29.11.1976

Manuel Fraga Iribarne

ist der umstrittenste Politiker Spaniens. Aus der Falange hervorgegangen, machte der Professor für Staatsrecht zunächst rasche Karriere im Franco-Regime. 1962 ernannte ihn der Diktator zum Minister für Information und Tourismus. Fragas Pressegesetz, das die Vorzensur abschaffte, blieb die einzige nennenswerte Reform der Franco-Zeit. Franco schätzte den energischen Fraga und duldete sogar dessen Unbeherrschtheit. Vor versammeltem Kabinett schrie der Minister den Staatschef einmal an: "Schweigen Sie, mein General!"
1969 kehrte Fraga nicht in die Regierung zurück, als Franco im Gefolge des Korruptionsskandals Matesa sein Kabinett umbildete, und fortan sprach sich Fraga offen für demokratische Reformen aus.
So wurde er denn als Innenminister der ersten Regierung nach Francos Tod Spaniens neuer starker Mann. Dem Kabinett des Reformpremiers Suárez jedoch gehört Fraga, 54, nicht an -- statt dessen sammelte er die gemäßigte Rechte zum großen konservativen Wahlbündnis der "Volksallianz".
Sie stimmte am 18. November in der historischen Cortes-Sitzung der Verfassungsreform der Regierung zu: An die Steile von Francos Ständeversammlung wird künftig ein aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenes Parlament treten. Am 15. Dezember soll die beschlossene Reform zur Volksabstimmung gestellt werden.

DER SPIEGEL 49/1976
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