21.02.1977

BERUFLICHESCaroline Kennedy, Sandschaj Gandhi, Raymond Barre, Cristiana Mancinelli

Caroline Kennedy, 19, Tochter des 1963 nach einem Attentat verstorbenen US-Präsidenten, wird mit ihrem Hobby Photographie Geld verdienen. Die ehemalige Kunststudentin unterzeichnete einen Vertrag mit dem Modemagazin "Mode International", das seit Oktober vergangenen Jahres auch in deutscher Ausgabe erscheint. Die Kennedy-Tochter, die in London lebt, soll für das Magazin auch schreiben -- "Berichte über die Jugend Europas".
Sandschaj Gandhi, 30, Sohn der indischen Ministerpräsidentin Indira Gandhi. wurde von der regierenden Kongreßpartei als Kandidat für die Parlamentswahlen im März nominiert. Im Falle seiner Wahl wäre der politische Einfluß des bisher amtslosen Lieblingssohnes der Ministerpräsidentin, der seit Verkünden des Ausnahmezustandes im Juni vorletzten Jahres zugleich als ihr engster Berater gilt, legalisiert. Sandschaj Gandhi, der fünfzehn Monate lang einen Kraftfahrzeugmechaniker-Lehrgang bei Rolls-Royce besuchte und kurz darauf zum -- wenig erfolgreichen -- Chef eines auch mit staatlichen Mitteln finanzierten Automobilwerkes bei Neu-Delhi avancierte, wählte die Jugendorganisation der Kongreßpartei zu seiner Hausmacht. Seine populären Forderungen -- unter anderem Abschaffung des Kastensystems und des Mitgiftbrauchtums -- brachten ihm starken Zulauf. um den "Kronprinzen" entwickelte sich ein Personenkult. Feinde schaffte sich der einflußreiche Gandhi-Sohn nicht nur in der Kommunistischen Partei Indiens, die ihn als "außerverfassungsmäßige Instanz" und Haupt einer "reaktionären Clique" bezeichnete, sondern auch innerhalb der Regierungspartei, deren ältere Mitglieder er nun aus der Verantwortung drängen will.
Raymond Barre, 52, parteiloser französischer Regierungschef und Professor für Volkswirtschaft, der bislang nicht ausschloß, im Falle eines Mißerfolges seiner Politik an die Universität zurückzukehren stellt sich nun doch wohl mehr auf eine politische Karriere ein. Bei den Parlamentswahlen 1978 will sich der Premier, dessen Popularitätskurve von 18 Prozent im September letzten Jahres auf 42 Prozent im Februar 1977 anstieg, als Bewerber der Regierungsmehrheit in Versailles um einen Abgeordnetensitz bemühen. Für welche Partei Barre sich aufstellen läßt. ist noch ungewiß. Der derzeitige Abgeordnete soll seinen Sitz möglicherweise für einen Botschafterposten opfern.
Cristiana Mancinelli, 18, Tochter der italienischen Schauspielerin Elsa Martinelli und des Grafen Franco Mancinelli-Scotti, wurde unter 100 Bewerberinnen für die weibliche Hauptrolle bei der Verfilmung des Bestsellers "Porci con le ali" (Geflügelte Schweine) ausgewählt. Das "sexo-politische Tagebuch zweier Heranwachsender" (Untertitel) schildert in Vulgär-Sprache die Erlebnisse der linken Schüler Rocco und Antonia. Als Film-Rocco stand schon bald der Römer Franco Bianchi, 18, fest, eine geeignete Antonia dagegen fand sich lange nicht. Die Martinelli-Tochter mußte bei den Probeaufnahmen nicht nur ihre Porno-Scheu überwinden, sondern auch Stilproben ihrer Vulgär-Sprache bringen -- Regisseur Paolo Pietrangeli zeigte sich befriedigt. Analog dem Buch, das demnächst bei Rowohlt auf deutsch erscheint, soll auch der Film "die Zuschauer provozieren und ihnen die große innere Spannung der ganz jungen Generation verdeutlichen".

DER SPIEGEL 9/1977
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DER SPIEGEL 9/1977
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