24.05.1947

Eileen mochte die Deutschen nicht

Sie hatten so viele gemeinsame Interessen, Eileen Button aus London und Egon Behle aus Frankfurt. Die 27jährige ist Zivilangestellte beim Hauptquartier der amerikanischen Militärregierung in Frankfurt und organisiert Sportveranstaltungen und Spiele für junge Deutsche. Er ist Student der Philosophie an der Universität Frankfurt, 26 Jahre alt und der erste Deutsche, der eine Engländerin heiraten wird.
Es fing damit an, daß Egon der blonden Eileen Deutschunterricht erteilte. Dann fand sie, daß er wenig von englischer Geschichte und Literatur wußte, und so kam man sich näher.
Unter dem "Näherkommen" litt dann wohl der Deutschunterricht, denn als er sie eines Abends kurz und bündig auf deutsch fragte: "Wollen wir heiraten?", da verstand sie ihn nicht. Er übersetzte, und sie war sprachlos. Nicht vor Freude, denn sie dachte daran, was ihre Landsleute sagen würden.
Sie dachte auch nicht an den Frauenüberschuß in ihrer englischen Heimat. Sie war so entgeistert, daß sie schnell von etwas anderem sprach und Egon den ganzen Abend nicht mehr zu Wort kommen ließ.
Wahre Liebe kapituliert nicht so schnell. Egon schrieb eindringliche Briefe, und auf einmal wußte Eileen, daß sie ihn liebte. Und damit war alles klar.
Oder doch nicht alles, denn die praktische Durchführung dieses Eheversprechens macht große Schwierigkeiten. Der britische Vizekonsul in Frankfurt, an den Miß Button sich wandte, tat sehr bedenklich und sprach ernste Worte. Ob sie wisse, was dieser Schritt bedeute? Sie werde ihren englischen Paß verlieren. Eileen schlug alle guten Ermahnungen in den Wind.
"Ich habe während der Bombenangriffe in London meine Pflicht getan und im Armee-Helferinnen-Corps gedient", sagte sie. "Damals dachte ich nicht gut von den Deutschen, aber jetzt liebe ich einen und will ihn heiraten." Am 7. Juli ist Hochzeitstag, und Frau Eileen Behle will dann versuchen, Herrn Behle mit nach England zu nehmen.
Der schwarze Mann ist ein Deutscher Miß Eileen gab ihm Lektionen

DER SPIEGEL 21/1947
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