08.03.1947

Eisgekrönte Ingemaus

Deutsche Eiskunstlauf-Meisterschaften 1947 in Garmisch - man fühlt sich an die Zeit der Olympischen Winterspiele 1936 erinnert. Amerikaner (in der Ueberzahl) mit großartigen Limousinen, Engländer, Oesterreicher in eleganter Garderobe, und in den Tanzbars Liköre und ausländische Zigaretten.
Die Damen hatten den Vortritt. Beim Pflichtlauf waren zwölf Figuren "zu zeichnen". Es gab zwei Ueberraschungen. Erstens: Inge Jell vom SC Riessersee erlief sich die Spitze vor der bayrischen Meisterin Irene Braun vom Münchner EV und der Berlinerin Gudrun Olbricht. Die zweite Ueberraschung: ein Kampfgericht, das in der Placierung der Teilnehmerinnen ein und derselben Meinung war.
Bei den Meisterschaftskämpfen der Männer gab es begeisterten Jubel, als Horst Faber sich mit einer hervorragenden Kür den Titel "Deutscher Meister" verdiente. Sein großer Rivale, der frühere Berliner Gustav Kuhn (aus Krefeld), Westdeutscher Meister 1947, war aus unbekannten Gründen nicht angetreten. Auch Josef Pürschl nicht, der Bayernmeister.
Bei der Kür der Frauen wurde allgemein bedauert, daß "Martchen" Musilek fehlte. Sie konnte aus leicht begreiflichen Gründen nicht erscheinen - sie hat gerade ihr zweites Kind bekommen. Auch die Titelverteidigerin aus dem Rheinland, Marlies Schroer, und die Berliner Meisterin Margit Roß wurden vermißt. So kam Inge Jell nach den Klängen der "Schönen Galathee" mit ihren schönen Pirouetten und brillanten Sprüngen sehr sicher auf den ersten Platz. Bei den stürmischen Glückwünschen zeigte sich "Ingemaus" reizend verlegen.
Martha Musilek als sie noch keine Mama war

DER SPIEGEL 10/1947
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