25.10.1947

Schwarze Soutane - rote Fahne

Vater Jozef Straka ist nicht nur ein guter Priester, sondern auch ein überzeugter Politiker. Mit der Mitgliedskarte der Kommunistischen Partei in der Tasche kämpft er in der Slowakei für die Verteilung von 400 000 Hektar Kirchenland an die Bauern.
Der katholische Priester, der während des Aufstandes gegen die Deutschen 1944 vier Tapferkeitsmedaillen erhielt, ist der Auffassung, seine kommunistische Tätigkeit stehe durchaus nicht im Widerspruch zu den Lehren der Kirche und tue seiner religiösen Ueberzeugung keinen Abbruch. "Die Kommunistische Partei ist die größte in der Tschechoslowakei. Der Ministerpräsident ist Kommunist. Dennoch unterhält der Vatikan freundliche diplomatische Beziehungen zur Prager Regierung. Und da soll ich päpstlicher sein als der Papst?"
Pater Straka ist nicht der einzige, der so denkt. Von den 2000 Priestern in der Slowakei sind 35 seinem Beispiel gefolgt und haben sich dem Kommunismus angeschlossen.
Ihr Vorgesetzter, der Bischof Andrej Skrabik von Banska Bystrica, hat ein Auge zugedrückt. An Pater Straka schrieb er: "Ich habe Ihnen seinerzeit nicht gesagt, daß Sie sich nichts an dem slowakischen Aufstand gegen den Nazismus beteiligen sollen. Ich werde Ihnen jetzt nicht sagen, daß Sie sich nicht den Kommunisten anschließen dürfen."
Die Kommunisten machten den politischen Pater sofort zum Leiter der katholischen kulturellen Angelegenheiten für die slowakischen Staatsschulen. Ihm unterstehen alle Religionslehrer. Er gab eine reiche Gemeinde mit einem guten Einkommen auf. Sein jetziges Regierungsamt wird mit einem erheblich geringeren Gehalt abgefunden.
Dem AP-Korrespondenten Daniel de Luce erklärte Pater Straka, kein römisch katholischer Priester könne eigentlich der Ideologie der Kommunistischen Partei zustimmen. Auch er lehne sie ab. "Aber ihr politisches Programm ist annehmbar, und darum unterstütze ich es." Als slowakischer Priester begrüße er außerdem die slowakischen Tendenzen der Kommunistenpartei.
Pater Straka ist ein alter Kämpfer. Schon 1941 schloß er sich der illegalen Untergrundbewegung an, die sich gegen die Regierung eines andern slowakischen Priesters, des Paters Josef Tiso, richtete. 1944 kämpfte seine ganze Familie gegen die Deutschen. Ein Bruder, der Armeeoffizier war, wurde gehängt. Der Vater wurde erschossen, das Haus eines andern Bruders in Brand gesteckt. Ein Jahr später erhielt Pater Straka formell die Mitgliedskarte 93 294 der slowakischen Kommunistischen Partei.

DER SPIEGEL 43/1947
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