09.02.1976

PERSONALIENHannelore Schmidt, Lisette Malidor, William Colby, Marie Schlei, Christiaan Barnard, Margaret Thatcher, Elmar Altvater

Hannelore ("Loki") Schmidt, 56, Frau des Bundeskanzlers, die lieber Biologin als Lehrerin geworden wäre, ließ sich nach einem vierwöchigen Forschungsaufenthalt im kenianischen Hochland durch Diebe um Erfolge ihrer Arbeit bringen. Als Gast von Botanikern der Max-Planck-Gesellschaft hatte sie am Nakuru-See und am Baringo-See seltenen Gewächsen nachgespürt und bei der Rückkehr in Nairobi ihren mit Forschergepäck beladenen offenen Landrover unbewacht am Straßenrand stehenlassen. Wieder beim Wagen, entdeckte die Amateur-Forscherin Diebesspuren: Zwei der mühsam gefüllten Pflanzenkoffer waren verschwunden ("Ich habe 27 verschiedene Pflanzen gefunden, darunter drei, die am Nakuru-See noch nicht entdeckt worden waren"). Eilig und zu Fuß machten sich Loki und Begleitung auf die Suche nach Dieben und Gewächsen vergeblich. Es kam gar schlimmer: Während der Fahndung stahlen Auto-Diebe auch noch den Landrover. Der wurde zwar später mit leerem Tank am Stadtrand von Nairobi wiedergefunden, die seltenen Pflanzen aber blieben verschwunden.
Lisette Malidor, 29, Revue-Tänzerin aus Martinique, orientierte sich für eine Show-Nummer im "Casino de Paris" an alten Vorbildern -- sie ließ sich ein Bananenröckchen im Stile Josephine Bakers anpassen (Photo, r.). Während Vorbild Josephine (l.) bei ihren aufsehenerregenden Auftritten in den zwanziger Jahren zum Obst-Rock noch mit geradezu züchtigem Oberteil auf die Bühne ging, zeigte Lisette den Besuchern des Pariser Nachtclubs mehr: Sie begnügte sich mit aufgereihten Plastik-Früchten und Plastik-Perlen.
William Colby, 55, von US-Präsident Ford gefeuerter Chef der CIA, wurde noch einmal ins Weiße Haus gerufen -- um nachträglich für seine Geheimdienstarbeit geehrt zu werden. Gerald Ford zeichnete Colby, der Anfang Mai 1973 zum CIA-Direktor berufen und Ende letzten Jahres wieder entlassen wurde, mit dem "Orden für Nationale Sicherheit" aus -- allerdings unter Ausschluß der Öffentlichkeit: Die Verleihung fand ohne großes Zeremoniell hinter verschlossenen Türen statt. Marie Schlei, 56, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeskanzleramt, erkannte verspätet den Wert eines Gastgeschenks, das sie als Begleiterin von Bundeskanzler Helmut Schmidt bei dessen letztem Besuch in Moskau vom sowjetischen Außenminister Gromyko erhalten hatte. Die Berlinerin hatte das Mitbringsel, das sie für eine hübsche, aber recht wertlose kunstgewerbliche Arbeit hielt, ihrer Tochter Christine weiterschenken wollen, wurde aber -- zurück in Bonn -- über den wahren Wert des Stücks aufgeklärt. Kenner identifizierten die Gromyko-Gabe als "grusinischen Hochzeitsschmuck", aus Gold und Silber gefertigt. Christiaan Barnard, 53, südafrikanischer Herzchirurg, erntete für seinen Roman "Die Erbsünde", in dem er sich gegen die Apartheidspolitik Südafrikas wendet, Kritik. Während Barnard behauptet, er habe das Buch geschrieben, "weil ich mich dagegen wehre, daß Menschlichkeit, Pioniergeist und Tatkraft durch Vorurteile und Dummheit unterdrückt werden", fand seine Ex-Ehefrau Louwtjie die literarische
Arbeit des Mediziners mit dem zusätzlichen philosophischen Doktorgrad "lächerlich": "Ich war zwanzig Jahre lang mit Chris verheiratet. Mir gegenüber hat er sich jedenfalls nie etwas davon anmerken lassen, daß ihm die Politik unseres Landes verhaßt ist. Chris ist als Politiker gescheitert, und jetzt versucht er sich eben als Pseudo-Schriftsteller."
Margaret Thatcher, 50, britische Oppositionsführerin, versuchte durch betont weibliches Aussehen sowjetische Kritik an ihrer Person zu widerlegen. Die Konservative hatte den Ärger der Russen erregt, als sie in einem Plädoyer für verstärkte britische Verteidigungsanstrengungen vor dem wachsenden Kriegspotential der UdSSR warnte. Entrüstet nannten sowjetische Zeitungen die Oppositionschefin eine "eiserne Lady" und "kriegerische Amazone". Diese Vorwürfe mochte Margaret Thatcher nicht auf sich sitzenlassen. Zu einer Veranstaltung in ihrem Wahlkreis Finchley erschien sie in einem weich fallenden Gewand (Photo) und griff in ihrer Verteidigungsrede auf weibliche Argumente zurück: "Ich stehe vor Ihnen in meinem roten Chiffon-Abendkleid, mit leicht geschminktem Gesicht und sanft gelocktem Haar. Die eiserne Lady der westlichen Welt? Ich -ein kalter Krieger?"
Elmar Altvater, 37, marxistischer Politologe und Professor an der FU Berlin, wurde von der österreichischen Bundespolizei am Eröffnungsmorgen der Olympischen Winterspiele im Bahnhof Innsbruck aus dem Zug geholt und als "Sicherheitsrisiko" in 14stündige "Schubhaft" gebracht. Vom Ursprungs-Vorwurf (geplante "terroristische Aktionen und extremistische Tätigkeiten") blieb dem nach eigenen Angaben Maltraitierten ("mehrere Tritte in die Gegend der Geschlechtsteile") lediglich lapidare Behörden-Rechtfertigung, er sei "in der BRD wegen politischer Aktionen bekannt". Zumindest Staatsschützer in Berlin und Bayern bestritten, die "behördliche Willkür" gegenüber dem Professor auch nur ausgelöst zu haben. Ein österreichischer Abschubbeamter hingegen zu Altvater: "Den ganzen Trouble haben Sie ihren Leuten zu verdanken."

DER SPIEGEL 7/1976
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