27.09.1947

Ruck-zuck die Preise

Der Wunsch war der Vater des Gedankens. Japans Lebensmitteleinfuhr mit einem Wert von jährlich 250 Millionen Dollar sollte so schnell und vollständig wie möglich durch seine eignen Ausfuhren gedeckt werden.
Die Verwaltungsleute MacArthurs kündigten die Wiederaufnahme des freien Handels an. Sie erteilten einer ganzen Reihe von amerikanischen Importeuren Einreisevisa für 21 Tage. Sie setzten schnell noch die Ausfuhrpreise fest, und brachten dann Käufer und Verkäufer in zwei Tokioter Hotels zusammen.
Das Ergebnis dieser japanischen Spielart des hannoverschen Experiments war nicht ermutigend. In der ersten Woche wurden nur Geschäfte im Wert von 350 000 Dollar statt der erwarteten Millionen abgeschlossen. Die amerikanischen Einkäufer beklagten sich bitter über Preise, Qualitäten und bürokratische Zwangsjacken. Viele reisten nach Ablauf der drei Wochen ohne irgendeinen Einkauf getätigt zu haben, wieder ab. Andere beantragten die Verlängerung des Visums. Das waren die Optimisten, die darauf hofften, daß ihre Landsleute in der Exportbehörde zu den Realitäten zurückfinden würden.
Amerikanische Journalisten berichten, daß die zu hohen Preise vielfach derart von den "Fachleuten" festgesetzt wurden, daß sie von den Katalogpreisen eines US-Versandhauses der Einfachheit halber 10 Prozent für einen beliebigen Artikel abstrichen und den gefundenen Wert dann als Weltmarktpreis proklamierten. Der internationale Wert von Damenhandschuhen wurde gefunden, indem der zuständige Amerikaner seine Sekretärin fragte, was ihre Handschuhe in New York gekostet hatten.
Die Besucher aus den USA stellten schließlich fest, daß Japan erheblicher Rohstoffzufuhren bedarf, ehe sein Export richtig anlaufen kann. Ein eifriger Auftraggeber wollte seinem notleidenden Fabrikanten die dringend benötigte amerikanische Kohle liefern. Der Antrag wurde abgelehnt, und das Geschäft kam nicht zustande.

DER SPIEGEL 39/1947
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