08.11.1947

Schären-Klänge

Leutnant Akrell von der schwedischen Luftwaffe sorgte für eine Sensation in Stockholm. Er wollte seine Geliebte, Frau Luise Forsell, die zur Erholung in einem Sanatorium auf den Scharen bei Stockholm weilte, vor dem Oberarzt, "der ein Tyrann ist", retten.
Akrell verkleidete sich als Arzt. Er kletterte durch ein offenes Fenster in das Sanatorium und schlug eine Krankenschwester nieder, die sich weigerte, einige Schlüssel auszuliefern. Frau Forsell, die nur halb angezogen war, überraschte er in ihrem Zimmer. Luise fand sich rasch in die Situation. "Das Ganze war so spannend", erklärte sie hernach. Sie lief mit ihrem Helden davon.
Das Paar fuhr zum Stockholmer Flughafen Bromma. Dort stand Leutnant Akrells private Sportmaschine, vollgetankt und startklar. In Richtung Süden flogen die beiden davon. In Mittelschweden nahmen sie eine kurze Notlandung vor, um ein paar Fässer Benzin einzukaufen.
Die Polizei in Dänemark, Norwegen und Finnland wurde alarmiert. Als Akrell nach einem abenteuerlichen Flug im Nebel am nächsten Morgen seine Maschine außerhalb Oslos auf einem Acker niedersetzte, hatte sich zu seinem Empfang ein Komitee von Polizisten eingefunden.
Das Paar wurde unter Bewachung abgeführt. Bei der Vernehmung erklärte es, Ziel der Flucht sei Nordafrika, die Türkei oder die Kanarischen Inseln gewesen. Auch Amerika war erwogen worden. Auf die Frage, was sie mit der Flucht bezweckten, erwiderten sie: "Wir suchen Spannung."
Frau Forsell ist Verfasserin von Detektivgeschichten. Sie hat zwei Bücher veröffentlicht. Das letzte hieß "Das Gespenst geht auf Opfer". Erfolg hatte sie bislang nicht. Als Akrell sie "befreite", war sie gerade beim letzten Kapitel ihres neuen Werkes "Der Fingerabdruck auf dem Teller".
Die schwedische Oeffentlichkeit nimmt an, das Paar habe die Flucht nur inszeniert, um für das jüngste Werk von Frau Luise Reklame zu machen. Für Leutnant Akrell wird die Sache weniger gut auslaufen. Er ist unter Anklage gestellt worden.
Mit den Manuskripten unterm Arm eilte Luise in Akrells Arme

DER SPIEGEL 45/1947
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