27.09.1947

Der Film illustriert Gorki

Nach einer Reihe unbedeutender Gegenwartsfilme zeigen die Russen in Berlin jetzt wieder ein großes Fresko aus ihrer jüngsten Vergangenheit. Es ist der Film, der nach Gorkis Roman "Das Werk der Artamonows" gedreht wurde. Gorki hat darin Aufstieg und Fall eines typischen Unternehmens der bürgerlich-kapitalistischen Zeit Rußlands geschildert.
Mit einem Mord (inmitten einer großartig fotografierten Abendlandschaft) fängt der Film an. Ein befreiter Leibeigener, früher Aufseher und Zutreiber
seines Fürsten, träumt davon, eine Leinenweberei zu erbauen. Eins seiner früheren Opfer will ihn zur Rechenschaft ziehen und wird von ihm erwürgt.
Folgt die lebendigste Aufnahme eines Bauplatzes, die man je gesehen hat. Das Werk wächst. Ein sterbender Bürgermeister wird überrumpelt, seine Witwe gewonnen, ein Artamonow mit der Tochter verheiratet. Hochzeit mit Tanz, Duell und Gesang.
Viel Familienkummer haben die Artamonows. Ein Sohn versucht, sich zu erhängen, er geht ins Kloster. Der Gewaltmensch Artamonow, der Senior, ist verhaßt. Alle Augenblicke brennt es. Einmal greift er bei einer gefährlichen Arbeit mit ein, übernimmt sich, stirbt.
Die zweite Generation ist bereits reich. Krach mit intellektuellen Söhnen, Jubiläumsfeier mit sozialen Anklagen, Orgien bürgerlicher Großkaufleute (tolle Szenen sind das!), 1917 Zusammenbruch und Revolution, das Firmenschild fällt, das siegreiche Volk marschiert.
Der Film liefert zu Gorkis Roman gleichsam das Illustrationsmaterial. Er schafft nicht den Roman nach, sondern hebt die eindrucksvollsten Szenen heraus, die auf diese Weise ziemlich unvermittelt, durch keinerlei psychologische Entwicklung verbunden, aufeinander folgen. Das Gegenständliche aber ist mit überwältigender Kunst sichtbar gemacht.

DER SPIEGEL 39/1947
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DER SPIEGEL 39/1947
Titelbild
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