02.01.1957

HOHLSPIEGEL

In der letzten Stadtratssitzung des alten Jahres zu Rothenburg ob der Tauber gerieten die Fraktionen über die großen Festessen der Stadt zu Ehren der (sozialdemokratisch geführten) bayrischen Landesregierung in Streit. Als die Fraktion der "Freien Wählervereinigung" (CSU und Bürgergruppen), die den städtischen Tafeln angeblich mit Rücksicht auf die Stadtfinanzen ferngeblieben war, der SPD -Fraktion entsprechende Vorwürfe machte, konterten die Sozialdemokraten: Bei früheren Rothenburger Empfängen zu Ehren der damaligen bayrischen CSU -Regierung habe die Gegenseite nicht für Sparsamkeit plädiert.
Während der Obertragung des Fußball -Länderspiels Deutschland-Belgien am 23. Dezember füllte Radio Brüssel die Halbzeit mit einem Marschpotpourri aus, dessen erste Takte dem "Badenweiler Marsch" entstammten.
Nachdem die Schülerinnen einer katholischen Bekenntnisschule für Mädchen zu Freising (Oberbayern) sechs Wochen lang ein Drittel aller Unterrichtsstunden damit verbracht hatten, Weihnachtslieder und Krippenspiele für die traditionelle Schulweihnachtsfeier zu üben, sagte die katholische Schulschwester Alwisa die unter ihrer Leitung vorbereitete Schulfeier ab. Von hoher kirchlicher Stelle hatte man sich dagegen ausgesprochen, solche Weihnachtsfeiern abzuhalten.
Biete Frau (Rentnerin) oder Mädchen, etwas beschränkt, liebevolle Aufnahme auf dem Lande gegen Mithilfe im Haushalt, Ang. unter 74286 MZ, Münster. Drubbel 20
Anzeige aus der "Münsterschen Zeitung", Münster in Westfalen.
Der Landwirt Jann Blankemeyer in Farmsen bei Hildesheim zeigte Freunden den Tod seiner Gattin durch Karten an, denen zu entnehmen ist, daß die Verstorbene "BdM-Führerin und Frauenschaftsleiterin der Kampfzeit" gewesen war. Der Gram über den Zusammenbruch des Reiches durch Verrat und Verräter im eigenen Lande habe ihr Leben verkürzt. Es habe seine Frau geströstet, nicht gewissenlos abseits gestanden zu haben in der Zeit, "wo es noch möglich war, die Weltherrschaft des Untermenschentums zu verhindern".
Das Jugendgericht in Göppingen (Baden -Württemberg) zog die Mopeds von vier Angeklagten, die sich wegen Verkehrsvergehens und groben Unfugs am Steuer zu verantworten hatten, bis zum 1. Juli 1957 ein.
Zur Eröffnung des neuen Erlanger Lichtspieltheaters "Atrium" verkündete "Atrium"-Besitzer Michael Küchenreuther im Anzeigenteil der Ortspresse: "Gott hat mir die Kraft und Stärke gegeben, Euch, meinen lieben Erlangern, ein Filmtheater zu erstellen, auf das wir stolz sein können."

DER SPIEGEL 1/1957
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