersten Reihen der Welt stehen."
Der zur Zeit amtierende Planungschef Jü wiederholte im Mai die Absicht, "unser Land vor Ablauf dieses Jahrhunderts zu einem mächtigen, modernen sozialistischen Staat zu machen" und "mit den am stärksten entwickelten kapitalistischen Staaten wirtschaftlich gleichzuziehen und sie zu überholen".
Das weitgesteckte Ziel, von der UdSSR schon für 1970 angepeilt und verfehlt, mag Genie und Tatkraft der Chinesen herausfordern. Doch wenn der Kapitalismus des Westens als Maßstab und Muster dient, hat auch das mit Kommunismus wenig zu tun: Solche Träume teilte sogar der Gegenspieler der chinesischen Kommunisten, die bürgerliche "Kuomintang"-Partei unter Generalissimus Tschiang Kaischek.
Er war es, der China als einer der fünf Großmächte von 1945 den ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat besorgte, den Rot-China 1971 erbte. Seine Kuomintang, sonst Todfeind Pekings, billigte auch die Annexion Tibets, weil dieser Gewaltakt auf alte nationale Ambitionen zurückging. Nach inneren Wirren die "Große Ordnung".
Und immer mehr Chinesen in Hongkong wie in den Chinatowns Ostasiens bis hin nach Hawaii und San Francisco -- kaum einer von ihnen Kommunist -- halten die Volksrepublik für ein Bollwerk der guten alten chinesischen Art, das es durch Devisenzahlungen zu stützen gilt: Dort wird Chinas Beruf in der Weltgeschichte verwirklicht, dort bewahrt man noch die Traditionen und restauriert die Tempel, dort herrscht ein Kaiser, und es herrscht Ordnung: Dem Volke dienen.
Aber suchte nicht vor kurzem noch eine Kampagne den Chinesen auf dem
* Parteitags-Delegierte 1969 in Peking.
Festland die Achtung vor dem Konfuzius auszutreiben? Auch darauf gibt es Antworten: Das war eine Aktion der bald gestürzten Radikalen. Oder: Es war eine verdeckte Attacke auf Mao, der sich selbst oftmals auf Konfuzius berufen hat und nach dem Urteil des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften in Peking, Kuo Mo-jo, wie kein anderer die konfuzianischen Tugenden personifizierte.
Kein Zweifel: Die überragendste Leistung der Kommunisten in China ist nächst der Erziehung zur Staatstreue die Emanzipation dieses Staates, der sich offiziell "Reich der Mitte der Volksrepublik" nennt. Keine ausländische Langnase wagt mehr, sich in die inneren Angelegenheiten der Weltenmitte einzumischen.
Der Auszug der übermütigen russischen Berater 1960 scheint irreversibel. Der Besuch des Präsidenten der USA in Peking 1972 wurde fast als klassischer Kotau empfunden. Wer immer in Peking das Sagen hat, schmückt sich mit Ergebenheits-Adressen aus der ganzen Welt, auch wenn sich das politische Gewicht der jeweiligen ausländischen marxistisch-leninistischen Winkelpartei von einem Leser der Pekinger "Volkszeitung" nicht immer voll übersehen läßt.
China ist, mit welchem Tempo auch immer, auf dem Wege zur Weltmacht -- dank der Kommunisten. Und diese waren es auch -- ihr dritter Triumph -, die dem Land innere Stabilität und nach Jahrzehnten innerer Wirren das beschert haben, was Mao-Nachfolger Hua Kuo-feng die "Große Ordnung" nennt.
Nie zuvor standen alle, selbst die entferntesten Provinzen derart zuverlässig unter der Kontrolle der Pekinger Zentrale, besaß das nach seinem Naturell eher pazifistische Volk eine so große Armee -- die im Korea-Krieg beinahe die mächtigste Armee der Welt besiegt hätte.
Nie zuvor konnten alle Ressourcen des Landes vereinigt und auf gesamtnationale Ziele gelenkt werden. Nie zuvor wurde jedem Chinesen das Minimum an materieller Versorgung garantiert: Bei Dürre, Überschwemmung oder Erdbeben brechen noch zeitlich begrenzte Hungersnöte aus, aber niemand braucht mehr zu verhungern -- das hat es in Chinas viertausendjähriger Geschichte nicht gegeben.
Jedermann hat die Gewißheit, daß jederzeit das wachsame Auge des Staates auf ihm ruht, was in China als angenehm empfunden wird. Der Blockwart, den es (meist korrupt) schon im Kaiserreich gab, ist heute (meist dem Volke dienend) allezeit präsent, verteilt Lebensmittelkarten und Tageslosungen, kümmert sich um Kranke und Unzufriedene, schlichtet Streit und schult, kontrolliert regelmäßig die Sauberkeit im Abort und auf dem Bücherbord. Jedermann hat ein Obdach, auch wenn nur ein Zimmer je Familie die Norm ist.
Die landwirtschaftliche Produktion steigt im Schnitt jedes Jahr um zwei Prozent, ebensoviel wie die Bevölkerung jedes Jahr wächst. Dabei wird die Produktionssteigerung fast nur durch gute Organisation und Nutzung der ländlichen Arbeitskraft erreicht, kaum durch mehr Dünger, bessere Getreidesorten oder Maschinen.
In der Volkskommune "Chinesisch-Albanische Freundschaft" nahe Peking wird das Korn, so erlebte es die Erntehelferin Claudia Francke, noch mit der Sichel geschnitten. Das übliche Transportmittel ist der Handkarren, und selbst Frauen und Kinder spannen sich vor den Pflug.
Jahr für Jahr müssen Millionen Tonnen Getreide aus dem Ausland eingeführt werden -- bis zum Doppelten der Zuwachsrate. China ist wirtschaftlich immer noch ein armes Entwicklungsland, aber nicht einmal die Propagandisten machen daraus einen Hehl.
Nur absolute Produktionsziffern verschweigen sie: Die Distanz zur Industrie-Großmacht ist noch sehr weit.
Tschou En-lai verriet 1970 seinem amerikanischen Freund Edgar Snow die Höhe der chinesischen Stahlproduktion: 21 Millionen Tonnen -- viermal mehr als Indien, aber nur ein Fünftel soviel wie Japan.
