05.04.1976

Chile: Wer lügt?

Chiles Diktator General Augusto Pinochet soll den deutschen evangelischen Bischof Helmut Frenz verklagen -- so will es der Geistliche selbst. Frenz, der nach dem Putsch der Militärs gegen die gewählte Regierung des Sozialisten Salvador Allende in Chile eine kirchliche Hilfsorganisation für die Opfer des Militärregimes aufgebaut hatte, war im Oktober 1975 aus dem Anden-Staat ausgewiesen worden. Kurz darauf berichtete Frenz dem Untersuchungsausschuß der Vereinten Nationen in Genf von einer Unterredung mit Pinochet vom 13. November 1974, bei der er im Beisein eines einheimischen katholischen Amtsbruders gegen die Foltermethoden der Geheimpolizei protestiert hatte. In der großen Santiagoer Tageszeitung "El Mercurio" dementierte Pinochets Kanzleichef Covarrebios den Bericht des deutschen Geistlichen: "Herr Frenz lügt, da er keinerlei Unterredung mit seiner Exzellenz dem Präsidenten der Republik hatte." Da er seine Aussage vor der Menschenrechtskommission unter Eid gemacht habe, so schrieb der Bischof jetzt in einem offenen Brief an Pinochet, "fordere ich Sie hiermit öffentlich auf, gegen mich ein Meineidsverfahren einzuleiten. Im Interesse Chiles halte ich einen solchen Schritt für angemessen, damit vor der Öffentlichkeit des In- und Auslands eindeutig festgestellt wird, wer in diesem Falle lügt".

DER SPIEGEL 15/1976
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