27.09.1947

Gemütliches Wien

Wien ist ein unruhiges Pflaster geworden. Am hellichten Tag werden in der schönen, Donaustadt Menschen entführt. Verbrechen aller Art sind an der Tagesordnung.
Ein höherer Polizeibeamter wurde kürzlich an die vielen Meldungen von Ueberfällen auf harmlose Passanten erinnert, als ihm auf dem nächtlichen Nachhauseweg ein riesiger Mann begegnete, der mit einem großen Schlächter-Hackmesser in der Luft herumfuchtelte.
Der Polizeioffizier widerstand widerstrebend der Versuchung, Reißaus zu nehmen. Mit einem Stoßgebet auf den Lippen setzte er seinen Weg fort, jeden Augenblick darauf gefaßt, angefallen zu werden. Der Messerschwinger erreichte ihn - und ging vorüber. Es geschah nichts.
Das schien dem Mann der Ordnung nicht ganz in Ordnung zu sein. Er drehte sich, andere blieben stehen: "Ich bin Gastwirt und gehe stets spät in der Nacht nach Hause. Mit dem Hackmesser schütze ich mich gegen etwaige Räuber."
Hatten Sie denn niemals Schwierigkeiten mit der Polizei?" wollte der Beamte wissen. "Nicht im geringsten", war die Antwort. "Die laufen davon, wenn sie mich nur kommen sehen."

DER SPIEGEL 39/1947
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