25.07.1977

DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

Montag, 25.7.
19.30 Uhr. ZDF. betrifft: Fernsehen Die ZDF-Mitarbeiter Peter Berg und Helmut Greulich, auf Medienkritik spezialisiert ("Was heißt hier dokumentarisch?"), haben die Arbeit ihrer TV-Kollegen bei dem letzten EG-Gipfel in London mit der Kamera beobachtet.
20.15 Uhr. ARD. Panorama
Zum Streit um die Neutronenbombe Statements von deren Erfinder, Sam Cohen, und dem Nato-Oberbefehlshaber in Europa, US-General Haig. Außerdem eine Untersuchung über den Sinn von Zivilschutz, über Jugendpolitik in Hessen seit dem CDU-Sieg bei den Kommunalwahlen sowie Bemerkungen von Horst Stern: "Wem gehört das Bodenseeufer?"
20.15 Uhr. ZDF. Gesundheitsmagazin "Praxis"
24 Kandidaten berichten über eine erfolgreiche Magerkur mit einem "Computer-Eß-Test". Außerdem wird eine Reihe über "Kranken- und Patienten-Organisationen" gestartet.
21.15 Uhr. ZDF. Angst essen Seele auf
Fassbinders international gefeierter 18. Spielfilm (1974). Fazit der anrührenden Love-Story zwischen einer alten Putzfrau und einem jungen marokkanischen Gastarbeiter, die erst schwierig wird, als der Druck der bigotten Umwelt nachläßt und die "Mesalliance" akzeptiert wird: "Glück ist nicht immer lustig." Für Hauptdarstellerin Brigitte Mira (Photo, mit El Hedi Ben Salem), die dafür den Bundesfilmpreis bekam, ist die Geschichte "zum Teil auch mein eigenes Problem; mein Mann ist 16 Jahre jünger und auch Ausländer". 21.15 Uhr. ARD. Magische Namen: Benito Mussolini
"Zum Teil hanebüchene Falschdarstellungen der Historiker" will Roman Brodmann mit seinem Duce-Film revidieren, der unveröffentlichte Photos ("Gefilmt wurde ja erst seit dem Marsch auf Rom"), Jugend-Aufzeichnungen und Augenzeugenberichte enthält. Brodmann versucht zu belegen, daß der Diktator ursprünglich einen Mehrparteienstaat wollte, "nur vordergründig ein Mann der Tat war", und analysiert "die Schlüsselerlebnisse' Mussolinis, der "in der deutschen Vorstellungswelt meist als die lächerliche Nummer Zwei des Zweiten Weltkriegs, als Hanswurst und Großsprecher" rangiert.
Dienstag, 26.7.
19.30 Uhr. ZDF. Fantomas bedroht die Welt
Schluß der dreiteiligen Krimi-Klamotte (1966) mit Jean Marais und Louis de Funès. Regie: André Hunebelle.
21.00 Uhr. ARD. Die Leiden des jungen Werther
Egon Günthers Defa-Verfilmung von Goethes Jugendwerk wurde von DDR-Zeitungen begeistert begrüßt. Anders als Plenzdorf mit seinem Jeans-Werther Edgar Wibeau ("Die neuen Leiden des jungen W.") hat der Star-Regisseur ("Erziehung vor Verdun", "Lotte von Weimar") vermieden, das Thema "durch oberflächliche Eingriffe in die Gegenwart zu heben". Das "Neue Deutschland" weiter: "Werther bleibt, was er ist -- ein junger bürgerlicher Intellektueller, der ... wichtige Hoffnungen und Bestrebungen sinnfällig macht, die das noch junge Bürgertum im Ringen um die eigene Emanzipation in den Geschichtsfortschritt eingebracht hat." Eine für Weihnachten 1976 geplante Ausstrahlung im DDR-Fernsehen wurde kurzfristig abgesetzt: "Lotte"-Darstellerin Katharina Thalbach war kurz zuvor mit ihrem Freund' dem Schriftsteller Thomas Brasch, in die Bundesrepublik ausgereist.