Chinas große Stahlwerke wurden mit ausländischer Hilfe errichtet: Anschan in den dreißiger Jahren von den Japanern, Wuhan und Paotou in den fünfziger Jahren von den Russen, ein neues in Wuhan jetzt von Westdeutschen. Aber Vize-Generalstabschef Wu klagte jüngst einem Reporter der "New York Times": "Die Industrie ist rückständig. Wir haben keinen erstklassigen Stahl."
Pekinger Gewährsleute berichten, voriges Jahr habe die Stahlproduktion, die in der Zwischenzeit beträchtlich angestiegen war, wieder nur 21 Millionen Tonnen betragen. Auch die Kohleforderung -- Hauptenergiequelle des Landes -- war mit 400 Millionen Tonnen auf den Stand zurückgefallen, den sie schon vor sechs Jahren erreicht hatte. Dann wird auch der Ausstoß an Iraktoren nicht wesentlich höher sein als 1971: Damals waren es 78 000 Stück, etwa ein bis zwei auf 10 000 Bauern.
Dennoch versicherte Partei- und Regierungschef Hua im Mai:
Die Errungenschaften, die wir in den vergangenen 28 Jahren beim wirtschaftlichen Aufbau erzielt haben, werden von der ganzen Welt anerkannt. Unsere Landwirtschaft ernährt eine Bevölkerung, die mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung der Welt ausmacht, obwohl unsere Anbaufläche weniger als sieben Prozent der Gesamtanbaufläche der Welt beträgt. Unsere Industrie brauchte in ihrer Entwicklung 28 Jahre, um das hinter sich zu bringen, wofür kapitalistische Länder mehr als ein halbes Jahrhundert benötigten. --
Dieser Bilanz widersprach der Autor einer Wandzeitung in Kanton, der sich "Gungren" (Arbeiter) nannte. Er verglich Chinas Standard mit den Resultaten des kapitalistischen Japan, das bei einem Siebentel der Bevölkerung Chinas heute (obwohl es in nennenswertem Umfang auch erst nach dem Zweiten Weltkrieg damit begonnen hat) mehr Stahl und Autos produziere und einen weit höheren Hektarertrag an Reis hat als China.
Ist das chinesische Volk dem japanischen an Intelligenz und Talent unterlegen? Oder ist das chinesische System dem japanischen System unterlegen?
Wir haben einen Satelliten am Himmel, aber auf Erden müssen unsere Bauern den Pflug immer noch mit den Schultern ziehen.
Es liegt wohl am System. In den 28 Jahren ihres Bestehens hat sich die Volksrepublik China zumeist -- abgesehen von den Zeiten schwerster Verluste durch abenteuerliche Kommunismus-Experimente -- einem gepflegten Staatskapitalismus hingegeben. Wird das bescheidene Sozialprodukt gerecht verteilt?
Damit steuerte auch China in das Dilemma aller regierenden Kommunisten, die bislang aus eigener Kraft nur in Entwicklungsländern an die Macht gekommen sind: Die Erfolge des Privatkapitalismus bei der Industrialisierung sind von keiner Staatswirtschaft bisher nachvollzogen worden.
Karl Marx selbst hat der historischen Leistung der Unternehmer bei der Lösung dieser Aufgabe im Kommunistischen Manifest höchstes Lob gezollt: Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen ... welches frühere Jahrhundert ahnte, daß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.
Wandzeitungsschreiber Gungren hätte zum Vergleich auch das privatkapitalistische China von heute heranziehen können, Taiwan, das -- sogar unter der Fessel der Parteidiktatur der Kuomintang -- in der Pro-Kopf-Produktion längst das rote Festland unerreichbar überrundet hat.
Der Bevölkerung der Volksrepublik wäre allerdings schon damit gedient, wenn sie die reaktionäre Kuomintang-Insel in einem Punkt einholen oder gar überholen könnte, in dem Karl Marx dem Privatkapitalismus rein gar nichts zugetraut hatte: im Lebensstandard der Arbeiter und Bauern.
In der Volksrepublik China sind die Grundnahrungsmittel Reis, Speiseöl, Zucker, Fleisch (ein Kilo je Person im Monat) sowie Baumwolle rationiert. Wegen einer anhaltenden Dürre wurden im Frühjahr die Rationen gesenkt.
Die Lebenshaltung einer Person kostet im Monat rund 15 Jüan. Ein Arbeiter verdient laut "Peking Rundschau" vom 5. Oktober 1971 im Monat durchschnittlich 54 Jüan*. Seit über einem Jahrzehnt sind die Löhne eingefroren; seit der Kulturrevolution von 1966 wurden alle Prämien, Akkord- und Überstundenzuschläge gestrichen.
Mit diesen Einkünften läßt sich eine Familie kaum ernähren, zumal auch die Hälfte der Krankenkosten der Familienangehörigen (Arbeiter werden umsonst behandelt), Heilmittel, Schul-
* Amtlicher Kurs: Ein Juan = 1,26 Mark.
unterricht, Fahrradsteuer, auch der Eintritt in öffentliche Parks und Museen oder der Fahrrad-Parkplatz vorm Kaufhaus in bar zu bezahlen sind.
So muß die Ehefrau mitarbeiten -- Emanzipation auf kommunistisch. Daß sich nicht mehr als zwei Kinder ernähren lassen, dafür sorgt der Staat: Für weitere Kinder gibt es keine Lebensmittelkarten.
Mit der offiziellen Begründung, sie müßten ihre Kraft für Revolution und Produktion aufbewahren, werden im übrigen die jungen Leute angehalten, erst spät zu heiraten -- Männer nicht unter dreißig Jahren. Und bezahlter Urlaub ist eine in China unbekannte Einrichtung. Reisen innerhalb des Landes bedürfen der Erlaubnis.
80 Prozent aller Chinesen leben auf dem Lande, dort sollen sie auch bleiben, deshalb wird ihnen Freizügigkeit verwehrt. Dorthin hat die Regierung zudem an die 60 Millionen Absolventen der städtischen Mittelschulen auf jeweils fünf Jahre verschickt.
