25.07.1977

PRESSEDöntjes mit Störung

Gegendarstellung: Im SPIEGEL vom 11. Juli 1977 Nr. 29 wird auf Seite 158 Rubrik "Presse' unter der Überschrift "Döntjes mit Störung" nachfolgendes in Bezug auf BILD behauptet:
Es wird die Behauptung von Herrn Hans Schulte-Willekes wiedergegeben, letztes Jahr sollte er als Reporter bei BILD eine Geschichte konstruieren, also -- wie im SPIEGEL ausgeführt "türken": "Hamburger Teenager verkaufen Sex, weil sie arbeitslos sind".
Diese Darstellung ist unwahr. Es wurde zwar in diesem Zusammenhang zwei Mädchen ein Informationshonorar in Höhe von je DM 150,- gezahlt. Dies haben die beiden Mädchen bestätigt, nicht aber, daß sie von BILD "gekauft" seien. Die Zahlungsbelege wurden von Hans Schulte-Willekes unter "sachlich richtig" eigenhändig abgezeichnet. Die Redaktion hat aber weder Herrn Hans Schulte-Willekes beauftragt, Informantinnen für eine unwahre Geschichte "zu kaufen", noch wurde sie von Hans Schulte-Willekes darüber informiert, daß die Mädchen bewußt Unwahres erzählt haben sollen.
Weiterhin wird die von Hans Schulte-Willekes gemachte Äußerung im Regional-Fernsehen des Norddeutschen Rundfunks wörtlich zitiert: "Ich lehnte es ab, diese Geschichte so zu schreiben. Trotzdem erschien sie -- noch dazu unter meinem Namen".
Auch diese Darstellung ist unwahr. Herr Hans Schulte-Willekes hat nicht nur die Recherchen zu diesem Thema als Reporter angestellt, sondern darüber auch ein 81-Zeilen langes Manuskript verfaßt. Dieses Manuskript wurde nach Kürzung auf 60 Zeilen ohne sachliche Änderungen in BILD vom 21. Februar 1976 veröffentlicht.
Auch die Darstellung im SPIEGEL über die von mir beantragte einstweilige Verfügung gegen Hans Schulte-Willekes und deren Antragsrücknahme bei dem Landgericht Hamburg entspricht nicht den Tatsachen.
Es trifft nicht zu, daß ich im Hinblick darauf, daß meine Zeugen, nämlich Frau Gerda Donath, die zunächst erklärt hatte, "sie habe Schulte-Willekes mit seiner Lügengeschichte in der "Drehscheibe' des ZDF erblickt" und des Honorarabteilungschefs Joachim Krause, der erklärt hatte, "die Story sei seinerzeit völlig honorarfrei veröffentlicht worden", nun vor der Wahrheit kapituliert habe.
Tatsächlich wurde der Antrag gegen Hans Schulte-Willekes zurückgenommen, um den Irrtum von Frau Donath, der unmittelbar nach Antragstellung dem Gericht bereits mündlich mitgeteilt worden war, zu berichtigen. Darüber hinaus hatte Herr Schulte-Willekes in dem von ihm verfaßten Manuskript die Namen der beiden Mädchen geändert. Die richtigen Namen wurden erst durch die Vorlage der eidesstattlichen Versicherung durch Herrn Schulte-Willekes bekannt. Aus diesem Grunde konnte zunächst der Leiter der Honorarabteilung bei der Axel Springer Verlag AG, Joachim Krause, die Zahlungsbelege für diese beiden Mädchen nicht finden. Er mußte jetzt anhand der von Herrn Schulte-Willekes mitgeteilten Namen neue Feststellungen treffen. Diese waren bis zum Zeitpunkt der bereits anberaumten mündlichen Verhandlung nicht mehr möglich.
Zwischenzeitlich habe ich einen neuen Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung wegen Verbot der Behauptungen von Herrn Schulte-Willekes bei dem Landgericht gestellt. Die erlassene einstweilige Verfügung wurde auch nach mündlicher Verhandlung in vollem Umfang bestätigt. Hamburg, den 20. Juli 1977 Günter Prinz
BILD-Chefredakteur
Das Hamburgische Pressegesetz verpflichtet zum Abdruck einer Gegendarstellung ohne Rücksicht auf deren Wahrheitsgehalt, sofern nur bestimmte form eile Voraussetzungen erfüllt sind.
Die Gegendarstellung von BILD-Prinz überdeckt die Wahrheit:
In der BILD-Hamburg-Ausgabe erschien am 21. Februar 1976 unter der Überschrift "Arbeitslos: Hamburger Teenager verkaufen Sex" eine Geschichte, in der eine 15jährige Birgit und eine 14jährige Elsa zum besten gaben, wie sie sich, da arbeitslos, prostituierten.
Die Mädchen hießen aber weder Birgit noch Elsa, sondern Margrit und Cornelia; sie waren auch nicht 14 und 15, sondern 19 und 22 Jahre alt; und ihre Geschichten schließlich waren von A bis Z erfunden, was sie am Ende des "Interviews" mit dem BILD-Reporter Schulte-Willekes offenbarten und später auch eidesstattlich versicherten. -- Red.

DER SPIEGEL 31/1977
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PRESSE:
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