29.11.1976

PERSONALIENAlexander Bölling, Otto von Habsburg, Heinz-Joachim Ollenburg, Germaine Greer, Edward Heath, Heinz Kühn, Georg Leber, Jody Powell

Alexander Bölling, 23, Sohn des Bonner Regierungssprechers, ließ gemeinsam mit Ingmar Bergmans Tochter Anna, 23, die Hüllen fallen, um von dem Düsseldorfer Werbe- Exzentriker Charles Wilp mit Lehm beschmiert zu werden (Photo) -- für eine Anzeigen-Kampagne der "Deutschen Hydas Kanada-Lehm GmbH", die den amerikanischen "Urlehm mit mehr als 28 Mineralien" als Marken-Kosmetik auf den Markt bringen will. Jungwerber Bölling hatte seine Lektion schnell begriffen und lobte artig: "Meine Akne war verschwunden nach den Aufnahmen, und ich fühlte mich wie nach einem wochenlangen Tiefschlaf." Der Düsseldorfer Photograph hat mit Anna und Alexander (Honorar: 1000 Mark), dem "vorbildlichen Werbetraumpaar 1977" (Wilp), noch mehr vor -- für seine neuen "Konsum-Skulpturen, die Produkte auf dem Körper bewußt machen sollen". Nächstes Produkt auf nackter Haut: Buttermilch.
Otto von Habsburg, 64, österreichischer Kaisersproß und Ex-Thronprätendent, hat sich mit seinem Schicksal ausgesöhnt. Er zog bei seinem letzten Besuch in der Heimat in einem Gespräch mit der Wiener "Kronen Zeitung" Bilanz: "Ich habe Monarchen aus der Nähe gesehen. Und wenn man weiß, welche schwere und undankbare Aufgabe Monarch zu sein ist, dann dankt man Gott, daß man es nicht ist!" Der verhinderte Potentat weiß seine Österreicher auch ohne eigenes Zutun mit "Elementen aus der Zeit der Monarchie" (Habsburg) wohlversehen: "Haben Sie den Kreisky in der TV-Sendung über Kaiser Franz Joseph gesehen? Na? Vor dem Bild des Kaisers stehend, in dem Tonfall und mit den Handbewegungen? Das war"s doch, das ewige Österreich!" Der CSU-Freund Otto von Habsburg ist mit der Selbstdarstellung des SPÖ-Kanzlers zufrieden: "Die Menschen brauchen jemanden, zu dem sie aufsehen können."
Heinz-Joachim Ollenburg, 52, ehemaliger Düsseldorfer Rechtsanwalt und Entführer des Essener Großkaufmanns und Multimillionärs Theo Albrecht (Tat: 1971; Beute: sieben Millionen Mark; Urteil: achteinhalb Jahre), soll Mitte nächsten Jahres vorzeitig aus der Haft entlassen werden -- wegen guter Führung. Draußen allerdings warten neue Schwierigkeiten: Albrecht hat Ollenburg, ebenso wie dessen im hessischen Schwalmstadt einsitzenden Komplicen Paul Kron, Zahlungsbefehle in die Zellen geschickt -- denn von der Beute fehlen noch immer 3,9 Millionen Mark. Vollstreckungsdauer: 30 Jahre.
Germaine Greer, 37 (Photo), australische Literaturdozentin, die seit Beginn der siebziger Jahre mit Worten (Buchtitel: "Der weibliche Eunuch") und Taten (Greer: "Trotz lebenslangen Dienstes für die Sache der sexuellen Befreiung bin ich nie geschlechtskrank geworden") gegen die Männerherrschaft und für weiblichen Lustgewinn kämpft, mag bei ihren Feldzügen nicht mehr das Letzte geben. Die "Women"s Lib"-Kombattantin" der man einst nachrühmte, sie habe ihre sexuellen Studien mit dem ganzen Fußballteam des britischen Erstligisten Manchester United betrieben, will nun vom Sex nichts mehr wissen: "Heute ist der Akt zur Gymnastikübung geworden -- und ich war nie sehr scharf auf Sport."
Edward Heath, 60, britischer Ex-Premierminister und Hobby-Dirigent, wurde von einem Oboisten des "London Symphony Orchestra" als Dirigent nicht ernst genommen: Der Bläser hatte neben der Partitur auch ein Kreuzworträtsel mit zur Probe genommen (Photo), um sich in den Pausen zwischen seinen Einsätzen nicht zu langweilen. Das Vorhaben freilich schlug fehl; Heath nahm die Symphoniker bei den Werken von Mozart, Wagner und Schubert derart hart ran, daß dem Musiker nicht eine Rätsel-Lösung gelang. Das Konzert in London, in dem auch Anneliese Rothenberger mitwirkte, wurde denn auch ein voller Erfolg. Grund des Heath-Auftritts am Dirigentenpult: die Buch-Premiere seines neuen Werkes. Titel: "Musik, eine Freude fürs ganze Leben".
Heinz Kühn, 64, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, mußte sich im Düsseldorfer Landtag dafür rechtfertigen, daß in den Zeugnissen zweier Klassen einer Duisburger Grundschule unter der Rubrik "Staatsangehörigkeit" die Abkürzung "BRD" -- statt "Deutsch" -- verwendet wurde. Der SPD-Regierungschef ließ zwar die verantwortlichen Klassenlehrer belehren, doch auf die von der CDU-Opposition geforderte klärende Verordnung für "den richtigen Sprachgebrauch bei der Bezeichnung unseres Staates" (CDU-MdL Ottmar Pohl) will Kühn auch fortan verzichten. Denn: "Auch wenn Bezeichnungsrichtlinien erlassen würden, könnten Fehler nicht vermieden werden."
Georg Leber, 56, vom Blinddarm befreiter Verteidigungsminister, nutzt seinen Genesungsaufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz zur Weiterbildung. Als in der vergangenen Woche einem gehbehinderten Lebenslänglichen aus einer nord rhein-westfälischen Strafanstalt eine Adernprothese eingesetzt wurde, sah er den Ärzten vier Stunden lang bei der komplizierten Operation zu. Einen Tag später revanchierte sich der Minister. Er lud zu einer politischen Diskussion ein. Lebers Bedingung: Keine Uniform und keine intimen Fragen.
Jody Powell, 33, Washingtons designierter Präsidentensprecher, genoß erste Einblicke in seinen neuen Job: Beim Besuch des künftigen Arbeitsplatzes im Weißen Haus folgten Journalisten dem Carter-Sprecher ins Büro des Ford-Sprechers Ron Nessen, um bei der ersten Begegnung des scheidenden mit dem kommenden "Press Secretary" dabeizusein. Powell hatte nichts gegen den Anhang, doch Nessen reagierte sauer auf den Troß: "Raus, das hier ist mein Büro." Als ein Reporter respektlos Widerworte wagte ("Dies Büro gehört dem Steuerzahler"), alarmierte Nessen zum Vollzug des Rausschmisses gar die Präsidenten-Wache. Jody Powell, der jetzt vorzugsweise Zigaretten mit Präsidenten-Siegel raucht (Photo) und von seinem noch polit-unerfahrenen künftigen Stab fordert, sich unauffällig dem "gehobenen Standard" im Machtzentrum der US-Politik anzupassen ("Die Leute denken sonst, an diesen Stil seien wir nicht gewöhnt"), über den Auftritt seines Platzhalters: "Bei meinem ersten Besuch im Weißen Haus zu erleben, wie der Pressesprecher einen Reporter auffordert, ihn am Arsch zu lecken, war eine beglückende Erfahrung für mich."

DER SPIEGEL 49/1976
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