Das ist längst nicht mehr nur ein Disziplinierungsmittel gegen aufmüpfige Rotgardisten wie am Ende der Kulturrevolution, sondern entspringt der tiefen Aversion asiatischer Agrar-Kommunisten gegen große Städte und jegliche Urbanität: Das Landleben, von Marx im "Kommunistischen Manifest" noch als "Idiotismus" eingestuft, wirkt in ihren Augen erzieherisch.
Chinas Bauern besitzen ein Drittel Mu eigenen Bodens: 200 Quadratmeter. Dessen Früchte sowie Kleinvieh und bis zu zwei Schweine dürfen sie auf dem freien Markt verkaufen. Doch bis zu 13 Stunden täglich gehört ihre Arbeitskraft der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, die sich heute "Volkskommune" nennt.
Von ihr erhalten sie in der Regel ein Jahres-Deputat an Getreide, das für die ganze Familie reicht, dazu je nach Arbeitsleistung einen Barlohn von durchschnittlich einem Drittel des Fabrikarbeiterlohns. In der Musterbrigade Datschai, in der es keine Privat-Gärten gibt, waren es 1974 weniger als 15 Jüan im Monat.
Der niedrige Lebensstandard braucht freilich kein Argument gegen ein gesellschaftliches System zu sein, wenn das noch so bescheidene Sozialprodukt gerecht verteilt und zudem alles unternommen wird, um den Massenkonsum zu steigern.
Jedoch: Permanente Kampagnen mit täglicher Polit-Schulung von zwei Stunden Dauer für jeden Werktätigen ersetzen materielle Anreize zur Arbeitslust. Ideologische Entscheidungen haben bisher fortlaufend die Effektivität gebremst: Fachleute -- die nach 1966 kaum noch von den Universitäten ausgebildet wurden -- mußten hinter Gesinnungstreuen zurücktreten. Lange Zeit galt die politische Qualifikation vielerorts als Hauptkennzeichen für die Lohneinstufung.
Und nirgendwo sonst haben die Arbeitenden einen derart geringen Anteil am Sozialprodukt wie in der Volksrepublik China. Tschou En-lai teilte 1970 Edgar Snow das Staatsgeheimnis mit, China erwirtschafte im Jahr 120 Milliarden Dollar, wovon 30 Milliarden (sechsmal soviel wie in Westdeutschland) auf die Landwirtschaft entfielen, 90 Milliarden auf Industrie und Transport (etwa zwei Drittel des westdeutschen Produkts).
Umgerechnet auf Jüan sieht das so aus: Chinas schätzungsweise 40 Millionen Arbeiter erhielten (bei je 650 Jüan im Jahr) von ihrem Arbeitsprodukt, das 216 Milliarden Juan wert war, nur 26 Milliarden Jüan an Lohn.
Die Differenz ist, laut Marx, der Mehrwert -- 88 Prozent. Er wird für Investitionen, Infrastruktur, Landesverteidigung, Atom- und Satellitenforschung verwendet -- und für die Privilegien-Kosten der herrschenden Funktionärsklasse.
Denn für Sozialleistungen gibt Peking wenig aus. Bei den Bauern sorgen für die Kranken meist nebenberufliche Sanitäter ("barfüßige Ärzte"), für die Alten die Familienmitglieder. Krankenhaus, Heilmittel, Ärzte und auch Schulunterricht muß zu einem guten Teil der Benutzer selbst bezahlen. Kinder erben
die Klasse der Eltern.
Seit Wiedereröffnung der Universitäten nach der Kulturrevolution war die Zahl der Studenten nicht größer als vor 1949. Vor der Kulturrevolution, so gab Radio Peking zu, erhielten 15 Prozent der schulpflichtigen Kinder keinen Unterricht. Heute ist "in den Städten Chinas der siebenjährige Schulbesuch im allgemeinen garantiert ... Aber auch in einigen ländlichen Gebieten ist der sieben-, neun- und zehnjährige Schulbesuch schon weit verbreitet". Dabei dauert das Erlernen der wichtigsten chinesischen Schriftzeichen allein etwa vier Jahre.
Schon der Zugang zur Mittelschule, die Erlaubnis zur Umsiedlung in die Stadt, der Eintritt in eine Fabrik stellt einen Aufstieg dar, der kaum gelingt, wenn man nicht die rechte Ahnentafel vorzuweisen hat: Die Klassenzugehörigkeit der Eltern aus der Zeit vor 1949 vererbt sich auf die Kinder, wenn sie sich nicht von ihren Eltern lossagen. Steht bei ihnen "Grundbesitzer" oder auch nur "unterer Mittelbauer" im Personalausweis, können sie nicht auf die Universität gehen (und bleiben auch von einer Krankenversicherung der Volkskommune ausgeschlossen).
Wichtig für einen Aufsteiger, der den Weg in die Stadt geschafft hat: Er mull in einem direkt der Regierung unterstellten, entsprechend durchnumerierten Betrieb arbeiten. Dort erhält ei mehr Lohn als ein Kollege im kommunalen Wirtschaftsunternehmen.
Generell sind alle Arbeiter in acht Lohnstufen unterteilt, die von 18 bis 109 Juan im Monat reichen. Das Leistungsprinzip steht in der Verfassung und bedeutet auf dem Lande zum Beispiel, daß Frauen bei gleicher Arbeitszeit weniger verdienen als die kräftigeren Männer.
Gute Chancen bietet das Militär: Die Sold-Pyramide reicht von sechs Juan monatlich für den gemeinen Mann bis zum fast Hundertfachen, nämlich 538 Jüan, für den Marschall. In der Rangtabelle der Verwaltungsangestellten aber bezieht die höchste Einkommensgruppe 28mal mehr als die niedrigste. Es gibt 30 Rangstufen mit differenzierten Zulagen wie Wohnraum, Eisenbahnklasse, Dienstwagen, Personal.
Die Beamten, chinesisch "Kanpu", bilden die neue Klasse, die in Chinas Verwaltung und Wirtschaft die Funktion der Bourgeoisie übernommen hat. Sie verfügt insgesamt über die Produktionsmittel, teilt das Sozialprodukt auf, investiert und entlohnt, bestraft und erzieht, dient dem Volk und fordert vom Volk den Dienst.
