22.02.1947

Deutsche Kinder malen bunter

Eine Ausstellung kindlicher Kunst ist jetzt auf dem Wege durch einige Städte Deutschlands. Mr. George Wright-Hall, der Direktor für Kunst im Erziehungsausschuß von Edinburgh (Schottland), brachte sie nach Deutschland.
Seine beiden Assistentinnen Branda Mark und Nora O'Brien, die ihn begleiten, haben in verschiedenen schottischen Schulen Zeichenstunden durchgeführt. Unbedingte Freiheit der kindlichen Phantasie war das Motto. Kinder von 5 bis 14 Jahren durften in den buntesten Farben ihre Einfälle aufs Papier bringen: tanzende Kinder in bunten Kleidern. Vögel mit märchenhaftem Gefieder, phantastische Meeresgestalten, die nur in einem kindlichen Gehirn existieren.
Die Ergebnisse dieser schottischen Zeichenstunden wanderten über den Kanal In Deutschland stehen jetzt nicht nur die Pädagogen davor, sondern auch Schulkinder.
Was die Kinder angeht, so sind sie in der fremden Umgebung und infolge der sprachlichen Schwierigkeiten in der Unterhaltung mit den schottischen Damen und Herren zunächst schüchtern. Nach längerem Zuschauen fühlen sie sich, heimisch in diesem Kinderparadies voller bunter Gestalten und Farben.
Wenn sie dann aufgefordert werden, auch zu malen, ist die Freude groß. Den kleinsten Besuchern werden die Umrisse der gewünschten Figuren dünn vorgezeichnet, und dann beginnt das Malen mit den vielen zur Verfügung stehenden Farben.
Die beliebtesten Motive sind auch hier Gestalten in bunten, fröhlichen Kleidern, Männer, Frauen, Kinder, Tiere - weniger Blumen. Ueberdimensionale Vögel schaukeln auf winzigen Bäumen und Zweigen. Buntschuppige Fische schwimmen in Gläsern. Wunderliche Tiere, wie sie nur die kindliche Phantasie kennt, gibt es zu sehen, und Gestalten aus Märchen, die die Kinder stolz erläutern.
Es fällt auf, daß die Zeichnungen der deutschen Kinder viel farbenfreudiger sind als die der kleinen Schotten. Vielleicht, so meint einer der deutschen Pädagogen, spielt dabei der Mangel eine Rolle, der bis jetzt über ihrem Leben stand, der Mangel an allen notwendigen Lehrmitteln in den deutschen Schulen. Nun, wo sie plötzlich ins Volle greifen können, schwelgen sie in Farben.
Nach der Reise durch Deutschland soll die nun gemeinsame Ausstellung schottischer und deutscher Kinderkunst in Schottland gezeigt werden. Die schottischen Kinder werden die Kunstprodukte der deutschen Kinder sehen können.
Die Ausstellung soll ein Band der Freundschaft weben, sagt Mr. Wright-Hall. Nicht nur unter den Kindern, sondern auch unter den Erwachsenen
Das Bild rechts schickten schottische Kinder das linke malten deutsche dazu

DER SPIEGEL 8/1947
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