21.15 Uhr. ZDF. Kennzeichen D Dirk Sager, ZDF-Korrespondent in der DDR, sprach bei einem Prediger-Seminar in Wittenberg mit jungen Theologen über Christentum im Sozialismus.
22.00 Uhr. ZDF. Aspekte
Schwerpunkt des Kulturmagazins: Joachim Fests Hitler-Film. Dazu unter anderem eine Studio-Diskussion zwischen dem Autor (Photo) sowie "Zeit"-Kritiker Karl-Heinz Janßen. Politologe Iring Fetscher und "Aspekte"-Chef Dieter Schwarzenau, ein Gespräch mit einer Wiesbadener Gymnasialklasse und
ein Bericht über einen Flensburger Lehrer, der 3000 Schulaufsätze über Hitler ausgewertet hat.
Mittwoch, 27. 7.
20.15 Uhr. ARD. Leeds United Edmund Wolf über den zehn Jahre lang erfolgreichsten englischen Fußball-Club, der "als Mikrokosmos das heutige industrielle England vertritt": Die Spieler sind großenteils Arbeitersöhne, seine Direktoren entstammen "einer verarmenden Mittelklasse", sein Präsident jedoch, Queen-Vetter Lord Harewood, "kann sich durch den gelegentlichen Verkauf eines Rembrandts bequem über Wasser halten". 20.15 Uhr. ZDF. Bilanz
Geplante Themen: Das deutsch-australische Handelsabkommen und die Gespräche über eine Kooperation bei Uran- und Kohle-Gewinnung. Außerdem ein Bericht über das Energieabkommen mit Brasilien. Moderator: Wolfgang Schröder.
20.15 Uhr. Bayern III. Die Lady von Shanghai (SW)
Orson Welles attackiert in seinem Krimi (1948, mit Rita Hayworth) "Mythen und Fetische der US-Gesellschaft".
21.15 Uhr. ZDF. Hamlet
Helmut Lohner in der Titelrolle dieser konventionellen Shakespeare-Inszenierung, die Karlheinz Stroux vor vier Wochen zur 500-Jahr-Feier der Gutenberg-Universität im Mainzer Stadttheater vorstellte.
Donnerstag, 28.7.
20.15 Uhr. ARD. Bilder aus der Wissenschaft
Neue Ergebnisse der VW-Forschung über Reaktionen im Straßenverkehr, vorgeführt an einem Fahr-Simulator" erste Aufnahmen aus dem Unterwasserlabor Helgoland und ein Kommentar zu dem Sachbuch-Bestseller über das Bermuda-Dreieck.
20.25 Uhr. ZDF. Notizen aus der Provinz
Dieter Hildebrandts satirisches Magazin.
21.05 Uhr. Nord III, West III, und Hessen III. Lumière d'eté (SW)
Der Franzose Jean Grémillon beschreibt in seinem Spielfilm (1943) ein makabres Kostümfest auf einem Adelssitz, das "zum Fanal für eine untergehende Klasse" wird.
21.15 Uhr. ZDF. Die Bonner Runde
Mit Hans Matthöfer (SPD), Josef Ertl (FDP). Kurt Biedenkopf (CDU), Friedrich Zimmermann (CSU) und den Journalisten Claus Heinrich Meyer ("SZ") und Wolfgang Wagner ("Hannoversche Allgemeine Zeitung"). Leitung: Johannes Gross.
21.45 Uhr. ARD. Peter Paul Rubens Zum 400. Geburtstag des Flamen würdigt ihn "Time"-Kunstkritiker Robert Hughes als "Maler und Weltmann".
22.15 Uhr. ZDF. Mondgesicht
Der Schriftsteller Werner Koch ("See-Leben") seziert in seinem Kriminalstück die Psyche eines kleinen Angestellten, der seiner Durchschnittlichkeit mit einem Coup entfliehen will: Er erbeutet in einem Kaufhaus eine Million. rührt keinen Pfennig davon an, "ist aber wer" --
Freitag, 29.7.