"Zum Gehorsam gegenüber der Führung" erläuterte Mao 1957: "Inder Fabrik hat man der Führung und Leitung des Fabrikchefs zu folgen, die Studenten müssen der Anleitung der Lehrer gehorchen, es hat eine Lerndisziplin zu herrschen."
Demokratie dagegen, so Mao damals, habe zum Beispiel in Polen 1956 "die Produktion um die Hälfte gesenkt", und: "Unsere Kanpus wären darauf nicht vorbereitet."
Sie selbst sind so wenig produktiv wie überall in kommunistischen Ländern: Im ersten Quartal 1977 verbrachte der Behördenangestellte Liu Kueitang, wie er der "Volkszeitung" mitteilte, 32 Tage auf Sitzungen, 15 Tage auf Schulungskursen und zehn Tage bei der verordneten körperlichen Arbeit, der chinesischen Besserungskur für Bürokraten. Für seine eigentliche Tätigkeit im Büro verblieb ihm noch ein Tag im Vierteljahr.
Die Kommunisten an der Seite der bürgerlichen Kuomintang.
So offensichtlich unterlegen diese Art von Management westlichen Methoden ist, so unbestritten war in China die Notwendigkeit einer Klasse, welche die Gesellschaft leitet. Daß sie sich bis heute durchgesetzt hat und als privilegierte Minderheit wie eine Bourgeoisie akkumuliert, industrialisiert und sich um die Steigerung der Produktivität bemüht, scheint den Determinismus von Marx zu bestätigen:
Eine Gesellschaftsordnung geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft ausgebrütet worden sind.
Daß im unterentwickelten. China nicht die kommunistische Gleichheit, sondern die bürgerliche Klassengesellschaft nach dem historischen Kalender des Dr. Marx fällig sein würde, darüber herrschte bei Chinas Kommunisten vor ihrer Machtergreifung Einigkeit. Sie hielten sich an den bürgerlichen Revolutionär Sun Jat-sen, der die Kuomintang gründete; seine Kuomintang-Parole "Nationalismus, Demokratie, Wohlfahrt" steht heute noch in goldenen Lettern an seinem (restaurierten) pompösen Grabmal in Nanking, einem beliebten Ausflugsort -- und die von ihm kreierte Kluft trägt heute als angeblichen "Mao-Anzug" jedermann in China.
Die Kommunistische Partei suchte stets die Koalition mit der Kuomintang und gehörte ihr sogar korporativ an, bis Suns Schwager Tschiang Kaischek das Bündnis brach und die Roten in die nordchinesischen Lößberge vertrieb, nach Jenan.
Als er 1936 durch Zufall in die Hände der Kommunisten fiel, ließen sie ihn unter der Bedingung frei, die Koalition wiederherzustellen -- gegen die japanischen Invasoren. Maos Partisanengruppe wurde nun korporativ als "Achte Armee" dem Kuomintang-Heer eingegliedert.
Jenan-Chef Mao unterhielt kaum Kontakte zu den ihm verhaßten Russen, umwarb aber die Amerikaner, die Missionen nach Jenan schickten. Die meldeten nach Washington, die Maoisten seien eine Art Bodenreformer, ihr Puritanismus erinnere an eine Sonntagsschule. US-General Hurley bemerkte, der Unterschied zwischen chinesischen Kommunisten und den US-Republikanern von Oklahoma bestehe darin, daß die Republikaner unbewaffnet seien. US-General Marshall bemühte sich erfolglos um eine neue Koalition zwischen Kommunisten und Kuomintang.
Den Roten schlug eine Welle des Wohlwollens entgegen: Das Regime Tschiang Kai-scheks hatte weder die nationale Einheit, noch Ordnung, weder Demokratie noch Wohlfahrt gebracht, sondern sich als völlig unfähig erwiesen. Eine Bodenreform war nicht zustande gekommen, politische Opponenten wurden standrechtlich erschossen, die Wirtschaft war von Inflation erschüttert, die Armee desorganisiert, das Reich zerrüttet.
Die Kommunisten dagegen hatten sich als ehrlich, ordnungsliebend und bescheiden vorgestellt. Ihre Kämpfer sangen Maos elf Regeln soldatatischen Wohlverhaltens als Lied: "Sprich höflich, gib zurück, was du entliehen hast ... belästige nicht Frauen." Die Kommunisten würden, so ließ sich erwarten, endlich die "Große Harmonie" errichten.
Nur, wie man das macht, wußten die Kommunisten so genau auch nicht. Die Macht zu erobern war 1949 nicht schwer gewesen, auf ihre Ausübung aber waren sie nicht vorbereitet. Die Männer, die schießen und diskutieren gelernt hatten, sollten nun das größte Reich der Erde verwalten -- etwa Steuern aus entlegenen Gebieten eintreiben, die Kanalisation einer Großstadt in Gang halten, Waggons mit Gemüse rechtzeitig an den richtigen Ort leiten, auf öffentliche Hygiene achten.
Es gab kein Lehrbuch dafür, wie man das auf kommunistische Art macht. Der Glaube an die Prägung des Menschen durch seine Umwelt etwa bewahrt auch einen kommunistischen Polizisten nicht vor der Notwendigkeit, einen Taschendieb festzunehmen, und das Wissen um die sinkende Tendenz der Profitrate hilft dem Direktor eines Staatsbetriebs wenig, die eigene Ausschußproduktion zu vermindern. Für die Nationale Bourgeoisie ein Sternchen in der Staatsfahne.
Maos Generale übernahmen als Militärgouverneure die Spitze der Provinzverwaltungen' viele der alten Kuomintang-Beamten behielten ihre Büros und Katheder. Aber wie organisiert man eine kommunistische Wirtschaft? Als Chinesen ohnehin traditionell gewöhnt, sich an Beispielen zu orientieren, sucht die Partei ein Muster.
