26.04.1947

Absender: Bevin

Sin haben viel Staub aufgewirbelt, die Moskauer Diplomatenbriefe mit den Absendern Bevin, Bidault und Marshall. Genau gesagt Kohlenstaub.
Durch das briefliche Uebereinkommen der drei Außenminister werden von dem Zankapfel deutsche Kohle ab 1. Juli 1947 prozentual Genau festgesetzte Bissen an die kohlenhungrigen Länder Europas verteilt.
Die Zahlen der vorgesehenen Exportskala folgen den erhofften Produktionsziffern wie ein Schatten. Die Tabelle setzt mit einer Tagesförderung der drei Westzonen von 280 000 t reiner Steinkohle ein. Bis dahin ist es für den deutschen Bergbau noch ein gutes Stück Weg.
Die Ruhrförderung, die Ende März fast 240 000 t erreicht hatte, war Anfang April auf 205 000 gesunken. Sie lag Mitte dieses Monats bei 220 000. Das Saargebiet fördert rund 30 000 t täglich. 21 Prozent der Anfangsförderung sind für den Export bestimmt. Die Skala gleitet von 280 000 to ab um je 1/2 Prozent für 10- bis 20 000 to Mehrförderkohle bis zu 25 Prozent bei 370 000 to Tagesförderung.
Falls die Sowjetunion dem Anschluß des Saargebietes zustimmt, behält Frankreich die gesamte Kohlenproduktion der Saar die heute noch der europäischen Kohlenorganisation in London zur Verteilung untersteht.
Bisher wurden durchschnittlich 14 Prozent der Kohlenförderung in den Westzonen exportiert. Bei dem heutigen Tagesstand von 270 000 to (einschließlich der Saarförderung) entspricht das einer Menge von etwa 37500 to täglich oder 945 000 to im Monat.
Im Herbst des vergangenen Jahres lag die Ausfuhrquote noch bei 18,5 Prozent der Förderung. Im Interesse der deutschen Wirtschaft wurde sie im Dezember auf 12,5 und im Januar 1947 auf 11,4 gesenkt. Der "Times" zufolge erhielt Frankreich bisher etwa 1/4 der jeweiligen Ausfuhr.
Ueber 250 000 to ist der französische Anteil an den deutschen Kohlenlieferungen nicht gestiegen. 1938 lieferte Deutschland monatlich 551 000 to an Frankreich. Das entsprach etwa einem Drittel der französischen Gesamteinfuhr.
Nach amtlichen Angaben wurden 1946 von der Gesamtförderung Westdeutschlands in Höhe von 54 Millionen t Kohle 10 Millionen t exportiert. Frankreich erhielt davon 1,47 Million t Ruhrkohle und 1,29 Million t Kohle aus dem Saargebiet.
Den zweitgrößten Anteil erhielt Luxemburg mit 1 360 000 t Dann folgte der einstige Achsenpartner Italien mit 600 000 Tonnen. Der Rest ging hauptsächlich nach den Niederlanden und Dänemark.
Bei der Tagesförderung von 280 000 to ergibt der monatliche Satz von 21 Prozent 1 187 000 to für die Ausfuhr. Nach den Angaben des Außenministers Bevin verbleiben 4 456 000 to für den deutschen Bedarf.
Vor dem Kriege lag der deutsche Kohlenexport bei etwa 18 Prozent der Förderung. Das alliierte Abkommen nennt eine Ausfuhrquote von 21-25 Prozent.
Die deutsche Förderung ist heute auf kaum 60 Prozent des Vorkriegsstandes gedrosselt. Im Vergleich zu der für die deutsche Wirtschaft verbleibenden Menge der Friedensjahre wird der deutsche Kohlenexport durch das neue Verteilungssystem auf mehr als das Doppelte gesteigert.
Hervé Alphand, der Direktor der Wirtschaftsabteilung des französischen Außenministeriums, erklärte in Moskau, daß Frankreichs Importanteil an der deutschen Kohle für das Ende 1947 mit etwa 370 000 t monatlich zu veranschlagen sei.
Für 1948 hofft er auf 1 Million to Kohle von Saar und Ruhr. Vorausgesetzt, daß die Förderungsziffern dieser beiden Gebiete sich seinen kühnen Gedankensprüngen anschließen.
Die deutsche Arbeitsgruppe Kohle bezeichnet die Exportauflage als "keine nennenswert zusätzliche Belastung der Kohlenwirtschaft". Im laufenden Vierteljahr und für April, Mai und Juni kommen monatlich rund 1 Million to zur Ausfuhr.
Die Saar meldet der 50köpfigen Verwaltung der europäischen Kohlenorganisation in London monatlich durchschnittlich 200 000 to, so daß der Gesamtexport auf annähernd 1,2 Million to errechnet wird. Gegenüber 1,47 Million to, die sich ab 1. Juli 1947 aus dem neuen alliierten Abkommen ergeben.

DER SPIEGEL 17/1947
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