25.07.1977

PERSONALIENJean-Paul Sartre, Willy Brandt, Margaux Hemingway, Billy Carter, Günter Wallraff, Peter Krohn, Rosalynn Carter

Jean-Paul Sartre, 72, französischer Philosoph, brachte Italiens Kommunisten gegen sich auf -- zusammen mit einer Gruppe Linksintellektueller (darunter Guattari und Foucault) verfaßte er ein Manifest "gegen die politische Repression in Italien", das an die Beigrader KSZE-Konferenz geschickt wurde. Kernthese der Franzosen: Militante Proletarier und Dissidenten in Italien, die den Regierungskompromiß zwischen Christdemokraten und KPI ablehnen, würden unterdrückt; im KP-regierten Bologna herrsche fast schon Diktatur. Die KPI wies die Vorwürfe als "Erfindung" zurück. Vorstandsmitglied Giorgio Amendola stichelte, die Chancen "politischer Teilnahme" auch für Ultralinke seien in Rom und Bologna weit größer als in Paris. "Wer über Italien urteilt, sollte sich vorher wenigstens Grundkenntnisse aneignen." Das will Sartres Gruppe nun nachholen: Sie plant eine Tagung im roten Bologna.
Willy Brandt, 63, SPD-Vorsitzender, ist den Genossen als versonnen lächelnder Mandolinenspieler lieb. Ein Porträt des klimpernden Parteichefs' seit einem knappen Vierteljahr als Plakat zu haben, gilt zur Zeit als der Renner auf parteiinternen Veranstaltungen: Rund 10 000 Exemplare des Mandolinen-Willy (Herstellungspreis 1,35 Mark, Verkaufspreis drei bis fünf Mark) wurden bereits abgesetzt. Die Photo-Vorlage für das Poster entstand im Juli vergangenen Jahres, als Öffentlichkeitsreferent Henning von Borstell aus der Bonner SPD-Baracke seinen Chef bei einer Rast während einer Wanderung durch den Teutoburger Wald ablichtete. Von Borstell: "Wir waren alle von den Socken. daß er auch Mandoline spielen kann." Margaux Hemingway, 22, Enkelin des US-Schriftstellers Ernest Hemingway und Werbe-Millionärin, fuhr nach Plains (Georgia), um in Präsident Jimmy Carters Heimatort für Modeaufnahmen den richtigen Partner zu haben: Jimmys Bruder Billy Carter, 39 (Photo), der sich ebenfalls als Werbeträger vermarkten läßt -- so für Erdnußbutter aus Plains, auf deren Verpackung er mit Konterfei und Signum Käufer locken soll. Arrangiert wurde das Stelldichein der beiden vom Lande (die Hemingway kommt aus dem Idaho-Nest Ketchum) von der Starphotographin Annie Leibovitz. Billy mault, außer Honorar nicht viel vom Treff gehabt zu haben: "Ich weiß nicht mal, was für Beine Margaux hat -- meine Frau war ja die ganze Zeit dabei."
Günter Wallraff, 34, linker Schriftsteller und Journalist, der sich getarnt von Firmen einstellen läßt, um über sie zu berichten (Gerling), hat eine "Hauptbastion der internationalen Reaktion" von innen erkundet: Axel Springers "Bild"-Zeitung. Eingeführt von einem ehemaligen "Bild"-Redakteur, ausgestattet mit echten Papieren (Hans Esser) und verändertem Äußeren (ohne Brille, mit Krawatte, Jacketkronen und neuem Haarschnitt), ließ sich Wallraff im März bei "Bild" Hannover anheuern. In der Juli-Ausgabe von "Konkret" hatte der Einschleicher bereits angedeutet, er werde über ein "System im System" berichten, in dem es zahlreiche "Querverbindungen zur bundesdeutschen Reaktion" gebe. Auch ein TV-Team soll Wallraffs Erfahrungen bei "Bild" dokumentiert haben. Peter Krohn, 43, Generalmanager heim Europapokalsieger HSV, läßt seine Kicker englisch einkleiden. Neu-Star Kevin Keegan aus Liverpool überzeugte den Chef, daß britisches Tuch und Londoner Zuschnitt den hanseatischen Balltretern auf Reisen und Empfängen das seriöse Etwas geben würden. Krohn, der unter vielem anderen auch schon für das Mode-Magazin "Der Herr" als Dressman Modell stand, holt einen Nobelsehneider von der Themse an die Alster -- im Gegengeschäft: Der Tailor soll ein Photo vom Hamburger Team und seinem General ins Schaufenster hängen.
Rosalynn Carter, 50, Frau des US-Präsidenten (Photo r.), hat während des Präsidentschaftswahlkampfes nicht nur mit Reden und öffentlichen Auftritten für ihren Mann geworben, die "stählerne Magnolienblüte" ("The New York Times") kämpfte auch mit äußeren Mitteln: Sie ließ sieh liften (Photo l.). Das US-Klatsch-Magazin "Parade" enthüllte jetzt auf eine Leserfrage hin. daß sich die ehrgeizige Südstaatlerin vor dein Wahlkampf von einem (Gesichtschirurgen behandeln ließ. Offiziell, so "Parade". wegen "angeborener Lidkrämpfe"' die zu häufigem Blinzeln gezwungen hätten. Bei der Prozedur seien auch Krähenfüße und Tränensäcke gestrafft worden.

DER SPIEGEL 31/1977
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