08.11.1947

Anschlag auf Mannequins

Dr. Adolphe Schumann, den die Pariser Presse plötzlich nur noch Shumann schreibt, wohl weil das amerikanischer aussieht, ist in großen Noten. Man will ihm die Mannequins die er für seine Pariser Schau von kalifornischen Modellen herüberbrachte, rauben. In allen Ehren natürlich, mit festen Verträgen.
Das ist verständlich, wenn man bedenkt daß die importierten Mannequins wirklich besonders hübsch sind. Und wenn man weiter bedenkt, daß es in Paris eine wahre Krise der Mannequins gibt, einen auffallenden Mangel an geeigneten Vorführdamen.
So kam es, daß die bekannten Pariser Modellschöpfer nur eine Idee hatten, als sie die amerikanischen Girls erblickten. Sie hatten die Idee, die Damen sofort zu engagieren und nicht wieder heimfahren zu lassen.
Indessen haben die Mannequins noch keine bindende Zusage gegeben. Sie hatten zunächst einmal den Wunsch, sich in aller Muße Paris anzusehen. Da gerade der Verkehrsstreik im Gange war, hatte man ihnen einen Riesen-Cadillac zur Verfügung gestellt.
Aber es gefiel den Amerikanerinnen bei weitem mehr, wie alle Pariserinnen auf die behelfsmäßigen Lastkraftwagen zu steigen oder zu Fuß zur Sacre Coeur, dem Arc de Triomphe und dem Eiffelturm zu gehen.
Sie hatten nicht den Wunsch, dabei aufzufallen, und, daher war ihre erste Sorge, sich genau so wie die kleinen Pariser Midinetten zu kleiden. Sie erstanden deshalb für ihre Expeditionen die einfachen Röcke, Hemdblusen und Sportjacken, wie eine Midinette sie trägt.
In vollem Kriegsschmuck erschienen sie erst wieder auf einem Empfang, den ihnen zu Ehren Jacques Fath, der jünge begabte Pariser Modeschöpfer, gab. Es wimmelte nur so von Prinzessinnen, Herzoginnen und dekorativ aussehenden Männern.
Die Mannequins sind von Paris bezaubert. Mr. Schumann erwartet mit Sorge ihre Entscheidung. Er möchte sie gern vollzählig drüben wieder abliefern.
Paris ist hinter ihnen her: Mr. Schumanns Damen aus USA

DER SPIEGEL 45/1947
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