Eine Diktatur des Proletariats nach der Lehre von Marx konnten sie nicht errichten, weil es kein nennenswertes Proletariat gab. "Wir sind überzeugt", verkündete Mao im Juli 1949, "daß wir uns, um zu siegen und den Sieg zu sichern, an eine Seite anlehnen müssen -- entweder an den Imperialismus oder an den Sozialismus."
Der Imperialismus, das waren die USA, mit dem Sozialismus war die UdSSR gemeint. Die Entscheidung, von Rußland Wirtschaftshilfe, Berater und schließlich das Entwicklungsmodell anzunehmen, wurde wahrscheinlich erst gefällt, als Amerika der neuen Volksrepublik die diplomatische Anerkennung und damit auch den Uno-Sitz, also die ersehnte Gleichberechtigung mit den Großen, versagte.
Die Sowjet-Union indessen, die noch bis zum Herbst 1949 auf die Kuomintang-Regierung gesetzt hatte, nahm China niemals mit vollen Rechten in ihren Wirtschaftsblock Comecon auf, auch nicht ins Kominform-Büro, die Allianz der moskautreuen Parteien. Und sie ließ sich die Entwicklungshilfe teuer bezahlen.
Innenpolitisch zauderten Chinas Kommunisten denn auch, den historisch nicht aktuellen "Sozialismus", für den alle Voraussetzungen fehlten, einzuführen -- sie redeten von einer "Neuen Demokratie".
Acht kleine bürgerliche Parteien, darunter ein prokommmunistischer Flügel der Kuomintang, durften in einer "Politischen Konsultativkonferenz" mitbestimmen. Die Witwe des bürgerlichen Revolutionärs Sun Jat-sen -- Schwester von Frau Tschiang Kaischek -- wurde Vizepräsidentin der Volksrepublik. Sie ist es noch heute.
Die Privatkapitalisten -- die meisten Großbetriebe unterstanden ohnehin schon zur Kuamintang-Zeit der Regierung -- wurden als "Nationale Bourgeoisie" eine der lizenzierten staatstragenden Klassen, auf der Staatsfahne mit einem von vier kleinen Sternen (neben den Sternchen für Bauern, Arbeiter und Kleinbürger) vertreten, die sich um einen großen Stern gruppieren: die Nation.
Die nationalen Unternehmer wurden zwar schrittweise enteignet, aber mit jährlich fünf Prozent ihres verlorenen Kapitals in Staatsanleihen entschädigt; meist konnten sie als Geschäftsführer ihres früheren Betriebs weiterarbeiten. Viele setzten ihren aufwendigen Lebensstil in Villen mit Dienstpersonal fort.
Die Grundbesitzer wurden enteignet und zu Hunderttausenden erschossen -- unter dem Beifall ihrer früheren Pächter: Das Land bekamen Millionen Bauern, die so zum ersten Mal eigenen Boden bewirtschaften konnten. Staatliche Entwicklungs-Leitlinie war der Primat von Landwirtschaft und Konsumgüter-Industrie vor der Schwerindustrie -- vernünftig für ein Entwicklungsland, gerade umgekehrt wie in der UdSSR.
Nach sechs Jahren. nach schweren Verlusten im Korea-Krieg -- dem Beweis, daß eine Verständigung mit der viel leistungsfähigeren Weltmacht Amerika aussichtslos war -, übernahm Mao doch noch das sowjetische Modell des Staatskapitalismus.
Den Bauern wurde der eigene Boden wieder abgenommen und Kollektivwirtschaften überantwortet. Die Schwerindustrie genoß Vorrang hei allen Investitionen, Mao: "Wir haben zwei Fäuste und einen Hintern. Die eine Faust ist die Landwirtschaft, die andere die Rüstungsindustrie. Wollen wir mit beiden Fäusten kräftig schlagen, müssen wir uns richtig auf den Hintern setzen. Der Hintern ist die Schwerindustrie." Von der Konsumgüterproduktion redete er erst gar nicht.
Zwei Jahre nach diesem Kurswechsel unternahm Mao, aufgeschreckt vom Volkszorn gegen die Kommunisten in Polen und Ungarn 1956, einen Test: Drei Wochen lang durften im Juni 1957 "hundert Blumen blühen, hundert Gedankenschulen miteinander wetteifern" -- alle Kritiker der Partei sollten freimütig ihre Meinung sagen.
Der Partei wurde eine bestürzende Rechnung vorgelegt. Ein Professor schrieb in der "Jangtse-Zeitung": Die Verfassungsartikel Ober Menschenrechte sind zu einer Art Dekoration geworden, um das Volk zu täuschen ... Unvorstellbar groß war die Zahl der Intellektuellen während der Gesellschaftsreform, die nicht fähig waren, die geiatige Folterung und Erniedrigung zu ertragen, die den Tod wählten, indem sie von hohen Gebäuden sprangen, sich in Flüssen ertränkten, Gift schluckten, sich die Kehle aufschlitzten ...
Ein Chefredakteur warf in der zentralen "Volkszeitung" der Partei vor, daß sie das Volk nicht führe, sondern besitze. An der PH Scheniang hieß es: Die KP Chinas hat zwölf Millionen Mitglieder, das sind weniger als zwei Prozent der gesamten Bevölkerung. 600 Millionen Menschen sind die ergebenen Untertanen dieser zwei Prozent geworden. Die absolute Führung der Partei muß verschwinden, die Privilegien der Parteimitglieder müssen verschwinden . -. In Wirklichkeit herrscht die Diktatur der Partei, und eine Handvoll Leute im Politbüro üben die absolute Macht aus.
Ein Dozent für Industriewirtschaft an der Pekinger Universität rügte: Als die KP Chinas 1949 die Stadt besetzte, empfing das Volk sie mit Speisen und Getränken und betrachtete sie als Wohltäter. Heute halten sich die einfachen Leute von der KP Chinas fern, als ob deren Mitglieder Dämonen oder Teufel wären ... Die Parteimitglieder überwachen die Massen ... Die Kommunisten dienen nicht dem Volk.
Außer der fortlaufenden Gewöhnung und Anpassung gibt es keinen Grund für die Annahme, daß Kritiker der Partei später ihre Meinung änderten: Die Partei tat nichts mehr für eine Versöhnung mit dem Volk, aber vieles noch, um die Kluft zu erweitern. China befand sich damals, 1957, an einem Wendepunkt.