15.55 Uhr. ARD. Ohne Partner Alleinstehende Frauen leben -- so das Ergebnis einer Allensbach-Umfrage -- "in einem psychologischen Klima, das zu ertragen schon einige Robustheit oder ein sehr glückliches Temperament erfordert". Der Film von Cissy Preuss und William Janovsky porträtiert vier Frauen, die sich nicht "durch spezielle Normen und Rollenvorschriften in die Isolation treiben ließen".
20.15 Uhr. ARD. Der Sohn eines Landarbeiters wird Bauarbeiter und baut sich ein Haus (Wh.)
Das Schicksal des Bauernsohnes Franz, der die dumpfe Stille seines burgenländischen Gehöfts verläßt, in der Stadt auf Arbeit geht, straffällig wird und sich schließlich in einer Gefängniszelle erhängt, wollte der steiermärkische Schriftsteller Michael Scharang in seinem ersten TV-Spiel "sowohl als Lehrstück wie auch als eine Art sozialer Abenteuergeschichte" nacherzählen. Axel Corti hat das Bauerndrama mit viel Mundart-Gemuschel und Krimi-Effekten verfilmt.
22.40 Uhr. ARD. Männer ohne Sonntag
Den monotonen Alltag einer von Hitze, Schnaps und Streit zermürbten Schafsscherer-Truppe schildert dieser "Western ohne Pferde" (1974), ein weiterer Beitrag aus der australischen Film-Reihe der ARD. Regie: Ken Hannam. Deutsche Erstaufführung.
Samstag, 30.7.
20.15 Uhr. ARD. Eine Frau geht ihren Weg
Diesen Erstlingsfilm drehte der australische Regisseur Donald Crombie 1975 zum "Internationalen Jahr der Frau". Thema: Eine betrogene junge Frau flieht 1925 in der Depressionszeit aus ihrer gutbürgerlichen Ehe und schlägt sich in Sydney als Kneipenkellnerin durch. Deutsche Erstaufführung.
22.20 Uhr. ARD. Je später der Abend Münchenhagen-Talkshow mit Reinhard Mey und dem Schlagerkomponisten Peter Kreuder ("Ich wollt' ich wär' ein Huhn").
23.05 Uhr. ZDF. Der Tag der Eule (Wh.)
Mafia-Film (1967) des italienischen Polit-Reißer-Regisseurs Damiano Damiani ("Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert"). Mit Lee J. Cobb als Paten, Franco Nero als Polizeihauptmann.
23.20 Uh,. ARD. Musical West Star-Gast dieser amerikanischen Wild-West-Show mit dem Folk-Sänger Glen Campbell ist John Wayne.
Sonntag, 31.7.
15.45 Uhr. ZDF. Der große Liebhaber (sw)
Deutsche Erstaufführung des Bob-Hope-Films (1949) von Alexander Hall.
20.15 Uhr. ZDF. Bolwieser
"Beschaffenheit des Menschen: Haltlosigkeit' Langeweile, Angst" schrieb Oskar Maria Graf 1931 als Motto über seinen "Roman eines Ehemannes", eines kleinstädtischen Pantoffelhelden. der ohne die Illusion seiner Ehe-Idylle kaputt geht. Fassbinder hat das Stück des "proletarischen Golem" (Thomas Mann), des "letzten Ludwig Thoma" (Ludwig Marcuse) zum Auftakt des derzeitigen Graf-Revivals (SPIEGEL 27/1977) wiederentdeckt und expressionistisch, an Stummfilme erinnernd, als Zweiteiler fürs ZDF verfilmt. Eine Kinofassung ist geplant.
22.15 Uh,. ARD. New York, New York Werner Baecker porträtiert "Beckenbauer in Amerika" und interviewt andere prominente "Cosmos"-Spieler.

DER SPIEGEL 31/1977
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