29.11.1976

Weseler beatmet Löwen

Atelier-Besucher beim Düsseldorfer Objektkünstler Weseler schrecken oft panisch zurück: Das Studio ist zur Menagerie geworden. Hörbar und sichtbar atmend auf den Boden hingestreckt, scheinen sieben lebenswahre Löwen nur zu schlafen -- ein "Dreamers of Decadence" benanntes Environment, das frappante Illusion mit mythischen Anspielungen verbindet. Der Künstler hat das Werk den Symbolisten gewidmet, für die der Löwe eine Art Wappentier war, und die bei Weseler-Werken ("Das Ungeheuer von Loch Kettwig") typische innere Atem-Mechanik diesmal in echte Löwenfelle eingebaut. Die ersten Raubtierpelze bezog er über das Düsseldorfer Exzentrik-Lokal Spoerri, das die in einem Zirkus notgeschlachteten Bestien zu Steaks und Ragout verwendet hatte. Nachschub liefert ihm ein holländischer Tierpräparator. Denn nachdem mehrere Kunstsammler sich einen Löwen wünschen, träumt Weseler von noch mehr dekadenten Schläfern.

DER SPIEGEL 49/1976
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