Die Bevölkerung war offenbar geneigt, den Kommunisten das acht Jahre zuvor erteilte Mandat wieder zu entziehen. In dieser Situation hätten andere Regierungen vielleicht einen Schritt zurück getan. Mao entschied sich für die Flucht nach vorn.
Zwei Revolutionen gescheitert -- zwei Jahrzehnte verloren?
Er hatte, wie neuerdings mit der Veröffentlichung des 5. Bandes seiner Werke bestätigt wird, die Hundert-Blumen-Kampagne als Falle verstanden ("Nur wenn giftiges Unkraut aus dem Boden hervorgekommen ist, kann man es einfach weghacken"). Die hervorgelockten Kritiker wurden gemaßregelt.
Gegen den Willen des Parteiapparats und gegen Widerstand aus allen Klassen Chinas unternahm Mao zwei Anläufe, das Volk unvermittelt in den vollendeten Kommunismus hineinzuzwingen: schon ein Jahr nach den "Hundert Blumen" den "Großen Sprung nach vorn", acht Jahre darauf die "Große proletarische Kulturrevolution".
Die beiden von oben verordneten Revolutionen hatten das Ziel, mit dem Erreichen des Endzustandes der gesellschaftlichen Entwicklung dem Reich der Mitte die moralische Führung der ganzen Welt zu verschaffen, auf einen Streich, wie von der Hand einer -- von Mao oft beschworenen -- "Zauberfee".
Beide Aktionen hatten zugleich den Zweck gehabt, die Funktionärsklasse zu beseitigen, die Maos Sozialträume ebenso wie seine persönliche Macht behinderte. Aus beiden Experimenten ging diese Klasse als Sieger hervor. Entweder Weltumwalzung oder Gulasch-Kommunismus.
Mao-Nachfolger Hun Kuo-feng, reale Ziele im Sinn und auf Popularität bedacht, hat die Rückkehr zu den goldenen Jahren vor 1957 proklamiert -- ein Sprung zurück um 20 Jahre, Abschied von der Mao-Vision, daß militärisch und industriell weitgehend autarke "Volkskommunen" (von denen heute nur noch der name geblieben ist) jedem nach seinen kräften arbeit geben sollten, seine grundbedürfnisse inklusive kantinen-verpflegung, haareschneiden und bestattung kostenlos von der kommune befriedigt wurden.
So ähnlich mochten sich auch die marxistischen väter die zukunftsgesellschaft vorgestellt haben -- aber auf hohem wirtschaftlichem niveau, wenn "alle springquellen des genossenschaftlichen reichtums voller fließen" (marx), nachdem nämlich die bourgeoisie erst jenen riesigen produktionsapparat entwickelt hätte, der das kommune füllhorn möglich macht.
Für Maos großversuch gab es kein muster, es sei denn den kasernen-kommunismus im militärlager von jenan, wo soldaten, funktionäre und ortsansässige bauern gleichermaßen schießen, ackern, kochen, weben und studieren mußten. doch das geschah auf übersichtlichem feld, nicht in einem riesenreich.
Der erste vorwärts-sprung mißlang schon nach wenigen monaten, hungersnöte brachen aus, mao verlor sein amt als staatschef.
Der zweite Anlauf, die Kulturrevolution, scheiterte nach einem jahr, partei- und staatsapparat waren zerschlagen, schulen und universitäten geschlossen, rollkommandos der roten garde und von maos ehefrau tschiang tsching gelenkte propaganda beherrschten das öffentliche leben. china stand am rand der anarchie.
Die Armee mußte Ordnung schaffen; Soldaten brachten die fabriken in gang, offiziere bauten behörden und unterrichtsanstalten wieder auf. und notgedrungen ließ mao die kanpu-klasse wieder an die schalthebel der macht. er war in seinen letzten lebensjahren nicht mehr in der lage, den konflikt zwischen traum und wirklichkeit zu entscheiden.
frau ischiang tsching und die partei-linke behielt die meinungsmedien, die in den folgenden jahren eine aufschlußreiche zustandsbeschreibung der volksrepublik china lieferten.
sie konstatierten, daß chinas bourgeoisie im dritten jahrzehnt nach der kommunistischen machtergreifung immer noch in china existierte, "eine große anzahl von kleinbürgern immer noch umgeformt werden müssen, es noch eine große zahl ungebesserter intellektueller gibt".
sie verbreiteten die mao-klage: ihr macht die sozialistische revolution, und ihr wißt nicht, wo die bourgeoisie ist. sie sitzt mitten in der kommunistischen partei -- es sind die an der macht beifindlichen personen, die den kapitalistischen weg gehen.
Für die maoistische Partei-Linke (die "Viererbande" und ihre Anhänger), so resümierte die "Peking Rundschau" im April,
bestand die große Mehrheit der alten Partei-Kader aus alten Demokraten, die der alten Politik anhingen, ia sogar eifrig daran arbeiteten, den Kapitalismus zu restaurieren ... Sie entwickelten sich schließlich zu einer festgefügten kapitalistischen Klasse in der Partei.
Über das Ziel der Partei-Bourgeoisie, einen Gulasch-Kommunismus, machte Mao sich in einem Gedicht lustig, das die linke Presse in Umlauf setzte: Auch zu essen gibt es dort Kartoffeln, schon fertig, und Rindfleisch dazu ...
Maos gereimtes Gegenargument: Hör auf mit diesem Furz! Sieh, die Welt wird umgewälzt!
Die Rindfleisch-Funktionäre dagegen forderten ein größeres Warenangebot -- "in Nahrungsmitteln, Kleidung und Haartracht" ("Volkszeitung"); der Kanton-Chef General Ting erklärte sogar auf einer Versammlung, er habe nichts dagegen, wenn junge Mädchen gelegentlich einen Lippenstift benutzen.
