26.04.1947

In Campione: „Zutritt verboten“

Campione, eine kleine italienische Enklave am Luganer See, wird von der Schweiz blockiert. Für die Zeit von 19 bis 5 Uhr ist allen Besuchern, außer Hebammen und Aerzten, der Zutritt untersagt. Tagsüber können Schweizer und Ausländer nur mit Pässen und besonderen Visen herein.
Das ist die Selbsthilfe der Schweiz gegen die Spielhölle von Campione, die der Regierung schon manches Kopfzerbrechen bereitet hat.
Das Kasino besteht seit 1933. Es war gesuchter Treffpunkt für passionierte Spieler, aus der Schweiz und Italien. Man spielte um hohe Einsätze.
Seit einiger Zeit berichtet die Schweizer Presse zahlreiche Fälle von Selbstmord, Diebstählen, Familientragödien. Alle gehen zu Lasten des Kasinos.
Schon seit Kriegsende drang die Schweiz auf seine Schließung. Verschiedentliche diplomatische Vorstellungen in Rom blieben ergebnislos. Zur Zeit schweben Verhandlungen. Wenn sie nicht zu einer befriedigenden Lösung führen, will Italien den Streitfall vor den Haager internationalen Gerichtshof bringen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die komplizierte Lage lösen wird, die durch die Hartnäckigkeit der Italiener heraufbeschworen wurde. Die besorgten Schweizer scheuen sich nicht vor schwierigen, völkerrechtlichen Auseinandersetzungen, um die bedrohten Familien allzu leidenschaftlicher Spieler zu retten.

DER SPIEGEL 17/1947
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