25.10.1947

Fiats fünfte Kolonne

Pietro Dusio kann zufrieden sein: Die Cisitalia-Rennwagenn aus seiner Tuniner Fabrik, primitiv-geniale Fortentwicklungen normaler Fiat-1100-Chassis, laben sich schon in der ersten Saison, in der sie konkurrierten, durchgesetzt. Im Laufe dieses Jahres wurden die ersten hundert Wagen fertig und in alle Welt verkauft. Auch Hans Stuck bekam einen, und die 5800 Dollar Kaufpreis konnte ihm Dusio sogar erlassen. Seine Fabrik ist die erste in der Geschichte der Automobilindustrie, die vom Bau, von Rennwagen leben kann.
Ingenieur Savonuzzi hat die Cisitalia -Wagen aus Serienbau-Teilen zusammengebastelt Dr. Ferdinand Porsche, der Auto -Union- und Volkswagen-Konstrukteur, hat ihm mit vielen raffinierten Verbesserungen dabei geholfen. Zwischen seinem Innsbrucker Konstruktionsbüro und dem Turiner Werk fahren seit einem halben Jahr die Kurierwagen hin und her. Es ist auch kein Geheimnis mehr, daß Porsche, einen neuen Cisitalia, Modell 1948, entworfen hat, der augenblicklich in Turin probiert wird. Wie die Auto-Union-Rennmaschine und der Volkswagen, wird er von einem Heckmotor getrieben.
Der heute 73jährige Ferdinand Porsche begann als Bauklempner. Er konstruierte sich über das erste Elektromobil in die Leitung der Daimler-Werke, deren Direktor und Chefkonstrukteur er 17 Jahre hindurch war. An seinem Zeichentisch entstand Ende der zwanziger Jahre der Steyr 30.
Die glückliche Hand der Cisitalia-Leute beim Bau konkurrenzfähiger Rennwagen aus vorhandenen, inzwischen allerdings längst technisch verbesserten Fiat-Teilen hat die Fiat-Mutterwerke mobil gemacht. Schon zum 1000-Meilen-Rennen kamen sie mit einem neuen, dem Cisitalia ähnlichen Modell heraus, und inzwischen hat dieser Fiat 1100-S die Spezialkurbelwelle des Cisitalia, sozusagen sein Herz, bekommen.
Die Cisitalia-Leute glauben, begründete Furcht vor der "Fünften Kolonne" Fiats haben zu müssen. Die Kontrollen, die jeder Besucher bei Cisitalia zu passieren hat, "wurden in letzter Zeit verdoppelt.
In der kommenden Saison hat Pietro Dusio nicht nur die Konkurrenz neuer Fiats, sondern auch die Neukonstruktionen seines Ingenieurs Savonuzzi zu fürchten. Der ist nämlich bei Cisitalia davongelaufen, weil er Rennwagen bauen und nicht Wirtschaftspolitik treiben wollte. Die besten Monteure hat er mitgenommen.
Trotzdem bleibt Pietro Dusio Optimist: Hinter ihm steht Dr. Forsche.
Italiener auf Forsches Achsen: Cisitalia macht das Rennen

DER SPIEGEL 43/1947
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Fiats fünfte Kolonne

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