Die Linken wiederum plädierten für gleichen Lohn unabhängig von der Leistung; Mao selbst rügte in letzter Stunde das Acht-Stufen-Lohnsystem für Fabrikarbeiter. Warben die Ideologen für Aufhebung der Unterschiede zwischen Arbeitern und Funktionären durch Teilnahme der Arbeiter am Management und Teilnahme der Manager an der körperlichen Arbeit, so plädierten die Pragmatiker für strenge Arbeitsdisziplin und Anleitung durch Fachleute -- eben die Funktionäre.
Sie hatten die Weichen schon gestellt und in Chinas neue Verfassung 1975 (in Abwesenheit Maos) das Leistungsprinzip hineingeschrieben, auch das Recht der Bauern auf ihre Privatgärten und den freien Markt. Der damalige Staatssicherheitsminister Hua Kuofeng berichtete 1975 über die Situation auf dem Lande:
Ein Teil der (ehemaligen) wohlhabenden Mittelbauern hat immer noch eine ziemlich starke Tendenz zum Kapitalismus ... In vielen Fällen sind die kapitalistischen Tendenzen in den ländlichen Gebieten Probleme im Volke.
24 Gefängnisse und Laser allein im Gebiet Schanghai.
Dahinter verbarg sich, daß mancherorts die Bauern von sich aus bereits dazu übergegangen waren, die Kollektiv-Wirtschaften untereinander aufzuteilen und zu privatisieren. Das wurde erst dieses Jahr auf einer Landwirtschaftskonferenz eingestanden.
Inzwischen hat Staatssicherheitschef Hua die Mao-Nachfolge angetreten: Nur vier Wochen nach Maos Tod ließ er Maos Ehefrau und deren linken Anhang verhaften. Vorsorglich war in Chinas neue Verfassung die einzigartige Bestimmung aufgenommen worden, daß an Gerichts Stelle auch die Staatssicherheitsorgane Haftbefehle ausstellen können.
Es war die posthume Katastrophe des großen Mao: Im Volk verbreitete sich eine kritische Stimmung wie 1957. Die Kommunisten hatten fast alle Schichten im Lande gegen sich aufgebracht.
Die Bauern forderten den 1955 enteigneten Boden zurück, die Intellektuellen die ihnen 1957 entzogene Meinungsfreiheit. Die Funktionäre hatten ihre Deklassierung von 1966/67 nicht vergessen, die Rotgardisten drängten aus der Landverschickung des Jahres 1969 in die Städte zurück.
Die Fabrik-Proletarier, in deren Namen sich das alles vollzogen hatte, forderten endlich Lohnerhöhungen und traten -- oft ermuntert durch linke Losungen zur Übernahme der Betriebe -- in den Streik.
Sie wollen sich endlich die "Fünf großen Dinge" leisten können, die Mao einst als Klassenziel der Funktionäre ausmachte: Radio, Fahrrad, Armbanduhr, Nähmaschine, Kugelschreiber. Heute halten junge Mädchen nach einem Bräutigam Ausschau, der diese großen Fünf besitzt.
Die öffentliche Moral sinkt -- der Dienst am Volk ist nicht mehr so recht populär, wie schon der Kampf an der Bushaltestelle zeigt, wo Alte und Kinder in der Rush-hour keine Chance haben.
Hygiene-Kampagnen werden ignoriert; schimpft ein Polizist einen Radfahrer aus, schimpft der Bürger zurück. Gegen das Anwachsen der Kriminalität, darunter Banküberfälle und Vergewaltigungen, mußten in den letzten Wochen über 50 Todesurteile (drei davon wegen "Spionage") verhängt werden.
Versorgungsschwierigkeiten führten zu Unruhen; in den Provinzen Tschekiang und Fukien sorgten auch in diesem Frühjahr wieder Truppen für Befriedung.
In Schanghai tauchten im April Wandzeitungen auf: "Die Massen essen Bitterkeit." Darin wurden höhere Reis- und Ölrationen gefordert. Aus der Stadt meldete -- über die Hongkonger Redaktion der "Far Eastern Economic Review" -- ein Dissident dem dafür immer empfänglichen US-Präsidenten Carter den Verlust der Menschenrechte in China und bezeichnete auch gleich 24 Gefängnisse und Arbeitslager allein im Gebiet Schanghai.
Die Einwohner der Volksrepublik China sind offensichtlich des Konsumverzichts und der ideologischen Pflichtübungen, der Anpassung an die Meinung der Herrschenden und des Ausgeschlossenseins von den Pekinger Machtkämpfen -- über deren Resultat das Volk oft erst Wochen später offiziell unterrichtet wird -- überdrüssig.
Reichsverweser Hua ließ die ausgeschalteten Maoisten schleunigst zu "Faschisten" erklären, zu Sündenböcken für alle Ärgernisse der letzten Jahre. Huas Schlag gegen Links brachte ihm einen befristeten Vertrauensvorschuß ein:
Die Verhaftung der "Viererbande" empfanden viele Chinesen als "zweite Befreiung" nach der ersten von 1949, wie in der Parteisprache der Machtantritt der Kommunisten bezeichnet wird. Das Abtreten der Maoisten wirkte, so der Pekinger Verwandte eines Auslands-Chinesen, "als ob eine Wolke von unserem täglichen Leben fortgezogen würde".
Reformer Hua hat "Verbesserungen des materiellen und des kulturellen Lebens" angekündigt. Die Landesentwicklung soll wieder in der Reihenfolge Landwirtschaft / Konsumgüter-Industrie / Schwerindustrie vorangetrieben werden.
Huas Programm -- Produktivitätssteigerung durch Rückkehr zum Staatskapitalismus mit privat-kapitalistischen Einsprengseln -- ist bereits vorgelegt: mit der Publikation des fünften Mao-Buches, das nur ausgewählte Zitate des gemäßigten Mao von 1949 bis zum Jahre 1957 enthält.
Eine Industriekonferenz der Spitzenfunktionäre gab im Mai das neue Muster für die Wirtschaftsorganisation bekannt: das Erdölrevier Datsching in der Mandschurei.
Dort wurden extrem hohe Wachstumsraten erzielt -- durch strenge Arbeitsdisziplin, erfahrenes Management und Leistungslöhne, die (einschließlich einer Gebietsprämie von 15 bis 35 Prozent) doppelt so hoch sind wie der nationale Durchschnitt. Außerdem erhalten die Arbeiter dort Eigentumswohnungen und private Grundstücke zum landwirtschaftlichen Nebenerwerb.
