25.10.1947

Südamerikas Veto

Es ist still geworden in dem großen Haus, das unter hohen Königspalmen am Ende der kleinen Seitenstraße der Praia do Flamengo liegt. Präsident Dutras Gattin ist gestorben. Sie war schon seit längerer Zeit leidend. Nordamerikanische Aerzte hätten vielleicht helfen können. Der Präsident wagte nicht, seinen Wohnsitz in Brasiliens Hauptstadt für einige Wochen zu verlassen, um in den USA für sich und seine Frau Heilung zu suchen.
Die politische Spannung war zu stark. Dutra fühlte sich durch die Opposition bedroht. Als er die KP Brasiliens verbot, schürte man in Moskau das Feuer. Man hatte zu gut geschürt. Die brasilische Regierung gab ihrem Botschafter in Moskau einen Veto-Auftrag. Er unterrichtete den Kreml, in Rio de Janeiro lege man keinen Wert mehr auf die diplomatischen Beziehungen.
Das größte Land Südamerikas, das ungefähr die Hälfte des Kontinents umfaßt hatte damit Chile das Beispiel gegeben. Auch in Santiago hat man die Beziehungen zur Sowjetunion abgebrochen.
Ein AP-Korrespondent weiß zu melden, der brasilische Schritt sei auf die neue Pressekampagne erfolgt, die vor kurzem von den sowjetischen Zeitungen eröffnet wurde. Nachdem, vor allem in der Moskauer literarischen Zeitschrift "Gazette", USAs Staatsoberhaupt Truman angegriffen worden war, hatte man sich Staatspräsident Dutra und das brasilische Heer vorgenommen. Auch der ehemalige brasilische Außenminister und jetzige Präsident der UNO, Oswaldo Aranha, blieb nicht verschont. Er wurde als "Lakai der Vereinigten Staaten" bezeichnet.
In ihrer Note an den Kreml betont die brasilische Regierung, die sowjetische Presse werde vom Staat kontrolliert; die Regierung sei deshalb auch für alle Presseveröffentlichungen verantwortlich.
Neutrale Beobachter stellten schon seit einiger Zeit eine Verschlechterung der Beziehungen zu Moskau fest. Diplomatische Kreise betrachten das Vorgehen Brasiliens als einen Wendepunkt in den Beziehungen Ibero-Amerikas zur Sowjetunion. Man zitiert auch den panamerikanischen Verteidigungspakt von Rio de Janeiro und nimmt an, die anderen Staaten der westlichen Hemisphäre würden eine ähnliche Haltung einnehmen.
Es sind allerdings gleichzeitig Befürchtungen aufgetaucht, die Kommunisten und extremen Linken könnten dies mit einem ähnlichen Schritt wie in Europa beantworten, also einem lateinamerikanischen Kominform.
Zahlenmäßig sind die kommunistischen Parteien in Südamerika nicht sehr stark. Brasiliens KP hatte rund 200 000 eingeschriebene Mitglieder. Allerdings konnten sie bei den letzten Wahlen im Januar 600 000 Stimmen verbuchen. Die Partei wurde vor kurzem verboten.
In Argentinien zählt die KP ungefähr 30 000 Mitglieder. Ihre Bedeutung ist nicht sehr groß. Nicht ganz zwei Prozent der Arbeiterschaft sind in ihr vertreten. Präsident Peron hat eine eigne. Arbeiterpartei gegründet, die Partei der Descamisados, der Hemdlosen. Seine Gattin Eva, die sich selbst die erste Hemdlose des Landes nennt, hält diese Partei in Stimmung und sorgt dafür, daß Familie Peron bei ihr beliebt bleibt.
Damit ist der KP das Wasser abgegraben. Trotzdem spricht man davon, die Regierung werde sie zum zweiten Male verbieten, nachdem sie erst vor zwei Jahren wieder zugelassen worden war.
Chiles KP hat 70 000 Mitglieder. Bei den letzten Wahlen erhielten die Kommunisten allerdings 20 Prozent Ja-Stimmen. Man erwägt ein Verbot der Partei.
In Uruguay ist die KP bereits für ungesetzlich erklärt worden. In Paraguay hat sie Higinio Morinigo, der langmonatige Bürgerkriegs-Präsident, von Anfang an nicht geduldet. Die Zinnrepublik Bolivien und ihre Nachbarn kennen überhaupt keine KP.
Stille unter Königspalmen
Anti-Kominform-Dutra

DER SPIEGEL 43/1947
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