25.10.1947

Hilfe! Einschalten!

Mit einem schnellen Blick streifte Peter Bartsch die Hausnummer, ehe er die Tür zum Juweliergeschäft Goldemann an den Hamburger Colonnaden öffnete. Der große, schlanke Fünfundzwanziger bat selbstsicher, den Smaragd-Schleifenring mit Brillanten in Platin-Weißgoldfassung sehen zu dürfen, der das wertvollste Stück der Export-Messe in Hannover gewesen ist.
"Können sich das denn viele Deutsche leisten?" hatte Lord Pakenham die Goldemannsche Stand-Dame gefragt, als er die Messe besichtigte. "Nur sehr wenige, aber sicher ein Lord Pakenham", hatte sie geantwortet. Der Lord hatte gelächelt und ein Autogramm gegeben. 150 000 Mark ist der Ring wert.
Auch Peter Bartsch hatte das Schmuckstück bewundert. Seit er als "Volksdeutscher" aus Kroatien nach Deutschland gekommen war, schlug er sich mit kleinen Einbrüchen, Diebstählen und Schwarzhandel durchs Leben. Jetzt wollte er seinen großen Coup starten.
Die kleine Verkäuferin, Frau Bormann, im Juwelengeschäft Goldemann war arglos, als er den Ring zu sehen verlangte.
"Der ist unter Verschluß.", bedauerte sie. Aber zwei Brillantbroschen für 100 000 Mark konnte sie Peter Bartsch zeigen. Lässig zog der eine Lupe aus der Tasche. "Ich werde noch einmal mit meiner Braut wiederkommen, damit sie sich selbst entscheiden kann."
Zwei Tage später stand der Schwarze mittags wieder vor der Verkäuferin. "Meine Braut kommt gleich", erklärte er. Wieder hob er die Lupe ans Auge: "Wenn Sie mit dem Preis heruntergehen, nehme ich beide Broschen." Darüber könne man sprechen, meinte Frau Bormann.
Plötzlich hat sie einen Revolver auf der Brust: "Unternehmen Sie nichts. Es hat keinen Zweck mehr!" sagt Peter Bartsch und steckt die Broschen ein. "Hilfe! Einschalten!" schreit Frau Bormann. Ihre Kollegin drückt auf den Alarmknopf. Eine Sirene heult auf. Dreißig Angestellte stürzen aus den Werkstätten. Der Funker eines Polizei-Radio-Streifenwagens fängt den Notruf aus dem Juweliergeschäft auf und rast zu Goldemann.
Wild um sich feuernd versucht Peter Bartsch, auf die Straße zu kommen. Draußen läuft er zwei Polizisten in die Arme. Er knallt eine Passantin nieder. Lebensgefährlicher Lungensteckschuß. Zwei Polizeistöcke sausen auf ihn ein, bis er ächzend zu Boden sinkt. Der 27jährige Polizist Richard Nietz kniet auf ihm nieder und will ihm den Revolver entreißen. Er wird durch einen Bauchschuß getötet, das vierzehnte Todesopfer der Hamburger Polizei seit der Kapitulation*). Sein Kollege erhält einen Streifschuß.
Der Polizei-Radio-Streifenwagen rast heran. Peter Bartsch versucht, ein Reservemagazin in seinen Revolver einzusetzen. Nur mit Mühe können die Beamten den Blutüberströmten aufgebrachten Passanten entreißen und ihm Handschellen umlegen. "Wild-West", sagt ein alter Bettler, schüttelt seinen Kopf und hält den Hut hin.
Das Goldemannsche Juwelengeschäft trägt die Hausnummer 13.
*) "Hätten wir mehr Waffen, würden wir mit dem Gesindel schon aufräumen, seufzte Hamburgs Polizeichef Oberst Georges. Mil.-Gov. ist nicht für mehr Waffen. Die Polizisten sind durchweg sehr jung. "Sie kommen fast alle aus der HJ", meint Intelligence Service.
Der Schreck ist überstanden
Frau Bormann war arglos

DER SPIEGEL 43/1947
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