Ein gemeinsamer Leitartikel der führenden Pekinger Zeitungen kündigte bereits erneutes Wachstum von "hundert Blumen" in Wissenschaft und Kultur an. Beethoven, einst verpönt, wurde mit einer Aufführung seiner Fünften Symphonie zu seinem 150. Todestag rehabilitiert.
In der Vergangenheit verfemte Künstler und Professoren wurden von der neuen Regierung auf besondere Art wieder ge ehrt: als Gäste bei einem Festmahl für einen Schanghai-Besucher aus Baden Württemberg, den Landesvater Filbinger. Unter Tränen erzählten sie vor ihren Verfolgungen.
Noch seltsamere Gäste wurden durch einen Ehrenplatz bei der Feiei des 1. Mai in Peking ausgezeichnet eine Unternehmer-Delegation aus Chile. Und die "Politische Konsultativ konferenz" der acht bürgerlichen Parteien, die nach 1957 verschwunden waren, wurde vom Vorsitzenden Hua wieder aktiviert.
Den Traum einer chinesischer Wohlstandsgesellschaft führen schor die 90 Warenhäuser vor, welche die Volksrepublik China im kolonial-kapitalistischen Zipfel Hongkong unterhält: In den Schaufenstern des roten Kaufpalastes "Hue Hwa" an der Nathan Road etwa stellen lebensgroße Puppen aus dem Westen (mit blauen Augen und blondem Haar) modische Textilien vor.
Die Ladentische sind mit Konsumgütern aus der Volksrepublik überfüllt -- Unterwäsche, Zahnpasta, Fahrräder, antikes Porzellan, gefrorene Enten und das fünfte Buch Maos. Dazu läuft auf einem Dutzend Video-Bildschirmen ein Farbfilm über Tschou En-lai, alle paar Minuten unterbrochen von Werbe-Spots für Tsingtau-Bier oder ein Ausverkaufsangebot an Murmeltierfellen.
Chinas Zukunft? Auf der jüngsten Kanton-Messe wurde der Mangel an Exportwaren mit den Sünden der "Viererbande" entschuldigt. Ein europäischer Händler wütend: "Auch die nächsten zehn Jahre werden Sie noch alle nicht eingehaltenen Lieferfristen der Viererbande anlasten." Darauf ein chinesischer Funktionär milde: "Endlich beginnen Sie, unser politisches System zu begreifen."
"Du und ich", hatte Hua-Vorgänger Mao für Tschou En-lai kurz vor beider Tod gedichtet, "alte Freunde, können wir nur zusehen noch, wie unsere Mühen hinweggespült werden?"
Mao Tse-tungs Leichnam liegt demnächst unter Glas in einem bombastischen Mausoleum, das Hua in wenigen Monaten bauen ließ -- mitten auf dem Himmelsfriedens-Platz in Peking, wo Mao einst sein Reich ausgerufen hatte: "China, ein Viertel der Menschheit, hat sich erhoben. Niemand wird uns mehr beleidigen ...
In einer nördlichen Vorstadt Pekings aber wird Maos Ehefrau Tschiang Tsching derzeit in einer Zweizimmerwohnung mit Eßküche unter Hausarrest gehalten und täglich verhört.
Unter allen kommunistischen Herrschern wird der Dichter-Revolutionär Mao der größte bleiben, sein Experiment das faszinierendste. Gelungen ist es dennoch nicht, nachdem Bürokraten und Pragmatiker nun dort das Sagen haben, wo noch vor wenigen Jahren die Kulturrevolution den Neuen Menschen ankündigte.
In Moskau mag man insofern ruhig schlafen: Die weltpolitische Konkurrenz Chinas wird bleiben, aber das beunruhigende neue Modell eines ganz anderen, nichtbürokratischen Kommunismus mit weltweiter Ausstrahlung ist kaum noch gefährlich. Byzanz wurde von Rom nicht besiegt, aber es wurde angepaßt, mag auch gerade dieses Wort den Maoisten am wenigsten behagen.
Schon meldete sich im nachmaoistischen China Kritik an Mao selbst, dessen staatseinende Funktion von den Nachfolgern ansonsten noch genutzt wird. Südchinesische Militär- und Parteiführer sandten der Zentrale die Empfehlung, Mängel und Fehler des verstorbenen Vorsitzenden gründlich zu untersuchen; das letzte Jahrzehnt der Volksrepublik sei schlimmer gewesen als das vorhergegangene, und jenes immer noch schlimmer als das erste.
Der Parteichef der Provinz Tschekiang wollte die Person des "Großen Steuermanns" schonen:
Wir müssen mit Festigkeit alle Äußerungen und Handlungen unter Kontrolle bekommen, die dem glänzenden Bild des Vorsitzenden Mao abträglich sind. Wir müssen entschlossene Schläge gegen politische Gerüchte und reaktionäre Bemerkungen vorbringen, die das große Banner des Vorsitzenden angreifen und beschmutzen.
Immerhin notierte aber auch dieser Mao-Verteidiger bei Mao nur "70 Prozent Erfolge", machte freilich für die 30 Prozent Fehler nächste Kampfgenossen -- inzwischen alle gestürzt -- verantwortlich.
Die Mao-Kritiker aus Südchina aber, der Militär- und der Parteichef von Kanton etwa, lasteten auch die verfehlten 30 Prozent, Maos Kommunismus-Experimente Großer Sprung und Große proletarische Kulturrevolution, dem Großen Steuermann persönlich an. Im nächsten Heft
In der Dritten Welt dient der Sozialismus als Mittel zum Sprung in das Industriezeitalter -- dabei ist eher Peking als Moskau das Modell
die viererbande", auf dem photo oben noch in reih und glied, ist unten wegretuschiert: maowitwe tschiang tsching und ihre gehilfen tschang und wang (8. bis 10. v. l.) sowie Jao (3. v. r.). Das obere Photo stammt vom September 1976. das untere aus dem offiziellen "china im Bild" vom November 1976.

DER SPIEGEL 28/1977
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