08.11.1947

Süchtiger Orient

In der Sinai-Wüste, an der Küste, am Suez-Kanal und im Niltal patrouillieren ägyptische Polizisten. Bei Tag und bei Nacht führen sie den Kampf gegen den Rauschgiftschmuggel, für den jährlich Millionen von Pfunden ausgegeben werden.
In dem ägyptischen Wüstengrenzort Kantara kamen den Grenzpolizisten fünf Kamele verdächtig vor. Sie gehörten einem Schmuggler namens Mohamed Abdul Hafez. Die Polizisten ließen die Kamele schlachten. Bei der Untersuchung der Eingeweide fand man 135 Phiolen mit Opium, die einen Wert von 10 000 Pfund haben, in den Mägen der Kamele.
Im Kampf gegen den Schmuggel hatten die Behörden zunächst "elektrische Augen" bei den Grenzposten eingesetzt. Die Kameltreiber waren sehr überrascht, als die "harmlosen" Kamele weiterziehen durften, während man die Tiere, mit denen Drogen geschmuggelt werden sollten, aussortiert hatte.
Die Schmuggler verfielen auf den Ausweg, in Metallkapseln eingeschlossene Drogen von den Kamelen schlucken zu lassen. Auch das bekamen die Grenzpolizisten heraus. Die Rauschgifthändler, stellten sich um. Statt Metallkapseln nahmen sie Gummibehälter.
Eines Tages ging ein Kamel plötzlich bei einer Kontrolle ein, ohne daß man die Todesursache feststellen konnte. Die gerichtsärztliche Untersuchung ergab, daß einige Gummibehälter im Magen des Kamels geplatzt waren und das Tier an der starken Dosis Rauschgift eingegangen war.

DER SPIEGEL 45/1947
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